Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.12.2015


Kino

Star Wars VII: Die Macht des Mysteriums

Kein Film wurde bislang so sehnlich erwartet wie der Auftakt zur neuen „Star Wars“-Trilogie. Das liegt nicht zuletzt an einer raffinierten Marketing-Kampagne.

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© Image Net



Von Silvana Resch

Innsbruck – Dabei sein, mittendrin im „Star Wars“-Universum – das versprach Regisseur J.J.Abrams dem Publikum in einem im Mai 2014 veröffentlichten Video. Während der Dreharbeiten zum siebenten Teil der Weltraum-Saga stand Abrams in der Wüste von Abu Dhabi, inmitten einer Zeltstadt, während ein seltsamer Filmcharakter, eine Mischung aus Dromedar, Yoda und E.T., hinter ihm durchs Bild zog. Für die Anhänger des Heldenepos ein ganz besonderer Augenblick, der da scheinbar beiläufig hinter den Kulissen aufgenommen wurde. Zum einen, weil Abrams darin verlautbarte, ein Fan könne in einem Gewinnspiel eine Rolle im neuen „Star Wars“ Film ergattern. Zum anderen, weil es bis dahin kaum Informationen zum neuen Sternenkriege-Abenteuer „Das Erwachen der Macht“ gegeben hatte. Und der so genannt­e Superfan weiß: Jedes noch so kleine Detail könnte von Bedeutung sein, ein Hinweis, ein­e Spur oder der Schlüssel zu einem Rätsel könnten sich beinahe überall verbergen.

Es ist eine eigene Wissenschaft, das Publikum in fiktive Welten zu verstricken. Dank einer Narration, die sich über verschiedene Medien, wie Film, Internet, Buch oder Computergame erstreckt, kann heutzutage tiefer in Geschichten eingetaucht werden als je zuvor. Mit J.J.Abrams hat „Star Wars“-Produzentin Kathleen Kennedy zudem einen renommierten Meister des transmedialen Erzählens gewonnen. Als einer der Macher der revolutionären Kultserie „Lost“ (2004) konnte Abrams schon bald auf eine obsessive Fangemeinde bauen. Eine weltweite Fanbase, die neben den Websites auch die Romane und Magazine zur Serie akribisch studierte. Die Mythologie von „Lost“ war so komplex, dass eine eigene Enzyklopädie namens „Lostpedia“ angelegt wurde.

Dass sich ein engagiertes Publikum beim Rätsel-Knacken auch von fremdsprachigen „Nachrichten“ nicht aufhalten lässt, demonstrierte etwa die Transmedia-Kampagne zum Monsterfilm „Cloverfield“ (2008), der Drehbuchautor und Regisseur agierte bei diesem Projekt als Produzent. Vor Kurzem erschien auch der von Abrams und Doug Dorst verfasste Roman „Das Schiff des Theseus“. Eine Meta­fiktion und gewissermaßen das literarische Gegenstück zur „Lost“-Mystery. Mit „hand­schriftlichen“ Notizen wird das Buch zum Buch im Buch. Der Leser, dem Fotos, Postkarten oder vollgekritzelte Servietten zwischen den Seiten entgegenflattern, wird zum Mitautor eines rätselhaften Werkes.

Streng geheim wie bereits der Dreh zu „Cloverfield“ wurd­e auch der Produktionsprozess zum neuen „Star Wars“-Abenteue­r gehalten. Ein erster Teaser zu dem in Abu Dhabi, den englischen Pine Wood Studios und Island gedrehten Film wurd­e im November vergangene­n Jahres veröffentlicht. In dem 88-sekündigen Clip wurden neue Charakter­e des Franchise vorgestellt, mehr Infos zu den Schlüsselfiguren fand der Super­fan einen Monat später in Sammelkarten, so genannten Trading Cards. Bis zum ersten offiziellen Kinotrailer diesen Oktober wurden Informationen ganz gezielt und äußerst spärlich platziert, etwa in Vanit­y Fair oder auf Instagra­m. Und natürlich wurde vor dem offiziellen Filmplakat und dem ersten Trailer auch noch eine eigene Produktlinie mit Actionfiguren, Büchern oder Kleidungsstücken lanciert. Die Fülle an „Star Wars“-Produkten lässt sich ganz vortrefflich nach Hinweisen abklopfen – zur Freude des Lucasfilm-Eigentümers Disney.

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Die wenigen offiziellen Fakte­n öffnen freilich Spekulationen Tür und Tor. Dass Luke Skywalker – im Gegensatz zu Franchise-Verkaufsschlager Han Solo und Prinzessin Leia – nirgends zu sehen ist, beschäftigt die Fangemeinde. Nur der Film kann Antworten auf all die offenen Fragen und Rätsel geben. Und daran lässt sich auch ermessen, wie hervorragend die Transmedia-Marketing-Kampagne im Falle von „Star Wars“ funktioniert. Am 19. Oktober, kurz nachdem der erste Trailer im US-Fernsehen gezeigt wurde, startete der Vorverkauf. Und nicht nur in Amerika, auch in Österreich wurden die Server von der enormen Nachfrage beinahe in die Knie gezwungen. „So etwas hat es noch nie gegeben“, sagt Elisabeth Hueber vom Metropol-­Kino. Die Mitternachts­premiere von „Das Erwachen der Macht“ läuft in der Nacht auf Donnerstag in allen Sälen des Innsbrucker Kinos gleichzeitig. Und auch wenn die Traile­r mittlerweile mehr Details preisgeben, so wird doch kein Film so sehnlich erwartet wie Episode VII.

Die Macht ist stark in dieser perfekt orchestrierten digitalen Schnitzeljagd. Und diese ach so ferne Galaxie ist manchem Superfan so nah wie nie zuvor.

Mythen in Tüten

Mit „Star Wars“ lieferte Filme­macher George Lucas eine „überaus ausgereifte und nahezu klassische Mythologie, die uns genau deshalb so fasziniert, weil sie grundlegende psychologische und philosophische Fragen verhandelt. Wie geht Gesellschaft mit Macht um“, heißt es im Editorial zu einer Sonderausgabe des Philosophie-Magazins mit dem Titel „Star Wars. Der Mythos unserer Zeit“. Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek fragt sich darin etwa, ob die eigentliche Motivation für Anakins Hinwendung zur dunklen Seite der Macht nicht „in seiner exzessiven Neigung zum Guten“ liege. Der Physiker Harald Lesch erklärt indes neuesten Stand der Weltraumforschung und warum ferne Galaxien für immer fern bleiben werden.

Wenn mit „Episode VII – Das Erwachen der Macht“ das neueste „Star Wars“-Abenteuer in den Kinos anläuft, spielt George Lucas nur noch eine Nebenrolle. Mit dem ersten „Krieg der Sterne“-Streifen hat der Filmemacher eine Saga begründet, die sich zum millionenschweren Franchise entwickelt hat. Vor drei Jahren hat Lucas sein persönliches Imperium an Disney veräußert. Mit Darth Vader hat Lucas wohl einen der erinnerungswürdigsten Film-Bösewichte geschaffen hat. Unzählige Parodien und Erscheinungen in der Fernseh- und Werbewelt zeugen von seiner popkulturellen Popularität.


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