Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.04.2016


ZDF

Bei Schnitzel-Satire hört für manche der Spaß auf

Ein Tiroler Student hat wegen eines Postings der ZDF-Satiresendung “heute-show“ Anzeige erstattet.

Oliver Welke

© ZDF und Willi WeberOliver Welke



Innsbruck – Wie Satire zur internationalen Staatsaffäre werden kann, zeigt der Fall Jan Böhmermann. Die Mainzer Staatsanwaltschaft plant angesichts der Ermittlungen wegen des Verdachts auf Beleidigung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nun eine Anhörung des ZDF-Zynikers. Danach solle entschieden werden, ob hinreichender Tatverdacht besteht.

In Deutschland wird indes weiter über den umstrittenen Strafrechtsparagrafen 103 zur Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes diskutiert: Die Union im deutschen Bundestag ist im Gegensatz zur SPD gegen eine rasche Abschaffung.

- Screenshot/Facebook

Dagegen würde wohl auch der Tiroler Emanuel Falch stimmen. Geht es nach dem Jus-Studenten, sollen die deutschen Behörden erneut Ermittlungen wegen Beleidigung – unter anderem auch nach diesem Strafrechtsparagrafen – aufnehmen. Falch sieht Norbert Hofer, den Bundespräsidentschaftskandidaten der FPÖ, davon betroffen – auch wenn dieser derzeit nur einer von zwei möglichen Anwärtern auf das Amt ist. Der Student hat laut eigenen Angaben Anzeige wegen eines Postings auf der Facebook-Seite der ZDF-Satire-Sendung „Heute Show“ erstattet. Der FPÖ-Erfolg bei der Bundespräsidentenwahl wurde dort am Montag mit einem Foto kommentiert, das ein Schnitzel in Hakenkreuz-Form zeigt. „Österreicher wählen eben so, wie sie es vom Schnitzel kennen, möglichst flach und schön braun“, ist dort zu lesen. Ein Posting, das für heftige Diskussionen in den sozialen Netzwerken sorgte und bis Dienstagabend mehr als 6000-mal kommentiert und knapp 8000-mal geteilt wurde.

Nicht nur für das ehemalige FPÖ-Mitglied Falch, auch für die Partei selbst hört sich der Spaß beim Hakenkreuz-Schnitzel auf. Man habe selbst eine Anzeige erwogen, erklärte FPÖ-Pressesprecher Martin Glier auf Nachfrage der TT. Da Hofer aber nicht persönlich beleidigt wurde, habe solch eine Klage wenig Aussicht auf Erfolg, darum habe die Partei davon abgesehen.

Als Satire will Emanuel Falch seine Aktion nicht verstanden wissen. „Es ist mir ernst“, sagt er. Auch wenn er das ganze „alleine durchgezogen“ habe, so hätten ihm mittlerweile „viele Freunde und politisch Aktive“ Unterstützung zugesagt. (sire)