Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.08.2016


Film und TV

“Hotel Rock'n'Roll“: Ein turbulentes Requiem

Michael Ostrowski präsentiert heute im Zeughaus seinen Film „Hotel Rock’n’Roll“.

© LunafilmMichael OstrowskI, Star der „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“-Trilogie, führt in „Hotel Rock’n’Roll” erstmals Regie.Foto: Lunafilm



Von Peter Angerer

Innsbruck – In „Nacktschnecken“ war für Mao (Pia Hierz­egger) nach dem Scheitern im Drogenhandel der Einstieg in die verheißungsvolle Porno­industrie der Strohhalm, an den sie sich klammern wollte, um den prekären Verhältnissen zu entkommen. Aber mit dem alten Rein-und-raus-Spiel lässt sich in keiner Branche schnelles Geld machen, weshalb die Kleinunternehmerin in „Contact High – The Good, The Bad And The Bag“ in das hartgesottene Gewerbe wechselte – mit Maos Würstelstand.

In „Hotel Rock’n’Roll“ wirft ihr endlich das Schicksal in der Person ihres Onkels Waberl ein Rettungsseil zu. Aber kaum ist der Onkel unter Hinterlassung eines Hotels zu seiner letzten Reise aufgebrochen, führt dieses Seil direkt in die örtliche Bank, die eine Hypothek auf das Hotel fällig stellt. Glücklicherweise spielt sich Schorschi (Georg Friedrich) in der Bankfiliale gerade als vermummter Räuber auf, womit sich das Blatt noch einmal wenden könnte, denn der Möchtegerngangster hat bereits in „Nacktschnecken” und „Contact High” eine nicht unbedeutende Rolle gespielt.

„Hotel Rock’n’Roll“ erzählt aber noch von einer anderen Hypothek, die von den Regisseuren Michael Ostrowski und Helmut Köpping geschultert wird. Willi Resetarits erledigt nicht nur einen Cameo-Auftritt, sein Waberl stirbt in der Maske des 2014 unter tragischen Umständen in Liberia verstorbenen Regisseurs und Autors Michael Glawogger, der 2004 mit „Nacktschnecken“ seinen ersten kommerziellen Erfolg in den österreichischen Kinos verbuchen konnte, bevor er mit seinen Dokumentarfilmen („Workingman’s Death“) zu seiner persönlichen Handschrift fand. „Contact High“ war 2009 schon nicht mehr so erfolgreich, denn Maos Verlierer­truppe irrte auf der Jagd nach Drogen und einer ominösen Tasche nicht mehr durch das komische Reich der Sinne, sondern durch surreale Traum- und Alptraumlandschaften zwischen Österreich und Polen. Da muss es Glawogger und seinem Co-Autor Michael Ostrowski gedämmert haben: Alles oder nichts! Gemeinsam schrieben sie das Drehbuch zu „Hotel Rock’n’Roll“, um eine österreichische „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“-Trilogie zu erfinden. In einem solchen Projekt werden die Toten mitgedacht.

Alle treffen sich wieder an der Hotelrezeption. Max (Ostrowski) wollte sich in „Nacktschnecken“ als Joe Latte einen Namen machen und pflegt noch immer seine erotischen Hoffnungen auf Mao. Der Neuzugang Jerry (Gerald Votava) bestellt sich bei der Escort-Vermittlerin Stefanie Werger ein Call-Girl und möchte vor Scham ins Bodenlose versinken, doch das Hotel ist ohnehin an Schäbigkeit nicht zu überbieten. Die Dame biegt außerdem zum Konkurrenzunternehmen ab, das dem ehemaligen Schrotthändler Harry (Detlev Buck) gehört. Harry wirft sein begehrliches Auge auf Maos Hotel und auf Schorschi, der seine Corvette in den Hotelteich gefahren hat und sich nur kleinlaut („Ich bin kein Warmer!”) wehren kann. Zur Rettung des Hotels formieren sich Mao, Max, Jerry und Schorschi zur Rockband, die mit dem Song „Futschikato“ zur Legende wird. „Hotel Rock’n’Roll“ mutiert zum turbulenten Requiem, die Überlebenden sind zu ewiger Pubertät verurteilt, womit jedes Pathos ausgeschlossen wird. Nach der heutigen Premiere im Open-Air startet der Film Ende August in den Kinos.