Letztes Update am So, 28.08.2016 06:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Interview

Michael Ostrowski: Unter dem Witze-Regenbogen

Schauspieler und Drehbuchautor Michael Ostrowski hat mit „Hotel Rock’n’Roll“ sein Regiedebüt gegeben. Mit der TT sprach er über spezielle Herausforderungen und spielerischen Ernst.

Michael Ostrowski, 1973 in Leoben geboren, studierte Englisch und Französisch in Graz, Oxford und New York.

© Andreas Rottensteiner / TTMichael Ostrowski, 1973 in Leoben geboren, studierte Englisch und Französisch in Graz, Oxford und New York.



Wer Sex und Drogen sagt, kommt am Rock’n’Roll nicht vorbei. Nach der brachialen Pornosatire „Nacktschnecken“ und dem psychedelisch-skurrilen Roadtrip „Contact High“ wollten Michael Ostrowski und Michael Glawogger ihre Trilogie mit „Hotel Rock’n’Roll“ beenden. Nach dem Tod des Regisseurs – Glawogger starb vor zwei Jahren in Liberia an Malaria – hat Michael Ostrowski auch die Regie übernommen. Das bekannt-bewährte Loser-Trio der ersten beiden Filme versucht dieses Mal, ein geerbtes Hotel im Geiste des Rock’n’Roll weiterzuführen. Mit der TT sprach Michael Ostrowski über das Vermächtnis von Michael Glawogger, die subversive Kraft des Rock’n’Roll und Humor.

Ihr Regiedebüt beginnt mit dem sterbenden Onkel Waberl (Kurt Ostbahn, der auf Michael Glawogger getrimmt wurde) und seinem Vermächtnis, dem „Hotel Rock’n’Roll“. Ich nehme an, die Szene wurde nach Glawoggers Tod geschrieben?

Nein, die wurde bereits zuvor geschrieben, zweieinhalb Jahre bevor der Glawo nach Afrika gefahren ist. Er wollte den Onkel Waberl selbst spielen, kein Schmäh! Das ist eigentlich eine schicksalsschwangere Aussage: Er stirbt und er sagt: „Ihr müsst das weiterführen.“ Das ist ja auch ein spiritueller Auftrag, den Geist des Rock’n’Roll soll man nicht sterben lassen. Und das Haus ist die Verkörperung dieses Geistes.

Sie haben in einem Interview mal gesagt, sie hätten von Michael Glawogger das Schauspielen richtig gelernt? Wie ist das mit Regieführen?

Ich habe bei „Nacktschnecken“ viel mit ihm geübt, wie man filmschauspielt. Ich habe ja sehr viel Bühnenerfahrung gehabt, habe zehn Jahre Theater gespielt, hatte aber keine Erfahrung mit Filmschauspiel. Was die Regie anbelangt, das ist überhaupt so eine Frage, was inspiriert einen? Es gibt extrem viele Leute, die mir taugen, aber ich würde nie sagen, ich will es so machen wie der. Natürlich hat mich der Glawo inspiriert, aber ich glaube, ich bin ein ganz anderer Regisseur. Er war sehr ruhig, ist dagesessen und hat sich das angeschaut. Ich bin als Mensch ganz anders, aber wir haben ähnlich gedacht und es gab sehr viele Überschneidungen: wie wir die Welt gesehen haben oder was wir lustig gefunden haben.

Der Schauspieler, Drehbuchautor und Moderator wurde als Mitautor von „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet.
Der Schauspieler, Drehbuchautor und Moderator wurde als Mitautor von „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet.
- Andreas Rottensteiner / TT

Es heißt, Komödien zu drehen, sei am schwierigsten.

Das hat auch Andreas Prohaska (der Ostrowskis Drehbuch „Die unglaubliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ verfilmte) gesagt. Gerade der Prohaska, der wirklich alle Genres gemacht hat! Man muss am Set das erzeugen, was eine Komödie braucht, nämlich Lustigkeit. Und wenn du das nicht schaffst, dann kannst dich brausen gehen. Insofern ist Komödie schwer, andererseits ist es für mich das Lustigste und Leichteste – weil es mir liegt.

Vor welche Schwierigkeiten stellt die Personalunion Autor, Regisseur, Hauptdarsteller?

Wenn es der Clint Eastwood zusammengebracht hat, dann kann ich das auch.

Ein Loser-Trio führt das "Hotel Rock'n'Roll".
Ein Loser-Trio führt das "Hotel Rock'n'Roll".
- Filmladen

Entstanden ist eine Art „Weißes Rössl“ im Drogenrausch.

Eher das „Schwarze Rössl“. Der Nachfolgefilm vom „Weißen Rössl“ hat eine ähnliche Geschichte wie unser Film. Ein Hotel ist überschuldet und ein Konkurrenzhotel will es übernehmen, dann kommen Musiker. Wir haben ganz bewusst dieses Genre genommen, weil man das kennt.

Der Film hat einen Retro-Touch. Wie lebendig ist der Rock’n’Roll denn?

Rock’n’Roll gibt es immer noch, auch wenn jetzt schon die Wahlkampfmanager von rechtskonservativen Parteien Rock’n’Roll sagen. Das lass’ ich mir nicht wegnehmen. Rock’n’Roll hat eine subversive Kraft, weil es an die Grenzen geht, weil es lustvoll ist, weil es körperbetont ist, weil was auf dem Spiel steht. Das Wilde und Unberechenbare mit Hotelboulevard zu paaren, war relativ fordernd und ich hoffe, dass man das im Film nicht sieht. Der Film muss leicht daherkommen.

Was war denn schwieriger: das Drehbuch zu schreiben oder die Lyrics zu „Futschikato Masalani“, dem einzigen Song, den die Band im Film draufhat?

Die Lyrics zum Song, da habe ich fünf Jahre dran geschrieben.

An welcher Textzeile genau?

Ich glaub’ an der dritten, „Muschigruber, Zipflhuber“, da bin ich extrem lang gesessen.

Wann ist Ihnen ein Witz zu blöd?

Mir ist in Wahrheit wenig zu blöd, aber ich mag auch viele Witze nicht. Wir haben beim Drehen immer Spaß gemacht, dass wir den gesamten Witzeregenbogen abdecken möchten. Für den gebildeten Deutschlehrer im Publikum ein Nietzsche-Zitat, „die Geburt der Tragödie aus dem Geist der Musik“, und für den Volksschüler den Sexminister. (lacht)

Haben Sie als Volksschüler davon geträumt, Rockstar zu werden?

Es war schon immer spannend, aber ein Traum war das nie. Auch wenn mich John Lennon wahrscheinlich am meisten inspiriert hat – für alles, was ich jemals gemacht habe. Aber ich habe keine Sekunde daran gedacht, dass das mein Beruf sein könnte oder dass ich Künstler werde, das war für mich überhaupt kein Thema.

Es heißt, Sie lügen in Interviews gerne. Wie ernst darf man denn diese Antworten nehmen?

Das Interview zuvor habe ich gemeinsam mit dem Gerald Votava (ein weiterer Hauptdarsteller) gemacht, da haben wir, glaube ich, zu 70 Prozent Blödsinn geredet, wenn ich allein bin, sage ich zu 70 Prozent die Wahrheit.

Das Interview führte Silvana Resch


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