Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 27.02.2017


Film und TV

TV-Film “Maximilian“: Lichtgestalt in dunklen Zeiten

© ORF



Innsbruck – Das Schlechteste an „Maximilian“ ist der Unter­titel. Der heißt „Das Spiel von Macht und Liebe“ und gemahnt dann doch irgendwie an eine einfältig ins Melodramatische gedrehte Version vom „Lied von Eis und Feuer“, als das die US-Serie „Game of Thrones“ auch angepriesen wird. Natürlich will man Parallelen zwischen „Maximilian“ und „Game of Thrones“ ziehen: Fürsten­tümer, die um Vorherrschaft ringen, schwere Schwerter, knarzende Kettenhemden, dunkle Wälder und noch dunklere Befürchtungen.

Doch man täte Andreas Prochaskas Dreiteiler Unrecht, würde man ihn jetzt als sündteuren Versuch (Gesamtbudget: mehr als 15 Millionen Euro) abkanzeln, ein Erfolgspferd zu Tode zu reiten. Im Gegenteil: Die mit viel Liebe zum historischen Detail erzählte Saga um „den letzten Ritter“ bietet raffiniert orchestrierte Spannungsbögen, beachtliche Schauwerte, die Thomas Kiennasts Kamera auch mit angemessenem Stolz umkreist, und – besonders erfreulich – Dialoge, die darauf vertrauen, dass nicht immer jede mögliche und unmögliche Regung ausformuliert werden muss. So sprachen echte Menschen. So sprechen sie noch heute. Im Fernsehen sind nur ihr­e Gesichter prominenter als auf der Straße: Tobias Moretti etwa hat als Friedrich III. eindrückliche Gastauftritte, auch Johannes Krisch, Harald Windisch, Erwin Steinhauer und Edgar Selge glänzen in markanten Nebenrollen. Christa Théret darf als Maria von Burgund beeindruckend bockig schauen. Jannis Niewöhner bleibt als Maximilian zunächst etwas blass – und entwickelt sich erst nach etwas Anlaufzeit von der Projektionsfläche zur Lichtgestalt in dunklen Zeiten. (jole)




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