Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 03.06.2017


TV-Zweiteiler

Maria Theresia: Audienz in der Reithalle

Am Set von Robert Dornhelms jüngstem Ausflug in die österreichische Vergangenheit: Das Leben der jungen Maria Theresia wird zum prunkvollen TV-Zweiteiler.

© ORFAnna Posch, Marie-Luise Stockinger und Julia Stemberger (v. l.), kostümiert für Robert Dornhelms Zweiteiler über Maria Theresia.



Von Bernadette Lietzow

Wien, Valtice – Bei Kaiserinnenwetter geht es durch das bukolische Weinviertel, man ist versucht, sich eine Kutschenfahrt zu wünschen über all die hübschen Ortschaften, durch die bis zur Fertigstellung der Autobahn Richtung Brno/Brünn noch der Schwerverkehr donnert.

Standesgemäß wäre ein historisches Gefährt, schließlich ist das Ziel das Barockschloss Valtice im gleichnamigen südmährischen Ort direkt an der Grenze zu Österreich. Die beeindruckende Anlage, ehemals im Besitz der Fürsten von Liechtenstein, hinter der ein riesiger Englischer Garten zum Lustwandeln einlädt, diente schon Hollywood-Erfolgen wie „Amadeus“ und „Indiana Jones“ als Kulisse.

Nun ist das Schloss mit seinen Prunkräumen als Ersatz-Hofburg einer der Schauplätze des großangelegten ORF-Zweiteilers, der sich als weiteres Geschenk zum 300. Geburtstag der jungen Maria Theresia widmet.

Das Einfühlen in die Lebenswelt der Kaiserin gelingt beim Setbesuch erstaunlich rasch, trifft man doch allerorten honorige Herren in höfischen Kniehosen und Allongeperücke. Anna Posch („Chucks“) im bonbonfarbenen Manteaukleid, dem letzten Schrei der 1730er-Jahre, eilt gemeinsam mit ihrer Film-Schwester Maria Theresia, die die junge Burgschauspielerin Marie-Luise Stockinger staatstragend in blau-silbernem Prunkgewand verkörpert, zur Szenenprobe.

Robert Dornhelm, der zuletzt mit „Das Sacher“ die Zeit um 1900 wiederauferstehen ließ, erweckt nun, der Vorlage der tschechischen Drehbuchautorin Mirka Zlatníková folgend, die von Lebenslust, Liebesfreud wie Herzeleid und dem Joch ihrer politischen Verantwortung getragenen frühen Jahre der Kaiserin zum Leben. „Ein Museumsbesuch soll der Film nicht werden“ meint der Regisseur, vielmehr denkt er an Bezüge zum heutigen Drang nach starken Frauen und Männern in der Politik.

Dass im Drehbuch leise Ironie und Amüsement nicht zu kurz kommen, begrüßt Dornhelm ausdrücklich, schließlich soll der Film Unterhaltung bieten, nicht zuletzt über den Schauwert prächtiger Kostüme und Drehorte. Für Marie-Luise Stockinger, die derzeit an der Burg in Martin Kusejs „Hexenjagd“-Inszenierung brilliert, ist es eine neue He­rausforderung, vor der Kamera ihr Bestes zu geben, sie gesteht beim Gespräch in der Reithalle von Valtice die Erschöpfung der ersten Drehtage ein. Sehr klar umreißt Stockinger ihren Zugang zur Herrscherin, die in ihre Rolle erst hineinwachsen muss: Sie möchte Maria Theresia in aller Ernsthaftigkeit in dem zeigen, was sie ist, „eine junge Frau in schwierigen Umständen“.

Nicht nur die ORF-Koproduzenten stammen, mit der Beteiligung tschechischer, slowakischer und ungarischer Sender, aus ehemals habsburgischen „Kronländern“. Neben österreichischen Stars wie Karl Markovics (Prinz Eugen) oder Julia Stemberger als Maria Theresias Vertraute Gräfin Fuchs verstärken der Schauspieler und die tschechische Stimme Harry Potters Vojtech Kotek (Maria Theresias Gemahl Franz Stephan) oder der Ungar Bálint Adorjáni (Graf Nikolaus Esterházy) das mitteleuropäische Cast. Sie alle bedienen sich ihrer jeweiligen Sprachen, was die Darsteller übereinstimmend als ganz besondere Erfahrung schätzen. Das Ergebnis der gemeinsamen Anstrengung wird vermutlich das ORF-Weihnachtspräsent an die Fernsehzuschauer. Ein hoffentlich krönender Abschluss des Jahres im Zeichen Maria Theresias.