Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 20.09.2017


Film

„Baumschlager“: Ein Blauhelm in Liebesnöten

In Harald Sicheritz’ Kriegsfilm-Farce „Baumschlager“ gerät ein Schmalspur-Casanova zwischen die Fronten und zwischen die Frauen. Lustig ist das nur bedingt.

© FilmladenIn „Baumschlager“ übernimmt Thomas Stipsits seine erste Kinohauptrolle. Und gibt dort – wie gewohnt – den liebenswerten Tollpatsch.Foto: Filmladen



Von Christiane Fasching

Innsbruck – Durchwegs harmlos schaut er aus, dieser Werner Baumschlager (Thomas Stipsits), der als österreichischer UNO-Offizier am Golan nach dem Rechten sieht, bis die Zeichen anno 2012 plötzlich auf Frieden stehen – und der Blauhelm an der Heimatfront anrücken darf, um dort mit virtuosen Liebestechniken seine Gattin Martha (Gerti Drassl) zu beglücken. Woher hat er nur diese neuen Moves, fragt sich das befriedigte Hausmütterchen verblüfft.

Doch bevor die Frage laut gestellt werden kann, muss Baumschlager zurück in den Nahen Osten, wo an allen Fronten versucht wird, den Frieden rasch wieder in Krieg umzuwandeln. Denn was sollen die Zündler und Konfliktlöser sonst den lieben langen Tag so treiben? Apropos: Auch Baumschlager treibt’s. Und zwar nicht nur mit der waffen- und sexverrückten israelischen Offizierin Sigal (Meyrav Feldman), sondern auch mit der libanesischen Generalstochter Rania (Moran Rosenblatt), der er neben Deutsch auch die Sprache der Liebe beibringt. Doch Gattin Martha riecht den Braten und reist dem Schmalspur-Casanova hinterher. Als wäre das nicht schon genug Stress, steckt Baumschlager plötzlich in einem Strudel aus Erpressung, Drogenschmuggel und Kriegstreiberei.

Warum der 08/15-Typ eine derartige Wirkung auf Frauen hat, erklärt sich erst gegen Ende von Harald Sicheritz’ Nahost-Komödie „Baumschlager“, die Kabarett- und Nebenrollen-Profi Stipsits erstmals in einer Kinohauptrolle zeigt. „Er ist scheißhöflich“, bringt es seine Geliebte Sigal auf den Punkt. Wenn es nur so einfach wäre ...

Wirklich einfach ist auch die israelisch-österreichische Koproduktion nicht, die – wie der Plot und die Hauptfigur – zwischen die Fronten gerät und streckenweise in platter Derbheit versinkt. Etwa dann, wenn ein von arabischen Klängen hypnotisierter Agent nackig und fleischeslustig in eine Ziegenhorde hüpft oder ein Vogerl (ist’s eine Friedenstaube?) sein Geschäft auf der Uniform des liebenswerten Tollpatschs Baumschlager erledigt. Als putzigen Naivling kannte man Stipsits schon vorher – wirklich neue Seiten entlockt ihm auch Regisseur Sicheritz nicht, der den an Originalschauplätzen realisierten Film in großen Teilen auf Englisch gedreht hat. Im Kino gibt’s nun eine synchronisierte Fassung und eine Originalversion mit Untertiteln zu sehen. Letztere entlockt einem ein paar unbeabsichtigte Lacher. Austrian-English klingt einfach zu funny.