Letztes Update am Mo, 09.10.2017 10:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Veronica Ferres: „Da bin ich aus der Komfortzone raus“

In ihrem neuen Kinofilm „Unter deutschen Betten“ nach dem gleichnamigen Bestseller spielt Veronica Ferres eine Putzfrau. Die TT traf sie in München.

© REUTERSSchauspielerin Veronica Ferres.



Als Schlagersternchen Linda Lehmann fallen Sie tief und müssen schließlich als Putzfrau arbeiten. Eine Rolle, auf die Sie sichtlich scharf waren. Auch, um ein bisschen vom Image der „tapferen Mutter“, der „starken Frau“ wegzukommen?

Veronica Ferres: Auszeichnungen habe ich bisher nur für dramatische Rollen gekriegt. Aber mir war von Anfang an klar, dass dieses Buch und die Figur einer Zicke mit argem Absturz für mich Steilvorlagen waren. Linda geht durch die tiefe Schule der Demut und stellt fest, dass das höchste Ziel eines Menschen in der Freundschaft liegt. Dieses Projekt auf die Beine zu stellen, war aber nicht einfach. Bis jetzt zur Premiere dauerte es sechseinhalb Jahre.

Haben Sie Zeit, Freundschaften zu pflegen?

Ferres: Ich habe, wie wahrscheinlich die meisten Menschen nicht viele Freunde. Aber tolle. Die haben Verständnis, wenn ich manchmal wenig oder keine Zeit habe.

Über weite Strecken müssen Sie in „Unter deutschen Betten“ Selbstverleugnung betreiben, müssen sich als Linda sagen lassen: „Du bist mindestens fünf Kilo zu fett und zwanzig Jahre zu alt!“ Keine Bedenken?

Ferres: Gar nicht. Ich hab’ ja an den Texten mitgeschrieben. Sicher braucht es Mut dazu. Doch daran hat es mir nie gefehlt. Ich bin relativ furchtlos.

Wie weit würden Sie für eine tolle Rolle in Ihrer Furchtlosigkeit gehen?

Ferres: Eben kam das Angebot, mir für einen interessanten Film die Haare abrasieren zu lassen. Wenn’s ein toller Regisseur ist: keine Bedenken.

Auf die Schaufel genommen werden Sie im Film auch von der bekannten Kabarettistin Monika Gruber. Wie kamen Sie auf sie?

Ferres: Sie hatte mich in einer ihrer Shows aufs Übelste aufs Korn genommen. Ich sah das und musste heftigst lachen, denn ihre Parodie ist sehr niveauvoll. Bald darauf traf ich sie bei einem Fest. Ich merkte, dass sie immer wegschaute, wenn ich zu ihr blickte. Da ging ich zur Attacke über, steuerte sie an und gratulierte ihr. Es folgte ein tolles Gespräch. Als es zur Besetzung unseres Films kam, fragte ich an, ob sie mitspielen würde.

In „Unter deutschen Betten“ werden Sie vom Schlagersternchen zur Putzfrau. Würden Sie so was freiwillig machen?

Ferres: Schon. Ich würde mir dafür z.B. ein Kinderheim auswählen. Und zu Hause mache ich es oft selbst. Ich hatte heuer meinen Frühjahrsputz versäumt, habe ihn aber nachgeholt. Da bin ich auf den Knien gelegen, habe unter den Betten gesaugt, und meine Tochter Lilly hat sich zerkugelt.

Veronica Ferres ist also kein „verwöhntes Kind“?

Ferres: Ganz bestimmt nicht. Ich bin in Solingen auf dem Hof eines Kohlen- und Kartoffelhändlers aufgewachsen. Wir waren sehr arm. Während meine beiden Brüder auf dem Hof halfen, war ich im Haus beschäftigt. Ich kann Socken stopfen, stricken und nähen.

Ihre Filmliste ist lang. Trotzdem haben Sie keine Scheu, auch in Los Angeles zum Casting zu gehen?

Ferres: Ein Sohn meines Mannes Carsten Maschmeyer, mit dem ich erst kürzlich in München richtig zusammengezogen bin, studiert seit vier Jahren in L.A. Wir leben ebenfalls zum Teil dort. Und nachdem ich in einem oscarnominierten Film mitgewirkt hatte, fand ich drüben einen tollen Manager. Ob große Rolle, kleine Rolle, Nebenrolle – ich habe keine Angst vor Castings, weil einen die ganz neu in Frage stellen. Da bin ich aus der Komfortzone raus und lerne, mit Niederlagen umzugehen. Aber so bin ich halt auch zu Filmen mit Ben Kingsley oder Robert De Niro gekommen.

Gäbe es noch eine Traumrolle? Haben Sie nicht zuletzt einmal gesagt: „Alles, wobei ich George Clooney anschmachten darf“?

Ferres: Ach, der ist ja derzeit mit Vaterfreuden beschäftigt. Aber er ist ein sehr charismatischer Mann. Wir haben schon miteinander geplaudert, er hat mir seine Handy-Nummer gegeben, und er hat seine Krawatte auf dem Tisch liegen lassen. Die Handy-Nummer habe ich noch nie genützt, die Krawatte habe ich abgegeben.

Das Interview führte Ludwig Heinrich


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