Letztes Update am Mo, 23.10.2017 13:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TV-Show

,,Ninja Warrior Austria“: 230 Athleten lassen Tarzan alt aussehen

Beim TV-Spektakel „Ninja Warrior“ bezwingen telegene Athleten einen scheinbar unüberwindbaren Hindernisparcours. Jetzt gibt es das international erfolgreiche Format auch in Österreich. Ein paar Tiroler kämpfen an vorderster Front.

© Wolfgang Nelson



Von Kathrin Siller und Tamara Stocker

Wien/Innsbruck — Erst vor wenigen Wochen sorgte ein Tiroler bei „Ninja Warrior Germany" für Aufsehen. Max Brunner (25) aus Schwaz schaffte es von 13.000 Bewerbern unter die 26 besten Athleten. Im Finale musste er sich dann dem „härtesten Parcours der Welt" geschlagen geben. Dieser will jetzt auch bei der österreichischen Ausgabe des international erfolgreichen TV-Formates bezwungen werden. Bei „Ninja Warriors Austria" schickt Puls 4 ab 24. Oktober 230 Athleten in die Schlacht um 44.444 Euro und den beinahe unerreichbaren Titel. Denn weltweit bezwangen nur neun Athleten den kompletten Parcours.

Mehr als 2000 Bewerbungen gab es für „Ninja Warrior Austria". Unter den nun verbliebenen 230 Kandidaten sind mehr als zehn Tiroler und 13 Prozent Frauen. Damit liegt Österreich über dem internationalen Durchschnitt von 10 Prozent. Eigentlich ist das Lizenzfernsehformat „Ninja Warrior" schon 20 Jahren alt und stammt aus Japan. Heute werden die „Krieger" in 19 Ländern auf vier Kontinenten gesucht.

Erfahrenem Parcours-Sportler aus Wattens zittern die Knie

Die Hindernisse sind meist in wenigen Sekunden erledigt, bringen die Kandidaten aber an ihre körperlichen Grenzen. Sie müssen eine vertikale Wand hochsprinten, ein überhängendes Netz durchklettern, über eine sich drehende Walze laufen oder sich einen Kamin nur mit Bein- und Armkraft hochkämpfen. Wer sich einen Fehler erlaubt, scheidet aus.

Einer, der beim Casting dabei war, aber noch nicht verraten darf, wie weit er kam, ist Lukas Steiner. Der professionelle Parcours-Sportler und Freerunner hat in Hall sogar ein eigenes Ninja-Warrior-Trainings-camp. „Der Hype ist riesig. Seit Ende September bekannt wurde, wann Puls 4 die Folgen zeigt, haben sich sieben Sportler gemeldet, die für das nächste Jahr trainieren wollen", erzählt der Wattener.

Das Moderatoren-Trio: Florian Knöchl, Dori Bauer und Mario Hochgerner (v.l.).
- Mathias Kniepeiss

Er habe beobachtet, dass gerade Kletterer („Die Hindernisse sind sehr kletterlastig"), aber auch Sportler, die aus der Parcours-Szene kommen, vorne mit dabei sind: „Wir arbeiten grundsätzlich mit unterschiedlichen Hindernissen und diese Flexibilität kommt uns da sehr zugute." Doch selbst Steiner, der bereits bei vielen Wettkämpfen und TV-Shows aufgetreten ist, zitterten ein bisschen die Knie: „Ich war sehr nervös. Da wir die Hindernisse im Vorfeld nicht einmal berühren durften, haben wir uns eigentlich nicht wirklich vorbereiten können."

Muskel-Körpergewicht-Verhältnis muss stimmen

Mit Argusaugen verfolgt auch Roland Luchner den Kampf um den Ninja-Warrior-Thron. Der Sportwissenschafter, der im Olympiazentrum in Innsbruck arbeitet, spielt nämlich mit dem Gedanken, im nächsten Jahr selbst in den Ring zu steigen. Als Eishockeyspieler bringt er allerdings nicht die besten körperlichen Voraussetzungen mit („zu viel Beinmuskulatur"). Luchner ist wie Steiner überzeugt, dass Kletterer besonders gute Chancen haben: „Bei vielen Hindernissen geht es ums Hängen, Greifen und Ziehen. Das Ganze ist sehr oberkörperlastig."

„Der Spannungsfaktor und das Adrenalin wirken sich positiv auf die Kraft, aber negativ auf die Feinmotorik aus.“, sagt der Tiroler Sportwissenschafter Roland Luchner.
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Im Vorteil ist der, der das beste Muskel-Körpergewicht-Verhältnis, also die beste Relativkraft aufweist. Wer also wenig wiegt, aber dafür im Verhältnis viele Muskeln hat, schlägt den klassischen Kraftsportler, der meist nach wenigen Sekunden ausscheidet. Frauen werden hingegen von ihrem erhöhten Körperfettanteil gebremst: „Sie laufen ja genau den gleichen Parcours. Um die Körperzusammensetzung eines Mannes zu erreichen, müssen sie aber viel mehr trainieren", erklärt der Sportwissenschafter.

Auch die Größe kann den Ausschlag geben: Wer zu klein ist, besitzt weniger Reichweite, um zum Beispiel nach Ringen zu greifen. Von Ring zu Ring zu springen, ist möglich, aber natürlich noch schwerer. Den 1,90-Meter-Hünen machen indes die ungünstigen Hebelverhältnisse einen Strich durch die Rechnung. Die Kraftübertragung passiert da einfach langsamer.

Doch selbst der idealste Ninja-Körper kommt ohne eine ordentliche Portion Abgebrühtheit nicht weit. „Spannungsfaktor und Adrenalin wirken sich zwar positiv auf die Kraft, aber negativ auf die Feinmotorik aus. Und da kann es schon passieren, dass man auf der Walze einfach daneben steigt", erklärt der 31-jährige Kufsteiner. Und wie würde sich der Fachmann selbst auf den Ninja Warrior vorbereiten? „Ich würde Klimmzüge machen bis zum Umfallen."

„Ninja Warrior Austria" wurde im Sommer aufgezeichnet. Ausgestrahlt werden die sechs Folgen immer dienstags um 20.15 Uhr auf Puls 4. Pro Show schaffen es fünf Kandidaten weiter — am Ende bleiben so die 25 Besten übrig, die am 28. November im großen Finale um den Titel kämpfen. Moderiert wird das TV-Spektakel von den Puls4-Sportkommentatoren Mario Hochgerner, Florian Knöchl und Dori Bauer.