Letztes Update am Fr, 27.10.2017 10:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Verena Altenberger im Interview: Hollywood ist nicht ihr Kaffee

Die Salzburger Schauspielerin Verena Altenberger spricht mit der TT über ein verpatztes Vorsprechen, den Zufall, der ihr die Rolle in „Die beste aller Welten“ bescherte, und das Machtgefälle zwischen Mann und Frau.

© Jan HetfleischVerena Altenberger beim Tirol-Dreh des TV-Dramas „Der Geldmacher“, das 2018 im ORF gezeigt wird.



Im Kino-Erfolg „Die beste aller Welten“ verkörpern Sie eine heroinsüchtige Mutter, in der Sitcom „Magda macht das schon“ spielen Sie eine polnische Altenpflegerin und im TV-Drama „Der Geldmacher“ werden Sie zur Bürgermeister-Gattin in den 1930er-Jahren. Sie lassen sich also nicht gern auf eine Rolle festlegen.

Verena Altenberger: Ja, das kann man laut sagen. Und genauso hab’ ich mir das auch immer gewünscht, weil das ist ja das Schöne und Herausfordernde am Schauspielerinnen-Dasein. Deshalb hoffe ich auch, dass meine berufliche Zukunft weiterhin so bunt bleibt.

Laut Ihrer Vita sprechen Sie fünf Sprachen und unzählige Dialekte. Gibt es für Sie auch sprachliche Grenzen?

Altenberger: Ich bin überzeugt, dass man als Schauspielerin jeden Dialekt lernen kann – man muss nur genau hinhören und versuchen, in die sprachlichen Feinheiten hineinzukommen. Mit dem Tirolerischen, das ich in „Der Geldmacher“ spreche, hatte ich zum Beispiel wenig Probleme, da ich aus dem Pongau komme, wo man das kehlige K ja kennt. Da hatte ich einen Startvorteil, ich hoff’, das hört dann auch das Kennerohr.

Und wie haben Sie sich den polnischen Akzent angeeignet, den Sie in „Magda macht das schon“ sprechen?

Altenberger: Mich unterstützt da eine ganz liebe Polin, die mir jeden Satz des Drehbuchs auf mein Handy spricht – das hör’ ich mir dann zig Mal an und komm’ dadurch in den Sprachduktus rein. Das ist reine Übungssache.

Während auf RTL bald die zweite Staffel der Sitcom anläuft, ist im ORF die erste Staffel erst vergangenen Freitag gestartet. Wurmt es Sie, dass Ihr Comedy-Talent in der Heimat zeitverzögert wahrgenommen wird?

Altenberger: Ich bin wohl noch zu wenig Business-Insiderin, um die ganzen Abläufe genau zu verstehen. Deshalb freu’ ich mich lieber, dass der ORF die Serie jetzt auch zeigt. Und ich würd’ mich freuen, wenn RTL noch eine dritte Staffel machen würde.

Wann hat sich bei Ihnen der Wunsch, Schauspielerin zu werden, verfestigt?

Altenberger: Meine Mama hat mir erzählt, dass ich drei oder vier Jahre alt war, als ich ihr erklärt habe, dass ich Schauspielerin werden will. Und es hat für mich dann auch nie einen anderen Berufswunsch gegeben. Was diesen Wunsch bei mir ausgelöst hat, weiß ich nicht. Für mich ist’s aber das größte Glück, dass er Wirklichkeit wurde.

Dabei wäre der Traum beinahe geplatzt, weil Sie beim Vorsprechen am Reinhardt-Seminar Ihren Text aus einem Reclam-Heft vorlasen ...

Altenberger: Ja, das war schlimm. Ich hab’ in diesen dunklen Saal geschaut, wo die Kommission gesessen ist, die schon Hunderten Leuten beim Vorsprechen zugeschaut hatte, und hab’ gewusst, dass ich einfach schlecht war. Kein schönes Gefühl.

Wollten Sie da Ihren Traum ad acta legen?

Altenberger: Nein. Aber das Vorsprechen hat mich auf den Boden der Tatsachen geholt: Die Zeit des Träumens war vorbei, ich hab’ erkannt, dass das ein unfassbar schwieriger Beruf ist, den man erlernen muss: Die Schauspielerei ist ein Handwerk, für das man an sich arbeiten muss. Und das hab’ ich dann gemacht: Ich hab’ mir jedes Theaterstück, das in Wien gezeigt wurde, angeschaut. Parallel dazu hab’ ich mir auf der Uni-Bibliothek der Theaterwissenschaft Drehbücher ausgeliehen und mit den Filmen verglichen. Das hat mir total geholfen. Insofern war diese Niederlage beim Vorsprechen ein guter Moment, weil mir klar wurde, dass ich hackeln muss.

Ihre Rolle in „Die beste aller Welten“ war zunächst nicht dem Hackeln, sondern dem Zufall geschuldet. Regisseur Adrian Goiginger stieß beim Googeln auf Ihren Namen.

Altenberger: Ja, das Kennenlernen war etwas uncharmant. Adrian Goiginger musste das Ansuchen für eine Filmförderung auf die Schnelle einreichen und dafür auch die Hauptdarstellerin angeben. Er hat dann „Schauspielerin, Salzburg, jung“ gegoogelt und ist auf meiner Homepage gelandet. Bevor ich das Drehbuch zugeschickt bekam, stand ich also bereits im Ansuchen drinnen.

Haben Sie gleich erkannt, dass in dieser Geschichte etwas Besonderes steckt?

Altenberger: Ja. Mir war gleich beim Lesen klar, dass ich diese Geschichte erzählen will und alles investieren werde, dass ich dieser Frau gerecht werde. Ich hab’ damals zu meinem Agenten gesagt, dass ich diese Rolle auch dann spielen werde, wenn es keinen Cent Gage gibt und wir mit dem Handy filmen müssen.

Sie hatten auch bei „Mission Impossible 5“, der in Wien gedreht wurde, eine Mini-Rolle. Hat dieser Ausflug in die Traumfabrik den Wunsch geschürt, in Hollywood Karriere zu machen?

Altenberger: Meine Hollywood-Erfahrung beschränkt sich auf fünf Drehtage. Und wenn ich von etwas träume, dann davon, dass man uns auch so viel Geld und Zeit gibt, um tolle Filme zu machen. Rein von den Themen, die verhandelt werden, und von der Art, wie man spielt, bin und bleibe ich österreichischer Filmfan.

Gab es auch die Gelegenheit, mit Tom Cruise in Kontakt zu treten?

Altenberger: Ja, er hat wirklich jeder kleinsten Rolle die Hand gegeben und gefragt, wie es einem geht. Er wollte mir und ein paar Kollegen dann sogar noch einen Kaffee bringen – aber wir haben alle dankend abgelehnt, weil uns das doch komisch vorkam. (lacht)

Die vermeintliche Traumfabrik wird gerade vom Sexskandal rund um Harvey Weinstein erschüttert. Ist die sexuelle Unterdrückung von Schauspielerinnen auch in Österreich ein Problem?

Altenberger: Ich glaube, dass es insgesamt nach wie vor eine gesamtgesellschaftliche Schieflage zwischen Frauen und Männern gibt. Dieses Machtgefälle, das noch immer herrscht, betrifft sicher nicht nur Schauspielerinnen – es ist in allen Berufssparten und Lebenslagen spürbar.

Das Gespräch führte Christiane Fasching