Letztes Update am Di, 14.11.2017 16:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Streaming-Dienst

Star Wars bis High School Musical: Disney sagt Netflix den Kampf an

Disney will 2019 am Streamingmarkt Fuß fassen – und holt bereits jetzt zum Rundumschlag gegen Primus Netflix aus. Der muss sich wohl bald von seinen Sternenkriegern und Superhelden verabschieden. Und Disney hat noch weitere Asse im Ärmel.

Disney hat nicht nur eine neue Star-Wars-Trilogie, sondern gleich eine ganze Serie angekündigt. Auch "Die Monster AG" und "High School Musical" werden für den hauseigenen Streamingdienst zu Serienfutter verarbeitet.

© DisneyDisney hat nicht nur eine neue Star-Wars-Trilogie, sondern gleich eine ganze Serie angekündigt. Auch "Die Monster AG" und "High School Musical" werden für den hauseigenen Streamingdienst zu Serienfutter verarbeitet.



Von Tamara Stocker

Innsbruck – Mit Star Wars und den Superhelden aus dem Marvel-Universum könnte es bald vorbei sein. Zumindest bei Netflix. Denn Inhalte wie diese wird sich Disney für seinen hauseigenen Streaming-Dienst unter den Nagel reißen – weil der Konzern die Rechte daran besitzt. Auch viele Animationswerke von Disney und Pixar werden Netflix wohl verlassen.

Das wird seine Lücken hinterlassen, die es mit exklusiven Inhalten zu füllen gilt. Dafür greift Netflix tief ins Geldbörserl – acht Milliarden Dollar will der Streamingdienst im kommenden Jahr für eigene Filme und Serien ausgeben. Aber auch Disney hat angekündigt, seinen Fundus mit neuem Material zu bestücken. Mindestens vier eigens für die Streaming-Plattform produzierte Filme soll es pro Jahr geben.

Großer TV-Deal in Aussicht

Und auch serien-technisch hat das Unternehmen einiges vor. Unter anderem wird es eine Realserie aus dem Star-Wars-Universum geben. Darüber hinaus kündigte CEO Bob Iger Pläne für eine „Die Monster AG“-Serie und eine aus dem „High School Musical“-Franchise an. Ein vierter Teil der beliebten Musical-Reihe entsteht aktuell bereits für den Disney Channel.

Doch das ist noch nicht alles. Traut man den Gerüchten, die derzeit in Hollywood die Runde machen, will Disney Teile des Medienunternehmens 21st Century Fox erwerben – dem Mutterkonzern des Filmstudios 20th Fox Century und zahlreicher TV-Sender. Mit dem Deal könnte Disney Rechte an dutzenden TV-Ikonen bekommen, dazu zählen unter anderem X-Men, Avatar und die Simpsons.

Vor allem an den zugehörigen Fernsehsendern FX und National Geographic bekundete Disney sein Interesse. Damit würde der Mickey-Mouse-Konzern Netflix Inhalte wie „American Horror Story“ oder „Fargo“ abzwacken und einen großen Pool an Natur-Dokumentationen ergattern. Wegen „finanzieller und struktureller Differenzen“ konnten sich die beiden Unternehmen in ersten Verhandlungen aber (noch) auf keinen Deal einigen.

Abo günstiger als Netflix

Disney-CEO Bob Iger kündigte ein „großes Portfolio zum kleinen Preis“ an. „Wir sind uns bewusst, dass wir angebotsmäßig mit den großen Anbietern nicht mithalten können. Wir bieten zwar weniger, dafür aber hochqualitative Inhalte an.“ Wie unter anderem „The Wrap“ berichtet, wird sich der Abopreis nach dem Angebot richten und „in jedem Fall günstiger als Netflix“ sein. Dort zahlt man derzeit je nach Modell zwischen 7,99 und 13,99 Euro pro Monat.

Disney hat also einiges vor und wird sich vor der Konkurrenz nicht verstecken müssen. Offen ist trotzdem noch, ob der Streamingdienst nur in den USA an den Start geht oder den Sprung über den großen Teich wagt. Fest steht: Mit Star Wars und Marvel besitzt Disney derzeit die wertvollsten Marken am Markt.

Marvel-Zukunft steht noch in den Sternen

Erst vor kurzem stockte Netflix seine Mediathek mit allen sieben Star-Wars-Filmen auf. Mit Daredevil, Jessica Jones, Luke Cage und Iron Fist produziert Netflix auch eigene Serien mit Lizenzen der Marvel-Superhelden, zu denen mitunter auch Spiderman und Hulk gehören. Mit „The Punisher“ startet am 17. November zudem eine neue Serie aus dem Hause Marvel auf Netflix – möglicherweise die letzte ihrer Art. Bislang ist nicht bekannt, ob Disney die Marvel-Serien bei Netflix aus dem Programm zieht, zumal es sich bei vielen ja um „Netflix Originale“ handelt.

Als Disney im vergangenen August ankündigte, in den Streaming-Markt einsteigen zu wollen, brach als Konsequenz die Netflix-Aktie ein. Nun sind Bewegungen an der Börse nicht immer ein valider Indikator dafür, ob Probleme drohen oder nicht. Die Sorge dürfte für die Anleger dennoch berechtigt sein, auch, wenn Netflix um seine Vormachtstellung mit seinen weltweit 109 Abonnenten wohl nicht fürchten muss. Eine „g‘mahnte Wiesn“ ist das Geschäft allerdings nicht.