Letztes Update am Do, 08.02.2018 13:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kino

Märchen für Erwachsene: Das Finale von ,,Fifty Shades of Grey“

Eine romantische Hochzeit, Ausflüge mit dem Privatjet und Flitterwochen am Meer: Der dritte Teil des Erotik-Streifens „Fifty Shades of Grey“ knüpft nahtlos an seine Vorgänger an. Nackte Körper und erotische Liebesspielchen fehlen ebenso wenig wie das obligatorische Drama.

© Auch in "Fifty Shades of Grey: Befreite Lust" geht es ordentlich zur Sache.



Wien — Fans der Sadomaso-Romanze „Fifty Shades Of Grey" können sich freuen: Im dritten Film „Befreite Lust" nach den Bestsellern der britischen Autorin E. L. James erfahren sie ab Donnerstag endlich, wie die Lovestory zwischen dem erfolgreichen Multimillionär Christian Grey (Jamie Dornan) und der jungen Studentin Anastasia (Dakota Johnson) weitergeht. Letztere tankte im Verlauf des Dreiteilers ordentlich Selbstbewusstsein. Mr. Grey büßte dafür einiges an seiner Unnahbarkeit an. Es wird viel geturtelt und geschmust — eine Fülle an erotische Szenen lässt der Streifen aber nicht vermissen. Und: Für eine Portion Drama sorgen nicht nur die Protagonisten selbst.

Obwohl die meisten Kritiker kein gutes Wort für die beiden Vorgängerfilme fanden — fünf „Goldene Himbeeren", Hollywoods Schmähpreise, heimste allein der erste Teil ein — ließen die Erotik-Streifen die Kassen der Kinobetreiber auch hierzulande klingeln.

Eine Hochzeit, viele Widersacher

„Ich gebe Dir meine Hand und mein Herz bis ans Ende unserer Tage", verspricht Christian bei der Traumhochzeit, die zu Beginn in Rückblenden erzählt wird. In einem figurbetonten Brautkleid aus weißer Spitze schwört Anastasia ebenfalls ewige Liebe. Danach geht es — verfolgt von Paparazzi — mit dem Privatjet in die Flitterwochen nach Paris und an die Côte d'Azur. Auf einer Sonnenliege am Strand kommt Mr. Grey natürlich seinen Eincreme-Pflichten nach — inklusive neckischen Klaps auf den Po und kleinen Eifersüchteleien. Danach geht es per Jetski zu Sexspielchen auf eine Jacht, bei denen Anastasia ans Bett gefesselt wird, weil sie sich ihrem Herrn und Gebieter „widersetzt" hat.

Regisseur James Foley („House of Cards"), der schon beim zweiten Teil Regie geführt hat, setzt wieder auf das bewährte Rezept der beiden Vorgängerfilme: Glanzvolle, stilisierte Bilder von der romantischen Hochzeit, Ausflüge mit dem Privatjet und Flitterwochen am Meer wechseln sich ab mit erotischen Liebesspielchen mit einem Hauch SM. Dabei ist Dakota Johnson immer wieder in Nahaufnahme zu sehen, wie sie sich an- und auszieht oder auf ihre Unterlippe beißt. Von Jamie Dornan bekommen die Zuschauer immerhin den nackten Oberkörper und sein knackiges Hinterteil zu sehen. Ein paar Szenen zum Schmunzeln gibt es auch.

Und wer gedacht hätte, bei dem Paar ist nach der Hochzeit alles eitel Wonne, täuscht. Um etwas Spannung in die Geschichte zu bringen, taucht Anas Ex-Chef Jack Hyde (Eric Johnson) auf, der auf Rache sinnt. Zuerst versucht er Ana, und als das nicht klappt, Christians Schwester Mia (Rita Ora) zu entführen. Es fließt Blut.

Zwischen Schwangerschaft und Schleck-Spielchen

Doch die eigentliche Bedrohung für das Glamour-Paar lauert woanders. Ana ist ungewollt schwanger und damit kommt der Egoist Christian gar nicht klar: „Ich bin nicht bereit, Dich mit irgendjemanden zu teilen", schnauft er wütend. Doch das Märchen von Aschenputtel im Hochglanzformat wäre kein Märchen, wenn es nicht auch für dieses Problem eine einfache Lösung gebe: „Du hast Angst, ein lausiger Vater zu sein. Aber das bist du nicht!", meint Ana.

Für alle aufgeklärten Frauen (und Männer) ist der Film eine Zumutung — weil auch nicht ein Klischee ausgelassen wird — selbst das obligatorische Eisschlecken von nackten Oberkörpern (siehe Video unten) darf nicht fehlen. Fans der Serie werden wegen all der schönen Hochglanzbilder und der Sexszenen trotzdem wieder in Scharen in die Kinos stürmen. Aber vielleicht will man/frau sich auch nur über all die Klischees herrlich amüsieren — auch das ist möglich bei „Fifty Shades of Grey — Befreite Lust". (dpa, TT.com)

„Fifty Shades“: Der erotische Lese- und Kinoerfolg

Die Erotik-Trilogie „Fifty Shades“ der britischen Autorin E.L. James hat weltweit Millionen Leser interessiert. Die Filme über die Liebe zwischen einer devoten Studentin und einem dominanten Millionär setzen die Erfolgsgeschichte fort. Einige Zahlen und Fakten:

* Die Roman-Trilogie hat sich laut dem Verlag Random House weltweit mehr als 150 Millionen Mal verkauft. Damit ist die Reihe der britischen Autorin - mit vollständigem Namen Erika Leonard - ähnlich erfolgreich wie etwa die Bücher über den Zauberlehrling „Harry Potter“ von Joanne K. Rowling.

*Die Schottin veröffentlichte ihre Geschichten zunächst im Internet. Ein kleiner australischer Verlag brachte „Fifty Shades“ 2011 als E-Book und gedruckt heraus.

* Der Goldmann-Verlag, der zur Verlagsgruppe Random House gehört, gab die Trilogie 2012 auf Deutsch heraus: „Fifty Shades of Grey - Geheimes Verlangen“, „Shades of Grey - Gefährliche Liebe“ („Fifty Shades Darker“) und „Shades of Grey - Befreite Lust“ („Fifty Shades Freed“).

* In den USA und Großbritannien eroberten die Bücher mit vielen Sexszenen schnell die Spitze der Bestsellerlisten.

* 2015 brachte die Autorin den Roman „Grey“ heraus, in dem sie ihre Erfolgsgeschichte noch einmal erzählt, diesmal aus Sicht der männlichen Hauptfigur Christian Grey.

* Der Film „Fifty Shades of Grey“, der 2015 in die Kinos kam, spielte weltweit mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar ein. Er wurde aber auch mit fünf „Goldenen Himbeeren“, die einen Tag vor den „Oscars“ verliehen werden, geschmäht, unter anderem für den schlechtesten Film und das schlechteste Leinwandpaar Jamie Dornan und Dakota Johnson.


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