Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.02.2018


Kino

,,Grace Jones“: Frühes Leid einer Diva aus Jamaika

In „Grace Jones: Bloodlight and Bami“ feiert die Britin Sophie Fiennes die exzentrische Ikone der Popmusik der 80er-Jahre.

© PolyfilmGrace Jones auf der Bühne eines Theaters in Dublin. Die Popdiva feiert im Mai 2018 ihren 70. Geburtstag – während einer Welttournee.



Innsbruck – Die Diva ist wütend. Grace Jones hat auf ihre Kosten ein Aufnahmestudio für ihr Comeback-Album „Hurricane“ gemietet, der Tonmeister schmökert in einem Buch von Noam Chomsky, aber keine Spur vom legendären Produzenten-Duo Sly & Robbie. Während Miss Jones seit 19 Jahren kein Studio mehr betreten hat, sind die beiden Reggae-Tüftler zu Weltstars avanciert. Das Telefongespräch mit Robbie Shakespeare nimmt nicht gerade einen freundlichen Verlauf, der Techniker mahnt zur Gelassenheit („Verärgere ihn nicht!“), aber es geht um Geld. Damit sind die Machtverhältnisse geklärt. Aus einer Handtasche lugt ein Foto aus besseren Zeiten hervor – Grace Jones mit Andy Warhol im Studio 54 –, viel mehr Hinweise auf den verblassenden Ruhm und die Stationen einer Karriere als Ikone im Showgeschäft liefert Sophie Fiennes in ihrem Dokumentarfilm „Grace Jones: Bloodlight and Bami“ nicht.

Sophie, ein Mitglied der aus lauter Hochbegabten bestehenden Familie Fiennes, steht nach ihrer jahrelangen Arbeit für Peter Greenaway seit 1998 für ebenso exzentrische Filme. Zwei Filme drehte sie mit dem Philosophen Slavoj Žižek, auch ihre Annäherung an die aus Jamaika stammende Sängerin und Schauspielerin (als Bondgirl und Kriegerin neben Arnold Schwarzenegger) folgt in keinem Bild den üblichen Pop- und Rockdokumentationen. Es gibt keine Zeitzeugen, keine ehemaligen Liebhaber oder Ehemänner, die sich äußern, vielleicht eine dunkle Seite der Diva lüften dürfen, es ist Grace Jones allein, die ihre Biografie deutet. Dafür begleitete Fiennes ihre Protagonistin über zehn Jahre rund um den Globus, bei manchen Aufnahmen zwischen Kingston, New York oder Tokio nagt der Zahn der Zeit am Videomaterial.

Bei einem Familientreffen in Jamaika erzählt Grace Jones von ihren Großeltern, bei denen sie und ihre Geschwister aufgewachsen sind. An einer Wand des Hauses hingen Ledergürtel, die der Züchtigung der Kinder dienten, wenn sie von dem in der Bibel vorgegebenen Weg der Tugend abwichen. Die Erzählungen über frühes Leid, aber auch über die Glücksmomente im Leben der Grace Jones montiert Fiennes mit Konzertaufnahmen. Mit diversen Masken und einem Hula-Hoop-Reifen performt Jones ihre Klassiker von „Slave to the Rhythm“ bis zum Roxy-Music-Song „Love is the Drug“, die auch mit den Erzählungen korrespondieren. (p.a.)


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