Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.02.2018


“Inclusion“

Film über Sonderschüler aus Lienz hat in Wien Premiere

Die Dokumentation „Inclusion“ begleitet fünf Kinder und ihre Familien durch den Alltag. Am 16. Februar wird sie erstmals gezeigt.

© Papsch-MusikarEin Filmausschnitt von „Inclusion“ zeigt den siebenjährigen Sebastian (Mitte) bei der Hundetherapie in der Lienzer Sonderschule.Fotos: Papsch-Musikar, Oblasser



Von Catharina Oblasser

Lienz, Wien – Ein gutes Leben für alle – unter diesen Leitsatz will Andreas Weiskopf, Direktor der Sonderschule Lienz, den Dokumentationsfilm „Inclusion“ stellen. Der Film hat am Freitag, den 16. Februar, um 17.30 Uhr Weltpremiere – und zwar im Kino im Künstlerhaus im Zentrum der Bundeshauptstadt Wien.

Das Projekt ist in jeder Hinsicht ehrgeizig: Zwei Jahre wurde daran gearbeitet. Nicht nur die Finanzierung von Dreharbeiten und Wien-Premiere forderte die Energie aller Beteiligten. „Wir wollen jenen Menschen, die keinen Einblick in das Leben mit Behinderung haben, einen Einblick verschaffen“, sagt Weiskopf. „Der Film bietet quasi einen Blick hinter die Kulissen. Jeder redet über die Sonderschule, aber die meisten haben wenig Ahnung vom Thema.“ Der Direktor nennt seine Schule übrigens gerne „Special Academy“, nicht Sonderschule. Und das Türschild am Eingang weist die Einrichtung als „(Be-)Sonder(e) Schule“ aus.

Die Hauptdarsteller von „Inclusion“ sind die 19 Kinder und Jugendlichen der Sonderschule Lienz, ihr Alter reicht von sechs bis 18 Jahren. Fünf Kinder und ihre Familien hat Kameramann und Regisseur Alexander Papsch-Musikar im Alltag begleitet. Nicht nur die Schulzeit wird gezeigt, sondern auch, wie diese Kinder daheim im Mölltal, in Oberlienz oder in Tristach leben und welche Herausforderungen die Behinderung mit sich bringt. „Das betrifft nicht nur die Eltern, sondern auch Geschwister“, weiß Weiskopf. „Inclusion“ verzichtet auf Weichzeichner und Sozialromantik. „Es mag hart klingen, wenn eine Mutter im Film sagt: ,Mein Kind ist halt behindert‘“, schildert Weiskopf. „Aber es ist eben so.“ Kameramann und Regisseur Papsch-Musikar, ein gebürtiger Lienzer, achtete penibel darauf, Kinder und Eltern nicht vorzuführen, sondern sie vor der Kamera einfach als die einzigartigen Persönlichkeiten agieren zu lassen, die sie sind.

In der Dokumentation geht es auch nicht darum, verschiedene pädagogische Modelle – Stichwort: Abschaffung der Sonderschulen – gegeneinander auszuspielen. „Der Film soll keine Antworten liefern“, meint Papsch-Musikar. „Der Zuschauer ist mündig genug, um sich selbst ein Bild zu machen.“

Mit der Premiere in der Bundeshauptstadt will Weiskopf die Inklusion über Bezirksgrenzen hinaus ins Gespräch bringen. „Das geht uns alle an. Eigentlich ist es ein weltweites Thema“, sagt er.


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