Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 06.03.2018


Film und TV

Dem Doppelgänger auf der Spur

Ernst Beschinsky war von 1976–1986 Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Innsbruck. An seiner Identität hatte nie jemand gezweifelt – bis Yair Lev aus Israel kam.

© Niko HofingerErnst Beschinsky 1935 mit seiner Frau, der Tirolerin Ilse Pollack.



Wer war Ernst Beschinsky? Der Dokumentarfilmer Yair Lev aus Israel wird mit dieser Frage ganz unvermittelt persönlich konfrontiert. Er ist der Enkel von Ernst Beschinsky. Doch dann taucht im Zuge eines Erbschaftsverfahrens ein zweiter Mann mit gleichem Namen und gleichem Geburtsdatum auf. Ernst Beschinsky ist zweimal gestorben, 1969 in Israel und 1987 in Innsbruck. Der Filmemacher wittert eine besondere Geschichte und macht sich auf die Suche nach dem Doppelgänger des Großvaters. Wer steckt dahinter, und wieso hat jemand dessen Identität gestohlen? In Innsbruck angekommen, erweist sich der mysteriöse zweite Beschinsky sogar als der ehemalige Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde. Gemeinsam mit dem Tiroler Historiker Niko Hofinger schlüpft Yair Lev in die Rolle des filmischen Detektivs. Die Spuren führen zunächst in die unmittelbare Nachkriegszeit und dann in die Kriegsjahre. Gerade im tiefbraunen Innsbruck, wo die Judenverfolgung der Nationalsozialisten besonders grausam ablief, erwartet Yair Lev, Schlimmes zu entdecken. War der Hochstapler am Ende gar ein Nazi, der sich mit der jüdischen Identität der Verfolgung entziehen wollte? Die heutige Präsidentin der Kultusgemeinde fürchtet einen Skandal. Je tiefer die historischen Detektive graben, desto hanebüchener wird die rätselhafte Story. Doch sie ist echt, „eine wahre Geschichte, erzählt anhand zahlreicher gefälschter Do­ku­mente“. Das macht den Reiz dieser packenden Dokumentation aus. (maw)

Ernst Beschinsky 1935 mit seiner Frau, der Tirolerin Ilse Pollack.
- Geber

Hinweise

Leokino, Doku-Premiere: „Der Mann, der zweimal starb", 6. und 7.3., 20.10 Uhr, sowie 11.3., ORF 2, 23 Uhr. Buchpräsentation: „Maneks Listen", 13. März, 19 Uhr, Liber Wiederin, Erlerstraße, Innsbruck.


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