Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.03.2018


“Mein Stottern“

Die Überwindung der Stolpersteine beim Reden

In ihrer Kinodokumentation „Mein Stottern“ zeigen Petra Nickel und Birgit Gohlke prominente Stotterer und eigene Erfahrungen.

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© Filmdelights



Innsbruck – Eine seiner liebsten Schnurren, die Billy Wilder über die Dreharbeiten zu „Some like it hot” gern zum Besten gab, handelte von Marilyn Monroe, die in einer Szene an eine Tür klopfen und den Satz „It’s me, Sugar!“ sagen sollte. Der Hollywood-Star sagte aber statt „Ich bin’s!” 47-mal „It’s Sugar!“. Die gängige Interpretation für diese Sperre war bisher das unbewusste Beharren Marilyns, auf die Künstlichkeit der Situation zu verweisen. Es könnte auch so gewesen sein, dass sie Probleme mit dem M fürchtete und an dieser M-M-M-Hürde zu scheitern fürchtete, denn Marilyn Monroe war eine Stotterin.

Petra Nickel und Birgit Gohlke erwähnen die Schauspielerin in ihrer Kinodokumentation „Mein Stottern“ als Prominente, die von dieser „organisch bedingten Erkrankung“ betroffen war, auch um das eine Prozent der Menschen, die mit der Verunsicherung als Stotterer umgehen müssen, von der Stigmatisierung zu befreien.

In der Gaunerkomödie „Ein Fisch namens Wanda“ heimste der Stotterer die großen Lacher ein. David Seidler, der mit einem Oscar belohnte Drehbuchautor von „The King’s Speech“, erinnert sich, wie er damals mitgelacht und sich sofort dafür geschämt habe. Auch Seidler ist ein Stotterer, doch die logopädischen Übungen des englischen Königs brachten die Wende in der Wahrnehmung.

„The King’s Speech“ war 2011 für die Theaterwissenschafterin Birgit Gohlke der Auslöser, sich mit ihren persönlichen Erfahrungen als Stotterin zu beschäftigen. Neben ihrer Recherche zu Geschichte und aktuellen Zugängen gilt es auch, einen Namen ohne Stolperstein für ihren Sohn zu finden, um den Neugeborenen nicht mit einer holprigen Anrede zu verwirren. Der Film zeigt Betroffene bei ihren Strategien, mit traumatischen Erlebnissen während der Schulzeit umzugehen oder sich eine vorausplanende Sprechweise anzueignen, um Unsicherheiten im Keim ersticken zu können.

Für den Studenten Benedikt war Singen die Rettung, da Takt und Rhythmus von einer anderen Hirnregion gesteuert werden. Bei einem Auftritt in der TV-Show „Die große Chance“ lobte Peter Rapp die Leistung des „Behinderten“. Als solcher fühlt sich Benedikt nicht. Es ist eines der Vorurteile, gegen die der Film antritt. Nur Alexander geht den umgekehrten Weg. Für eine Filmrolle erlernt der Schauspieler bei einer Stottertherapeutin das perfekte Stottern.

Zur Tirol-Premiere ihres Films kommen die beiden Regisseurinnen am Samstag (17. März, 18 Uhr) ins Innsbrucker Leokino. (p. a.)


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