Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.04.2018


Film und TV

“Early Man“: Der Kriegspfad der Evolution

Nick Park erzählt im Animationsfilm „Early Man“ die Geschichte des Fußballs.

© Steinzeitmensch Dug und sein Kumpel Hognob: Nick Park verweigert seinen Tierkreationen in „Early Man“ die Kunst der Sprache.Foto: Studiocanal



Innsbruck – Oft reicht ein kleiner Impuls wie das Berühren eines schwarzen Monoliths, um den Pfad der Evolution betreten zu können. In Stanley Kubricks „2001“ entdeckt ein dermaßen inspirierter Affe die Möglichkeiten eines Knochens, mit der mörderischen Verlängerung seines Arms beginnen technischer Fortschritt, Gewalt und Zivilisation.

In Nick Parks neuem Animationsfilm „Early Man – Steinzeit bereit“ verrät ein Insert Epoche (Pleistozän) und Schauplatz (Manchester), die Menschen leben in Höhlen, an deren Wänden die Geschichten einer heroischen Vergangenheit erzählt werden. Aber es sind keine Bilder über prähistorische Schlachten zwischen wildem Getier und Mensch, die Höhlenmalereien zeigen dribbelnde Spieler, fliegende Tormänner und so manches Unglück, das die frühen Bewohner Manchesters als Erfinder des Fußballs heimgesucht hat. Irgendwann haben sich die Menschen, von einem geheimnisvollen Fluch verfolgt, resignierend in ihr Tal zurückgezogen. Seither widmen sie sich der Jagd auf Kaninchen, die bereits eine höhere Evolutionsstufe erklommen haben.

Der junge Dug versucht zwar mit seinem Kumpel Hognob, einem Wildschwein, die Steinzeitgemeinde für eine neue Ära zu begeistern, doch Furcht bremst jede Initiative. Auf der anderen Seite des vergessenen Tals ist man längst in der Bronzezeit angekommen. Lord North, getrieben von Gier und Unternehmergeist, organisiert Fußballturniere, römische Dekadenz und die Stimmung in den Stadien von Manchester lassen sich erahnen. Fußball ist schon im Holozän in der Politik angekommen und das große Geschäft für korrupte Funktionäre. Ein besonderes Schauspiel für die Massen könnte das Match zwischen den Höhlenmenschen und den Stars von Real Bronze werden. Der Ausgang entscheidet über Freiheit oder Sklavenarbeit in den königlichen Bergwerken.

Die Arbeit mit Knetmasse für einen Animationsfilm, wie sie der britische Regisseur Nick Park in den gemeinsam mit Peter Lord geführten Aardman-Studios betreibt, kommt wohl dem Hauen in einem Bergwerk am nächsten. Die Einzelbildtechnik fördert nach einem langen Arbeitstag gerade einmal zwei oder drei Sekunden Trickfilm zutage, daher kann es dauern, bis eine physische oder gar emotionale Bewegung sichtbar wird. So bleibt ein Lebenswerk überschaubar. Nach der Serie um Herr und Hund („Wallace & Gromit“), den Aufstand der Mäuse in „Flutsch und weg“ oder die große Flucht der Hühner in „Chicken Run“ ist „Early Man – Steinzeit bereit“ der siebte Film des Knetmeisters aus Bristol.

Es ist schließlich dieses ultrabrutale Fußballspiel, das wie ein Monolith die Höhlenmenschen inspiriert. Sie sind fit für Zukunft und alternative Lebensformen. Aber sie gehen es erst einmal gemütlich an. (p. a.)