Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.04.2018


Kino

Hitzewallungen und andere Katastrophen

In Blandine Lenoirs Wohlfühlkomödie „Madame Aurora und der Duft von Frühling“ begegnet Agnès Jaoui der Altersdiskriminierung.

© PolyfilmSolidarität unter Freundinnen beim Übergang in eine neue Lebensphase: Agnès Jaoui (rechts) in "Madame Aurora und der Duft von Frühling".



Innsbruck – Im französischen Kino ist es nicht ganz so schlimm wie in Hollywood, wo Schauspielerinnen seit einem Jahr von den Demütigungen bei Vorsprechterminen berichten, wenn sie ab einem gewissen Alter überhaupt noch zu solchen Terminen eingeladen werden.

Dafür müssen sich in Frankreich sogar die Stars in Geschichten und Rollen einfügen, wie sie in den 60er-Jahren die Regel waren, um die Erwartungen eines Publikums zu erfüllen, das sich Ablenkung wünscht.

Das ist allerdings eine Erfindung der Produzenten, die alten Rezepten folgen und mit europäischen Förderungen rechnen können. Die deutschen Verleiher greifen eine weitere Förderung ab und verzieren diese französischen Komödien mit Titeln, in denen das Wort Duft, mal in Verbindung mit Lavendel, mal mit Frühling wie im Fall von Blandine Lenoirs „Aurore“ (Originaltitel), vorkommen soll.

Während andere frieren, möchte sich die schwitzende Aurore (Agnès Jaoui) ständig ihrer Kleider entledigen. Neben den Hitzewallungen, die auf unangenehme Weise ihre Menopause begleiten, erfährt die Mutter und baldige Großmutter den Übergang in eine unbekannte Lebensphase auch in sozialen Zusammenhängen. Der Patron des Restaurants, in dem sie als Kellnerin arbeitet, möchte sie Samantha nennen, weil das jugendlicher klingt. Als sie vom Arbeitsamt als Putzkraft vermittelt wird, muss sie sich von einer farbigen Kollegin sagen lassen, dass weiße Frauen erst im Alter endlich erfahren, was Diskriminierung heißt. Demnächst wird Aurore wohl auch die Erfahrung der Altersarmut machen. Zwanzig Jahre hat sie schwarz im Betrieb ihres Mannes Nanal (Philippe Rebbot) gearbeitet und nie darüber nachgedacht, dass ihr kostbare Versicherungszeiten fehlen könnten. Nanal hat mit einer jüngeren Frau eine neue Familie gegründet, dabei könnte Aurore auch mit Nanals bestem Freund Totoche (Thibault de Montalembert) verheiratet sein. Aber Aurore war ungeduldig, hat ihr Studium abgebrochen, man wird sehen.

Blandine Lenoirs „Madame Aurora und der Duft von Frühling“ ist bereits die dritte Komödie aus dem Jahr 2017, in der Französinnen die Trümmer ihres Lebens betrachten. In „Das unerwartete Glück der Familie Payan“ war es Karin Viard, die mit Philippe Rebbot an ihrer Seite und mit viel Klamauk diese Trümmer beseitigt hat. In „Meine schöne innere Sonne“ war es Frankreichs Kino-Ikone Juliette Binoche, die dem Klimakterium tanzend begegnet ist. Agnès Jaoui, die in Filmen von Alain Resnais gespielt hat und eine bemerkenswerte Regisseurin („Lust auf anderes“) war, darf als Aurore zwar tanzen, zu viel Wirklichkeit darf aber auch ihre Figur nicht vermitteln. (p. a.)