Letztes Update am Sa, 28.04.2018 10:44

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Film und TV

Österreicher bei Deutschem Filmpreis Lola ausgezeichnet

Verneigung vor einer unvergesslichen Filmdiva. Bei der Lola-Verleihung fließen reichlich Freudentränen und eine Romy-Schneider-Biografie gewinnt haushoch. Doch die Filmbranche gibt sich auch kämpferisch.

© dpa-ZentralbildDie Schauspielerin Birgit Minichmayr (l-r), Emily Atef und Marie Bäumer stehen nach der Verleihung des 68. Deutschen Filmpreises "Lola" auf der Bühne mit ihren Preisen.



Von Elke Vogel, dpa

Berlin – Späte Hommage an die früh verstorbene Filmlegende Romy Schneider in ihrer deutschen Heimat: Mit gleich sieben Lolas ist die Filmbiografie „3 Tage in Quiberon“ am Freitagabend beim Deutschen Filmpreis in Berlin ausgezeichnet worden. Emily Atefs Schwarz-Weiß-Drama über die am Leben verzweifelnde Filmdiva siegte unter anderem in der Königskategorie Bester Spielfilm.

Die überglückliche, in Tränen aufgelöste Romy-Darstellerin Marie Bäumer (48) wurde außerdem als beste Schauspielerin geehrt. Im Jahr vor ihrem Tod hatte Romy Schneider (1938-1982) in dem französischen Kurort Quiberon in der Bretagne dem Stern-Journalisten Michael Jürgs ihr letztes großes Interview gegeben.

In Deutschland wurde Schneider zu dieser Zeit zu ihrem Leidwesen immer noch vor allem für ihre „Sissi“-Filme geliebt, obwohl sie schon längst anspruchsvolle Charakterrollen in internationalen Produktionen spielte. „Ich vermute, dass Romy Schneider sich so gesehnt hat, aus ihrem Land diese Auszeichnung zu bekommen“, sagte Bäumer.

Beste weibliche Nebenrolle an Minichmayr

Als bester Hauptdarsteller wurde Franz Rogowski für seine Rolle in Thomas Stubers Großmarkt-Liebesgeschichte „In den Gängen“ geehrt. Der 32-Jährige dankte vor allem seiner Familie – denn „denen ist das alles, was hier passiert, total unwichtig“, meinte er. „Die haben mich vorher schon gemocht.“ Sowohl „In den Gängen“ als auch der seit dem 12. April in den Kinos laufende Film „3 Tage in Quiberon“ waren bereits bei der Berlinale gefeiert worden, gingen am Ende des Festivals aber leer aus.

Die Lola für die beste weibliche Nebenrolle erhielt die Österreicherin Birgit Minichmayr (41), die in „3 Tage in Quiberon“  Romys Freundin Hilde spielt. Für die beste männliche Nebenrolle wurde Robert Gwisdek (34) ausgezeichnet, der in dem Film den Reporter verkörpert. Gwisdek wurde per Video aus dem Krankenhaus zugeschaltet, wo seine Frau gerade die gemeinsame Tochter zur Welt brachte. „3 Tage in Quiberon“ erhielt auch die Preise für die beste Musik sowie für die beste Kamera/Bildgestaltung. Der Film war mit ingesamt zehn Nominierungen der große Lola-Favorit gewesen.

Auch Brisantes als Thema

Fatih Akin und Hollywoodschauspielerin Diane Krüger mussten sich für ihr bereits mit dem Golden Globe ausgezeichnetes NSU-Drama „Aus dem Nichts“ in der Spielfilm-Kategorie zwar mit der Silber-Lola begnügen. Akin erhielt zusammen mit Hark Bohm aber auch noch den wichtigen Drehbuch-Preis. Die Bronze-Lola in der Spielfilm-Sparte ging an Valeska Grisebach für ihre Bauarbeiter-Saga „Western“ über deutsche Männer auf einer Großbaustelle in Bulgarien.

In der Gala wechselten sich ernste und heitere Töne ab. Die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, Iris Berben, und Schauspieler und Moderator Edin Hasanovic („Brüder“, „Nur Gott kann mich richten“) eröffneten die Gala mit einer fast alle Stile von Hiphop bis Dirty Dancing durchlaufenden, fetzigen Tanzperformance. Doch die Filmschaffenden sprachen dann immer wieder auch brisante aktuelle Themen wie die #MeToo-Debatte und ihre Folgen oder den Antisemitismus in der Gesellschaft an.

Berben sagte, die längst überfällige Debatte um Sexismus und Machtmissbrauch in der Filmbranche müsse ohne Häme und Ausgrenzung geführt werden. Sie wehre sich dagegen, dass Männer per se unter Generalverdacht gestellt würden. Aber wo es Einschüchterung und Mobbing gebe, müsse es heißen: „Eure Zeit ist vorbei!“ Auf Jackett und Oberteil trug die Schauspielerin das Venus- und das Marssymbol für Weiblichkeit und Männlichkeit.

Riesenjubel für Fack ju Göhte 3

Der aus Bosnien stammende Hasanovic ließ zur Freude der Zuschauer einige politische Spitzen los. An die Adresse der AfD meinte er, es sei doch sicher frustrierend, jetzt vor dem Fernseher zu sitzen und zu sehen wie ein ehemaliger Flüchtling den Deutschen Filmpreis moderiere. Ansonsten empfahl er in Anspielung auf frauenfeindliche und judenfeindliche Ereignisse der jüngsten Zeit, mal „ein, zwei Wochen, die Finger von den Hosen zu lassen“ – wenn doch die Sexisten den Hosenstall nicht zulassen könnten und die Antisemiten schon den Gürtel rausholten.

Riesenjubel gab es für die Macher der Schulkomödie „Fack ju Göhte 3“ um Regisseur Bora Dagtekin, die die undotierte Lola für den „besucherstärksten deutschen Film des Jahres“ bekamen. Mehr als 6 Millionen Besucher hatten den letzten Teil der Trilogie gesehen, insgesamt waren es mehr als 21 Millionen für alle drei Teile. „Eure gemeinsame Arbeit hat Kultstatus erreicht“, rief Iris Berben. Für die Macher und Darsteller wie Elyas M‘Barek, Jella Haase und Katja Riemann gab es einen „fetten Strauß“ mit Lolas.

Der 78-jährige Regisseur, Schauspieler und Autor Hark Bohm („Nordsee ist Mordsee“) nahm sehr bewegt den Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den deutschen Film entgegen.  „Wahrscheinlich ist das der glücklichste Augenblick meines Lebens“, sagte Bohm.

Marie Bäumer erhält den Preis für "Beste weibliche Hauptrolle für den Film 3 Tage in Quiberon".
- dpa