Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.05.2018


Film und TV

Ohne Illusionen über Leben und Musikindustrie

© Anne Clark war in den 1980ern ein Star der New-Wave-Ära.Foto: Filmladen



Innsbruck – Im Londoner Stadtteil Croydon aufzuwachsen und mit 16 Jahren die Schule abzubrechen, war in den 1970er-Jahren nicht gerade eine günstige Voraussetzung, das englische Klassensystem zu überwinden.

Anne Clark, Jahrgang 1960, arbeitete als Hilfspflegerin in einer psychiatrischen Anstalt. Als sie ihre Beobachtungen über Missbrauch und Gewalttätigkeiten meldete, endete auch diese Berufswahl. Aber 1978 sah sie im Fernsehen die Sex Pistols und mit dieser Punkband, in der mit Johnny Rotten ein Kanalarbeiter zum Star geworden war, schien plötzlich alles möglich.

Nach seinem 2009 gedrehten Konzertfilm „Anne Clark Live” lässt Claus Withopf die Sängerin und Poetin in seiner Dokumentation nun erzählen.

Anne Clark wurde mit ihren Hits „Sleeper in Metropolis” und „Our Darkness” 1982 zu einem Star der Post-Punk- und der von Synthesizer und Disco-Beats dominierten New-Wave-Ära. Ungeübt im Lesen des Kleingedruckten in ihren Verträgen, blieb Clark nur der Ruhm, während sich die Manager mit den Millionen aus dem Staub machten. Trotz einer etwas simplen Dramaturgie – jedem Statement folgt ein Videoclip – entsteht das Porträt einer faszinierenden und politisch wachen Künstlerin, die sich keinen Illusionen über Leben und Musikindustrie hingibt. (p. a.)




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