Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.05.2018


Solo

“Star Wars“-Vorgeschichte: Schaumgebremstes Solo für zwei

Keine Sternstunde nach schwerer Geburt: Oscarpreisträger Ron Howard erzählt in der „Star Wars“-Vorgeschichte „Solo“ vom Werden späterer Helden.

© Lucasfilm/DisneyAlden Ehrenreich als Weltraum-Outlaw Han Solo und sein haariger Co-Pilot Chewbacca (Joonas Suotamo).



Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Seine Glückswürfel haben Han Solo betrogen. Der neueste Ableger des Star-Wars-Universums rund um den sympathischen Draufgänger unter den edlen Weltraum-Märchenfiguren löst eher lauwarme Gefühle aus. Wie wurde Han Solo (Alden Ehrenreich) zum berühmten Piloten und berüchtigten Kleinganoven, der im ersten Star-Wars-Film von 1977 (als Harrison Ford) in Mos Eisley in die Cantina spazierte? Als Antwort liefert Lucasfilm seinen Fans in den 135 3D-Filmminuten ein schnelles Abenteuer nebst zwei sehr kurzer Expositions-Sequenzen. Wir starten im kriminellen Großstadtdschungel von Corellia. Typisch für ihn ist Han von Beginn an auf der Flucht und will mit wertvoller Beute endlich die Freiheit für sich und seine Jugendliebe Qi’ra erkaufen. Als nur ihm die Flucht gelingt, haben wir eine Erklärung für Han Solos schwieriges Verhältnis zu Frauen. Er flüchtet sich vor seinem Schmerz in die imperiale Armee und drei Jahre später sind wir mitten in einer Kriegsszene. Es ist ein früher Tiefpunkt des Films, der nach eigenen Angaben die „größte Freundschaft der Galaxis“ feiern will. Denn dort lernt Han seinen späteren Co-Piloten Chewbacca kennen als er ihm in einer Schlammgrube zum Fraß vorgeworfen wird. So emotionslos, wie diese erste Begegnung der beiden abgehandelt ist, gestalten sich auch viele weitere Referenzen an die große Star-Wars-Story. „Der Film sollte eher zeitgemäß als nostalgisch sein“, meint Regisseur Ron Howard („Apollo 13“). Doch gerade die Regie des Oscar-Preisträgers („A Beautiful Mind“) wirkt bisweilen sehr unterkühlt. Das wird besonders bei Darstellern wie Woody Harrelson (gerade erst für „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ Oscar-nominiert) deutlich, der Han Solos Mentor Beckett mit einem Bruchteil der für ihn so typischen Energie spielt. Emilia Clarke (Daenerys aus „Game of Thrones“) als vielseitig-ambivalente Qi’ra und Donald Glover als Lebemann Lando Calrissian machen ihre Sache sehr gut.

Die schaumgebremste Regie wird jedoch verständlicher, angesichts der mittleren Katastrophen bei der Verfilmung des Drehbuchs aus der Feder von Star-Wars-Veteran Lawrence Kasdan und dessen Sohn Jonathan. Der Film hatte ein turbulentes Produktions-Jahr 2017 hinter sich. Das Regie-Duo Phil Lord und Christopher Miller wurde nach fünf Monaten Drehzeit – u. a. auch in den Dolomiten für eine Action-Szene – gefeuert. Die Produzenten im Hause Disney schafften es offenbar nicht, die Crew ihres Star-Wars-Schlachtschiffes auf eine Richtung einzuschwören und dann die Regie-Zügel freizugeben. Schlussendlich sprang Ron Howard ein und drehte, hört man, rund 80 Prozent des Films neu – und wie gewünscht die ursprünglich witzigere Tonart des Films ins Dunklere. Zudem wurde noch der Schnittmeister ausgetauscht und ein Bösewicht-Schauspieler auf Grund von Terminkollisionen mit CGI durch einen anderen ersetzt. Dass so ein Piloten- und Richtungswechsel nicht ohne Auswirkungen bleiben kann, ist klar. Dafür ist „Solo“ dann sogar noch erstaunlich glatt und frei von groben Schnitzern und falschem Pathos; die hohe Geschwindigkeit kaschiert die holzschnittartige Figurenentwicklung. In der zweiten Hälfte kommen durch die Weltraum-Action und den berühmten John-Williams-Score sogar noch Star-Wars-Gefühle auf. Das Finale bietet dann eine spannende Auflösung – und am Ende wissen wir auch, ob Han zuerst geschossen hat.




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