Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 02.06.2018


Film und TV

„Filmarbeit ist Kommunikation“

Bei der Beurteilung von Filmen in den IFFI-Wettbewerben spielen individueller Geschmack und Film-Knowhow die Hauptrolle.

© Beim IFFI-Publikumspreis stimmt das Publikum gerne mit.Foto: Dino Bossnini



Innsbruck – Damit am heutigen Samstag die Sieger der Wettbewerbskategorien beim Internationalen Filmfestival Innsbruck IFFI verkündet werden können, wird von den Jurymitgliedern einiges an Denkarbeit abverlangt. „Im Schnitt wollen oder dürfen wir uns zwei Filme am Tag ansehen“, berichtet Philipp von Lucke, Kameramann und Juror der Kategorie „Filmpreis des Landes Tirol“. Gemeinsam mit der Regisseurin und Autorin Tereza Kotyk und der Schauspielerin Lisa Hörtnagl entscheiden sie über den Siegerfilm, der den finanziell am höchsten dotierten Preis von 5500 Euro verdient.

Die Jurymitglieder haben die Filme ihrer Kategorie erst im Rahmen des Festivals sehen können: „Dabei versuche ich, mir den Film konzentriert anzuschauen“, sagt Tereza Kotyk, die im Anschluss stattfindende Publikumsgespräche meidet, um sich nicht in der Entscheidung beeinflussen zu lassen. Kotyk und von Lucke schätzen die gesprächsfreudige Festivalatmosphäre, lassen sich aber in Sachen Favoriten nicht in die Karten blicken. Ein zwischenzeitliches Austauschen von Erstreaktionen unter Juroren sei zwar im Rahmen, die eigentliche Diskussionsrunde zu den Bewertungen sei aber erst nach Sichtung aller Filme im Wettbewerb möglich. „Die gezeigten Werke sind alle sehr verschieden, wir können uns erst am Ende einen gemeinsamen Nenner für die Bewertung überlegen“, schildert Kotyk ihre herausfordernde Aufgabe. „Man bewertet ja die Arbeit, nicht Persönlichkeiten.“

Cineastisches Knowhow fließe natürlich in die Entscheidung mit ein, aber auch der persönliche Geschmack. „Jeder Film ist anders. Filmarbeit ist Kommunikation, darum halte ich mich auch an keinen festgelegten Kanon für gute Kameraarbeit“, so von Lucke. Ein Film müsse ihn auch als Zuschauer „mitnehmen“. Und apropos Zuschauer: In der Bewertung sind seit mehreren Jahren nicht nur Fachexperten involviert, sondern auch das Publikum, das aus sechs Filmen ihren Favoriten per Wahlkarte bestimmt. „Das Publikum wirkt gerne mit, die Filme haben auch großen Anklang gefunden. Das zeigen vor allem die guten Bewertungen“, zieht Leila Mehadzic vom IFFI-Team Bilanz. Wie sich Publikum und Juroren entschieden haben, wird heute ab 11 Uhr im Leokino im Rahmen der Preisverleihung bekannt gegeben. Die Siegerfilme werden am Sonntag nochmal gezeigt. (kasma)




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