Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.06.2018


“Swimming with Men“

Die Kunst des Scheiterns und des Schwebens

In Oliver Parkers Komödie „Swimming with Men“ finden acht Herren den Sinn des Lebens als Synchronschwimmer.

© ThimfilmAus dem Chaos entsteht die Vollkommenheit: In Oliver Parkers „Swimming with Men“ beeindrucken nicht gerade durchtrainierte Darsteller.Foto: Thimfilm



Innsbruck – Zwischen Chaos und Vollkommenheit liegt oft ein Rechenfehler. Eric (Rob Brydon) möchte im nahen Schwimmbad nur in Ruhe seine Bahnen ziehen, um sich im Wasser von privaten und beruflichen Zumutungen zu reinigen. Seit der Wahl zur Gemeinderätin erheben fremde Mächte wie der Klubchef Lewis (Nathaniel Parker) Besitzansprüche auf seine Frau Heather (Jane Horrocks), in der Steuerkanzlei verlangen Klienten plötzlich Zahlenspiele, die weit über die übliche Vermögensberatung hinausgehen. Eric empfindet es daher als Verhöhnung seines Dilemmas, als sieben Herren seinen Atemrhythmus stören und sich zu einer allegorischen Figur für Chaos aufbauen. Tatsächlich versuchen die Synchronschwimmer einen erwachenden Blütenkelch darzustellen, doch den Sportlern gelingen nur tragische Erinnerungen an die Laokoon-Gruppe. Die Ursache des Scheiterns hat der Mathematiker mit der ungeraden Zahl der Teilnehmer schnell eruiert. Andererseits nehmen es Bauunternehmer, Zahnarzt, Gärtner, Angestellter oder Kleinkrimineller mit der ästhetischen Wirkung nicht so genau. Es sind letztlich die biografischen Bruchstellen, die Eric zum achten Mann des lächerlichen Wasserballetts reifen lassen. Hebefiguren ergeben plötzlich Sinn, mit ersten Erfolgserlebnissen stellt sich auch der Ehrgeiz ein und die Anmeldung für die bevorstehende Weltmeisterschaft im Synchronschwimmen in Mailand ist nur noch Form- beziehungsweise Ehrensache, obwohl die Disziplin mit gravierenden Vorurteilen verknüpft ist.

„Swimming with Men“ ist ein Remake des schwedischen Films „Männer im Wasser“, der 2008 das männliche Nationalteam feierte, das erstmals die WM im Synchronschwimmen gewinnen konnte. Gegen das Vorurteil des „Schwulendings“ lieferte der Film damals einen kleinen historischen Abriss, in dem sich im 19. Jahrhundert nur Männer zu gewagten Figuren im Wasser treffen durften. Die groben Textilien, die für Frauen vor 100 Jahren zur Ausübung eines Sports noch vorgeschrieben waren, hätten im Wasser ohnehin schwere Opfer verlangt. Für die Neuverfilmung wurde mit Oliver Parker ein Regisseur engagiert, der zwischen Tragödie („Othello“) und Agentenpersiflage („Johnny English“ mit mit Rowan Atkinson) fast alles kann. Ihm gelingt dann auch das Kunststück, Schwergewichte wie Jim Carter (der Butler in „Downton Abbey“) zum Schweben zu bringen.


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