Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 01.07.2018


Interview

Elizabeth T. Spira: „Einige wollen niemanden treffen, aus Angst“

Es wird wieder gekuppelt. Ab 16. Juli präsentiert Elizabeth T. Spira die 22. Staffel ihrer „Liebesg’schichten und Heiratssachen“.

© APAEndlich einmal im Sommer verreisen, davon träumt Elizabeth T. Spira. Heuer aber noch nicht, denn sie erzählt wieder von „Liebesg’schichten und Heiratssachen“.Fotos: APA/Neubauer



War bei Ihnen nicht gerade von Aufhören die Rede, Frau Spira?

Elizabeth T. Spira: Möglicherweise, habe ich gemeint. Den heurigen Sommer gibt es noch, wir drehen ja nach wie vor an einzelnen Folgen, dann schauen wir weiter. Ich bin mittlerweile 75 und will vielleicht einmal im Sommer wegfahren. Ich hab' wegen der „Liebesg'schichten" schließlich seit zwanzig Jahren keinen Sommerurlaub gemacht.

Wie würde dann Ihre Planung für 2019 aussehen?

Spira: Vielleicht mach' ich was anderes, vielleicht gar nichts. Aber: Nichts machen, nein, das kann ich eigentlich nicht. Ich muss noch mein Inneres genau befragen, was ich wirklich will.

Weiterhin Fernsehen?

Spira: Das ist ziemlich klar, denn schreiben wäre nichts für mich. Da ist man dauernd mit sich selbst beschäftigt. Das gibt mir nichts. Beim Film hingegen brauche ich andere — und das taugt mir.

Sie haben nun 22 Staffeln — fast — hinter sich. Wie verläuft Ihre Arbeit üblicherweise?

Spira: Man trifft immer wieder Leute. Mit einigen bin ich sehr glücklich. Das reicht mir schon. Über andere freut man sich nicht so, doch das gehört dazu. Bevor es zu den Treffen kommt, erreichen uns Telefonate und Briefe. Am Ende stellt sich heraus, dass einige der Kandidaten in Wirklichkeit niemanden treffen wollen, aus Angst. Manche, oft Männer über 80, wollen sich nicht gleich entscheiden. Andere wieder verlieben sich sofort und auf der Stelle. Es gibt Paare, die nur zwei Tage zusammen sind, andere heiraten. So ist das.

Was vor allem wünschen Sie sich von den Kandidaten?

Spira: Dass sie in ihren Bewerbungen nicht übertreiben. Ein bissl, na gut, das gehört dazu. Aber nicht zu sehr.

Haben Sie ein Rezept anzubieten?

Spira: Nein. Es meldet sich immer einer. Der Richtige oder der Falsche.

Glauben Sie an Liebe auf den ersten Blick?

Spira: Ja.

Selbst erlebt?

Spira: Schon.

In über zwei Jahrzehnten Arbeit an den „Liebesg'schichten" gab es sicher Schicksale, die sehr komisch oder sehr berührend waren. Zum Beispiel?

Spira: Da erinnere ich mich an einen Techniker aus Tirol. Er war über 80, seine Wohnung war total mit alten Zeitungen vollgestopft. Nicht, weil er kein Geld hatte, sondern weil er sich einfach um nichts gekümmert hat. Dabei war er durchaus intelligent, technisch begabt, ein sehr erfinderischer Geist, sympathisch und gut aussehend. Er erzählte uns, er sei noch nie mit einer Frau zusammen gewesen. Aber er wolle es endlich versuchen, bevor er stirbt. Die Folge: Er wurde von unheimlich vielen Frauen angeschrieben. Er hat aber keiner geantwortet ...

Und die traurigste Episode?

Spira: Da hat sich eine Stewardess gemeldet, Mutter von zwei Kindern. Der Mann hatte die Familie relativ bald verlassen. Nun aber waren die Kinder erwachsen und aus dem Haus. Über uns suchte sie nun einen sympathischen Mann — und hat ihn auch gefunden. Sie haben bald geheiratet, auch kirchlich. Bei der Hochzeit haben wir mitgedreht. Ein halbes Jahr später war der Mann tot. Krebs.

In manchen Regionen sowie in Netroys „Jux" oder in Thornton Wilders „Heiratsvermittlerin??, Vorbild für das Musical „Hello Dolly", gibt es eine Heiratsvermittlerin. Hatten Sie nie ein Angebot, diese Rolle im Film oder auf der Bühne zu spielen?

Spira: Nein. Ich bin ja keine Schauspielerin.

Kommen Sie sich wenigstens manchmal vor wie eine Heiratsvermittlerin?

Spira: Nein, denn ich sage den Leuten immer, worum es geht. Ich schwindle nicht so sehr. Die auf der Bühne und im Film müssen ja schwindeln, weil sie Hochzeiten zu organisieren haben, die letztendlich „gekauft" werden.

Wofür, denken Sie, sind Sie und Ihre „Liebesg'schichten" letztendlich da?

Spira: Ich versuche den Menschen einen Schubser zu geben. Aber zugreifen müssen die Leute dann schon selbst.

Wie oft waren Sie verheiratet?

Spira: Ein einziges Mal. Bin es immer noch. Damals mussten wir heiraten, weil wir ein Kind adoptierten. Bei Peter Turrini und Käthe Kratz zum Beispiel war das ebenso. Da musste man in den sauren Apfel beißen ... Ich persönlich habe meinen Mann sozusagen zweimal kennen gelernt. Beim ersten Mal war ich Mitte 20, beim zweiten Mal Anfang 30. Dazwischen waren bei uns andere Männer, andere Damen. Wir hatten die Dinge nicht so ernst genommen. Am Ende aber doch ernst genug, dass wir uns noch einmal ineinander verliebten, und dass wir bis heute ein Paar sind.

Was bedeutet für Sie Glück?

Spira: Dass man mit seinem Leben zufrieden ist, dass man nicht erst im Alter draufkommt, was man versäumt hat. Dass man Dinge machen durfte, die einen interessieren und das Gefühl hat, man habe mit seinem Leben etwas angefangen. Schon gar nicht soll man das Gefühl haben, dass man nicht gebraucht wird. Dass man eine tolle Familie hat. Ich zum Beispiel habe drei wunderschöne, freche Enkelsöhne. Meine Tochter wollte unbedingt noch ein Mädchen. Ich riet ihr: „Nicht weitermachen! Du kriegst nur Söhne. Und drei reichen!"

Die „Liebesg'schichten" werden von der Wega-Film, den beiden Herren Veit Heiduschka und Peter Thomsen, die auch für die Kinofilme von Peter Haneke zuständig sind, produziert. Gibt es da oft Debatten oder läuft das klaglos?

Spira: Sie sind Produzenten, die nicht stören. Und das ist wichtig.

Weil Sie anfangs von Sommerurlauben gesprochen haben: Welches Ziel schwebt Ihnen da speziell vor?

Spira: Vielleicht die Fjorde. Bisher hatte ich immer im Winter frei, und da ist es dort eiskalt. Im Sommer hingegen sind sie sicher besonders schön.

Das Interview führte Ludwig Heinrich