Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.07.2018


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Bond-Erlebniswelt in Sölden: “Nit g‘schumpfn isch a g‘lobt“

Investor Jakob Falkner ortet in dem Ötztaler Spruch viel positive Resonanz für seine Bond-Erlebniswelt auf dem 3000 Meter hohen Gaislachkogel. „007 Elements“ sieht Falkner als „Eintrittskarte für neue Märkte“.

© Vanessa RachléAm 12. Juli öffnet die Bond-Erlebniswelt am Gaislachkogel ihre Pforten. Der Flieger, der samt Daniel Craig in „Spectre“ in einen Osttiroler Stadel krachte, ist ein Höhepunkt der Installation hoch über Sölden.



Von Anita Heubacher

Sölden – „Mir ist das Ice Q immer noch das Liebste“, sagt Architekt Johann Obermoser im von ihm geplanten Gourmetrestaurant auf 3048 Metern Seehöhe am Gaislachkogel, hoch über Sölden, sitzend. Sein Blick schweift zum Ausgang des Restaurants und ein paar Meter weiter. Dort eröffnet am 12. Juli die James-Bond-Erlebniswelt „007 Elements“ auf 1300 Quadratmetern. Obermoser hat sie in den Berg gehauen aus Beton, Stahl und Glas. Von außen ist nur wenig sichtbar, drinnen geht es acht bis neun Meter in den Berg hinein. Sound, Akustik, Videoinstallationen, interaktive Stationen und Bond-Original-Utensilien laden den Besucher ein, zum Agenten Ihrer Majestät zu werden. Alle Sinne werden bedient und Bond zum Angreifen gibt es hier genug.

Das Ice Q lockte das Bond-Team 2014 nach Sölden. Zuerst unerkannt inspizierte Regisseur Sam Mendes den späteren Drehort. Im James-Bond-Film „Spectre“ ist der futuristische Glasbau der Schauplatz, wo Daniel Craig Bondgirl Léa Seydoux zum ersten Mal sieht.

„Es war viel Leiden dabei“, meint der Geschäftsführer der Söldener Bergbahnen Jakob Falkner. Das Leiden bezieht sich nicht auf die Szene im Film, sondern auf die Vertragsverhandlungen mit den Bond-Machern, um die Erlebniswelt am Gipfel überhaupt entstehen lassen zu können. Die Verhandlungen seien sehr schwer und sehr schwierig gewesen. „Bond ist eine Weltmarke und wer da mitspielen will, muss sich an enge Spielregeln halten“, sagt Falkner. Nichts, aber auch gar nichts, wird dem Zufall überlassen. Jeder Schriftzug, jede Installation, jedes kleinste Detail müsse abgeklärt werden. Rund 15 Millionen Euro soll Falkner in seine Bond-Erlebniswelt investiert haben. Die genaue Zahl will er nicht nennen. „Zweistellig, aber keine 20 Millionen“, sagt er.

Die Besucher sollen eintauchen in die Welt von James Bond. Wer sich an Daniel Craig und seinen Vorgängern nicht sattsehen kann, ist am Gaislachkogel auf 3000 Metern richtig.
- Vanessa Rachlé

Die Feuerprobe werde sein Projekt erst noch erleben. Denn entscheidend sei, dass es den Kunden gefalle. Das erste Jahr zähle nicht, aber danach rechnet Falkner mit 120.000 Besuchern im Jahr. „Ich bin gespannt. Ich bin glücklich, auch gegen Widerstände dabeigeblieben zu sein.“ Bei Widerständen denkt Falkner an die Schneefälle, die Stürme, Helikopter-Einsätze bei minus 20 Grad und eben die Verhandlungen in London.

Im Tal ortet Falkner eine positive Resonanz. Bürgermeistern und Vermietern hat der Bergbahnen-Chef seine Erlebniswelt schon gezeigt. Die Sölder, der Ötztaler an sich, sei, was Gefühlsausdrücke angehe, reduziert. „Nit g’schumpfn isch a g’lobt, heißt es bei uns“, meint Falkner. Der Spruch lasse sich wohl auch auf „007 Elements“ ummünzen, meint er.

Während in „Spectre“ Sölden und die ebenfalls von Johann Obermoser gestaltete Gaislachkogelbahn namentlich gar nicht erwähnt wurden, ist Bond durch die Erlebniswelt nun wohl endgültig in Sölden und am Gaislachkogel verortet. Falkner sieht darin ein Alleinstellungsmerkmal. „Wenn man Berge sieht, denkt man an die Schweiz. Es gibt so viele Berge, aber James Bond ist unser USP.“ Also eine Unique Selling Proposition, die in der Vermarktung der Region den entscheidenden Vorsprung liefern soll. „Es ist die Eintrittskarte für neue Märkte wie Indien oder China“, sagt Falkner. Das seien ja nicht unbedingt nur Skifahrer, die kommen.

Da wird’s nicht nur im Film warm, die Besucher sitzen auf beheizten Bänken.
- Vanessa Rachlé

Touristiker müssen erfinderisch sein. Weltweit stagniert die Zahl der Skier-Days, der Skifahrertage. Sie zählen Gäste, die an einem Tag das erste Mal eine Liftanlage benutzen, und sind damit die Währung für Seilbahner. „007 Elements“ ist Falkners Idee, um eine weitere Gästeschicht, die vielleicht auch im Sommer und nicht nur im Winter kommt, auf die Berge zu locken. Angst, dass Bond zu wenig attraktiv ist, hat Falkner nicht. Es gebe allein mehr als 100 Millionen Bond-Fans, die in Vereinen organisiert seien.

Um dem erwarteten Andrang Herr zu werden, werden die Besucherströme dosiert. Es sollen nicht mehr als 20 bis 25 Leute auf einmal eintreten, rund 600 pro Tag abgewickelt werden. Um die Besucher, die für Bahn und Erlebniswelt 54 Euro bezahlen, bei Laune zu halten, warten sie mit Blick auf die Ötztaler Bergwelt oder auf beheizten Bänken mit Blick auf Daniel Craig. Aufgrund des Permafrosts können nur zwei Ausstellungskammern beheizt werden, sonst heißt es sich warm anziehen. Es hat null Grad.

Den Jeep gibt es im Original im Fels zu bestaunen.
- Vanessa Rachlé

Die Erlebniswelt sei „eben Teil des Berges“, meint Obermoser. Sieben Baukörper hat er im Gipfel verschwinden lassen. „Wir haben den Berg abgetragen und dann wieder aufgebaut.“ Mit dem Naturschutz habe es keine Probleme gegeben. „Ob es eine Spinnerei ist oder ob es weiter ausstrahlt, werden wir sehen“, meint er. Bis nach Miami hat „007 Elements“ schon gestrahlt, Obermoser soll dort für Aston Martin etwas bauen. Der Aston Martin aus „Spectre“ wurde um 3,1 Millionen Euro versteigert. An einen Bond-Fan aus London.

Die Bond-Erlebniswelt aus Beton, Stahl und Glas ist in den Berg gehauen und besteht aus visuellen Effekten und virtuellen Interaktionen.
- Vanessa Rachlé

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