Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.07.2018


Film und TV

Fröhliche Integration im Schlachthof

Colm Meaney rettet Conor McDermottroes Culture-Clash-Komödie „Halaleluja – Iren sind menschlich!“.

© LunaSarah Bolger, Colm Meaney und Nikesh Patel suchen in „Halaleluja – Iren sind menschlich!“ Personal für den islamischen Schlachtbetrieb.



Innsbruck – Martin Logan (Colm Meaney) ist Witwer und seit der Schließung des örtlichen Schlachthofs arbeitslos. Während zwei seiner Töchter noch zur Schule gehen, arbeitet die erwachsene Maeve (Sarah Bolger) als Pizzabotin. Daher ernähren sich die Logans ausschließlich von schlappen Teigwaren. Plötzlich sitzt mit Raghdan (Nikesh Patel) ein neuer Esser am Küchentisch. Der in England geborene indische Moslem ist nach Irland geflüchtet, um der arrangierten Ehe mit einer „hässlichen Cousine“ zu entkommen. Martin könnte nachfragen, ob das Aussehen oder das Prinzip für die Ablehnung ausschlaggebend war, aber er begnügt sich mit einem „Jesus Christ!“.

Diese Szene in Conor McDermottroes „Halaleluja – Iren sind menschlich!“ ist eine Hommage an Roddy Doyles „Barrytown“-Trilogie („The Commitments“, „The Van“ und „The Snapper“), mit der Colm Meaney als Larry zum Star wurde. Die Figur des trinkfesten, von keinem Schicksalsschlag zu besiegenden Arbeitslosen wurde zu seinem Markenzeichen, das auch McDermottroe ausschlachtet. Doch „Halal Daddy“ (Originaltitel) folgt jenseits irischer Filmtradition den Verrenkungen der seit Jahren in Frankreich gepflegten Culture-Clash-Komödie, der auch die europäischen Filmfördergremien großzügige Mittel zur Verfügung stellen, wenn der Kulturkampf ein versöhnliches Ende findet.

Für einen vorübergehenden Aufschwung in der beschaulichen Küstenstadt Sligo sorgt zunächst Raghdans Vater Amir (Art Malik), der in den heruntergekommenen Schlachthof investiert und den Betrieb für die wachsende moslemische Bevölkerung auf Halal-Schlachtung umstellt. Damit ist auch Martin wieder im Geschäft. Er organisiert das Eröffnungsfest, die anwesende Mullah-Prominenz verwöhnt er mit einem Bauchtanz-Ensemble. Was weiß schon ein Ire von fremden religiösen Traditionen? Auf diesem grobschlächtigen Niveau bewegen sich die kulturellen Missverständnisse. Am Ende ist sogar der rotbärtige Imam des Schlachtens müde und widmet sich der fröhlichen Integration. (p. a.)




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