Letztes Update am Mo, 16.07.2018 11:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Film

Verschollenes Drehbuch entdeckt: Stefan-Zweig-Verfilmung von Kubrick

Der US-Kultregisseur Stanley Kubrick arbeitete in den 1950ern scheinbar an

einer Adaption der Novelle „Brennendes Geheimnis“.

© imago stock&peopleStanley Kubrick drehte unter anderem die Verfilmung von Schnitzlers "Traumnovelle": "Eyes Wide Shut". Auch an einer Zweig-Novelle hatte er offenbar gearbeitet.



London/Wien – Ein lange verschollen geglaubtes Drehbuch von US-Kultregisseur Stanley Kubrick ist offenbar wieder aufgetaucht. Wie der britische Guardian berichtet, handelt es sich dabei um eine Adaptierung von Stefan Zweigs Novelle „Brennendes Geheimnis“. Entdeckt hat das Drehbuch der Kubrick-Experte Nathan Abrams im Zuge seiner Recherchen für ein neues Buch über den Filmemacher.

Vor Kubricks Durchbruch entstanden

Demnach befindet sich das Drehbuch im Eigentum des Sohnes eines früheren Kollegen von Kubrick. Der Regisseur von Kultstreifen wie „2001: Odyssee im Weltraum“ oder „A Clockwork Orange“ hat es gemeinsam mit Calder Willingham verfasst. Das Skript trägt den Stempel des Filmstudios MGM, datiert mit 24. Oktober 1956 – also noch vor Kubricks großem Durchbruch mit „Wege zum Ruhm“ (1957). Das Vorhaben sei bekannt gewesen, allerdings „hätte niemand gedacht, dass es fertiggestellt wurde“, wird Abrams im Guardian zitiert. „Wir haben jetzt aber eine Kopie und sie zeigt, dass er ein vollständiges Drehbuch verfasst hat.“

Wahrscheinlich nicht vorherrschendem Moralcode entsprochen

Wieso es letztlich nicht realisiert worden war, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Für Abrams scheint am wahrscheinlichsten, dass die Geschichte über einen jungen Baron, der sich über einen Buben an dessen Mutter heranmacht, dem damaligen Hollywood wohl zu anzüglich war und nicht dem vorherrschenden Moralcode entsprochen hat. Die ursprünglich Anfang des 20. Jahrhunderts in Österreich angesiedelte Geschichte wurde von Kubrick nach Amerika verfrachtet. So lautet etwa auch der Name des Buben Eddie und nicht Edgar.

Die Novelle wurde mehrfach verfilmt, u.a. auch von einem ehemaligen Assistenten Kubricks: Andrew Birkin holte dafür 1988 so illustre Namen wie Klaus Maria Brandauer und Faye Dunaway vor die Kamera. Mit Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ war eine andere österreichische Vorlage auch Grundlage für Kubricks finalen Film „Eyes Wide Shut“ mit Nicole Kidman und Tom Cruise. An einem Buch über dieses Werk arbeitet Abrams von der Universität Bangor derzeit. Es soll kommendes Jahr erscheinen. (APA)