Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 23.07.2018


“Ant Man and the Wasp“

Small-Size-Superhelden im subatomaren Raum

Kleine Superhelden ganz groß: Marvel-Film „Ant-Man and the Wasp“ überzeugt mit kompakter Perspektive und viel Ironie.

© DisneySommerkino mit Ameisen und Wespen: Paul Rudd und Evangeline Lilly schrumpfen in „Ant-Man and the Wasp“ per Knopfdruck auf Insektengröße.



Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Superheldenkino geht auch in small size. In den Hauptfilmen der Marvel-Reih­e mühen sich immer mehr Superhelden-Superteams um nicht weniger als die Rettung des Universums. Doch Blockbusterproduzent Marvel beweist durchaus Ironie: Gerad­e in der Spin-off-Geschichte rund um den „Ameisenmann“ geht es alles auch ein paar Nummern kleiner.

2015 erzählte Regisseur Peyton Reed, wie der Elektroingenieur und ehrbare Dieb Scott vom Wissenschafter Dr. Pym zum „Ant-Man“ ausgebildet wurde – und war damit an den Kinokassen durchaus erfolgreich. In der obligaten Post-Title-Sequence wurde bereits in bester Franchise-Tradition auf seine weiteren Auftritte verwiesen: Ant-Man machte bei den Avengers mit (in „The First Avenger – Captain America: Civil War“) – und auch der Auftritt der Wespe als Verstärkung wurde angekündigt. Nun kommt mit „Ant-Man and the Wasp“ der zweite kleine, aber feine Film dieses Helden ins Kino, Reed führte erneut Regie.

Zwei Jahre nach Teil eins wollen die Wissenschafter Dr. Hank Pym (ein launiger Michael Douglas) und sein­e Tochter Hope Van Dyn­e (Evangeline Lilly) nun die verschollene Mutter Janet (Michelle Pfeiffer) aus dem subatomaren Quantenraum zurückholen. Dazu verpflichten sie wieder den unter Hausarrest stehenden Scott (Paul Rudd, der auch erneut am Drehbuch mitwirkte). Während sie die nötigen Bauteile besorgen, kommt ihnen nicht nur das organisierte Verbrechen in die Quere. Auch ein mysteriöser Ghost (sehr charismatisch: Hannah John-Kamen) hat ein persönliches Interesse an der Technologie, und ein alter Wissenschaftskollege (Laurence Fishburne) ist auch noch mit im Spiel.

Der Plot ist geradlinig, kompakt und an persönlichen Zielen ausgerichtet. Außerdem erzählt „Ant-Man and the Wasp“ quasi nebenbei gleich mehrere Familien-Geschichten. Seiner – nun ja – kleinen Größe ist sich der Film dabei durchaus bewusst und verspricht kein Pathos, das er nicht tragen kann. Lediglich die Quantenphysik-Science-Fiction wird etwas verwirrend überstrapaziert.

Ähnlich den Filmen „Die Reise ins Ich“ oder „Down­sizing“ spielen viele der knackigen Gags ganz nonchalant mit Verkleinerung und Vergrößerung: Ein Laborgebäud­e wird zum Rollkoffer und eine gigantische PEZ-Figur ist das beste Kino-Product-Placement seit Langem.

Auch Scotts etwas einfach gestrickte Kompagnons sorgen für Non-Superhero-Comedy, etwa wenn der redselige Luis (Michael Peña) einfach nur einen Superhelden-Anzug ohne Fähigkeiten will, um cool auszusehen. Das perfekt­e Bild für die eigene Ironie-Strategie liefert dabei bereits die Auftakt­szene: Scott inszeniert für seine kleine Tochter Abenteuer innerhalb eines zu Haus­e aufgebauten Pappkarton-Labyrinths.

Die Dominanz der Superhelden im Kino speist sich vor allem aus großem Special-Effect-Spektakel und einer endlosen Serien-Narration. Beruhigend, dass darin auch kompakte Erzählungen ihren Platz finden. „Ant-Man“ ist dabei das Pendant zum nicht jugendfreien Deadpool. Am End­e des Film landen übrigens alle in einem winzigen Drive-in-Kino vor einem riesigen Laptop-Bildschirm, Kino und Heimkino verschmelzen. Fast ließe sich ein berühmtes Filmzitat aus Billy Wilders „Sunset Boulevard“ umkehren: „I am small. It’s the pictures that got big.“ Relativ großes Kino.


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