Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.08.2018


Kino

“Destination Wedding“: Zwei Zyniker auf Abwegen

Victor Levins Star-besetzte Zwei-Personen-Komödie „Destination Wedding“ ist zumeist nur unfreiwillig komisch.

© Filmladen„Es gibt niemanden für keinen“: Frank (Keanu Reeves) und Lindsay (Winona Ryder) kommen einander näher.



Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Eine gute Komödie ist die Königsdisziplin der Filmemacherei. Präzision bei Dialogen und Timing ist alles. Außerdem müssen Figuren und Schauspieler perfekt harmonieren. All das will „Destination Wedding“ kaum gelingen. Die Beinahe-Komödie ist ein seltsames Stück US-Independent-Kino. Ein Mini-Film mit nur zwei, sehr abseitigen, Figuren landet hierzulande im besten Fall direkt auf DVD – oder als Anreiz für ein Streaming-Abo. Dass das bei „Destination Wedding“ anders ist, liegt an der Prominenz seiner Schauspieler: Winona Ryder und Keanu Reeves haben zuletzt zwar ziemlich an Zugkraft eingebüßt. Aber für einen Kinostart reicht die Starpower noch.

Lindsay (Ryder) und Frank (Reeves) sind zwei Misan­thropen, die zu einer Hochzeit in den Weinbergen von Kalifornien eingeladen sind. Sie ist die psychisch labile Ex-Freundin des Bräutigams, er ein egozentrischer, entfremdeter Halbbruder. Die erste Begegnung am Flughafen verspricht für einen kurzen Moment Romantik, doch dann wird sofort klar: Hier treffen zwei Zyniker aufeinander, die sich nur über den gemeinsamen Umweg ihrer Neurosen näherkommen. Doch geteilter Nihilismus – „Ich glaube, es gibt niemanden für keinen“ – taugt mitunter zur Basis für eine Romanze. Außerdem gilt die alte Faustregel: In Romantic Comedys sind es immer die unwahrscheinlichsten Unwahrscheinlichkeiten, die das perfekte Paar zusammenführen. „Destination Wedding“ bleibt dabei gleich doppelt konsequent: Beiden Figuren sind die einzigen Sprechrollen des Films und dürfen sich und uns ihre mehr oder weniger unsympathische Seele vor sommerlicher Landschaft ungeniert zur Schau stellen. Das ist nicht völlig ohne Komik. Und niemals frei von Ironie, weil sich beide Darsteller nicht allzu ernst nehmen: Winona Ryder (zuletzt in der Serie „Stranger Things“) geht dabei durchaus mit feiner Schauspielklinge an den unterschiedlich guten Wortwitz und seltsame Situationen heran. Keanu Reeves hingegen setzt auf mimische Monotonie. Mit einem einzigen Gesichtsausdruck im Repertoire wird jede Szene ein Glücksspiel. Das weckt Erinnerungen an seinen legendär lachhaften Auftritt in Francis Ford Coppolas „Dracula“ (1992). Auch damals machte ihm Ryder schöne Augen.

Der Grat zwischen Selbstironie und Peinlichkeit ist schmal. Leider landet die von Victor Levin geschriebene und in Szene gesetzte Komödie zu oft auf der falschen, der unfreiwillig komischen Seite.


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