Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.09.2018


Oscar 2019

Brisante Waldheim-Doku ist Österreichs Oscar-Kandidat

„Waldheims Walzer“ von Ruth Beckermann wird ins Rennen geschickt.

© AFPRegisseurin Ruth Beckermann gewann mit "Waldheims Walzer" bei der Berlinale im Februar den Preis für die beste Doku.



Wien — Österreich geht 2019 mit Ruth Beckermanns Dokumentar-Essay „Waldheims Walzer" ins Rennen um den Auslands-Oscar. Das hat die vom FAMA (Fachverband der Film- und Musikindustrie) einberufene Jury aus Filmwirtschaft und Filmschaffenden entschieden.

Man habe sich für ein Werk entschieden, das Bezug zur jüngeren österreichischen Vergangenheit aufweise. Beckermann thematisiert in „Waldheims Walzer" die Ereignisse des Bundespräsidentschaftswahlkampfs 1986, in dem der Disput um Kurt Waldheim zum Brennpunkt für die Vergangenheitsbewältigung der Republik wurde. Die Regisseurin verbindet Aufnahmen von den Demos im Jahr 1986 mit internationalem Archivmaterial.

Nun heißt es für alle Beteiligten warten: Erst am 22. Jänner wird bekannt gegeben, welche Werke es auf die Liste der tatsächlich für den Auslands-Oscar nominierten Filme geschafft haben. Sollt­e Beckermanns Essay dies gelingen, gilt es dann am 24. Februar 2019 die Daumen zu drücken, wenn die 91. Oscars im Dolby Theatre von Hollywood verliehen werden.

„Waldheims Walzer" hatte im Februar bei der Berlinale seine Weltpremiere gefeiert und den Preis für den besten Dokumentarfilm erhalten. Regisseurin Ruth Beckermann fand damals klare Worte. „Es ist ein Film, der zeigt, wie man mit Populismus, Anti­semitismus und Rassismus Wahlen gewinnen kann", sagte Beckermann. Und weiter: „Ich muss sagen, ich freue mich natürlich über diesen Preis und den Erfolg, aber es ist schon ein Wermutstropfen dabei, dass etwas, das vor 30 Jahren passiert ist, heute so aktuell ist. Nicht nur in Österreich und Europa, sondern in der ganzen westlichen Welt."

Kinostart für "Waldheims Walzer" ist am 5. Oktober.

Neuer Donnersmarck-Film mit verhaltenem Echo aufgenommen

Deutschlands Kandidat für den Auslands-Oscar, der Film „Werk ohne Autor" von Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck (45), wurde indessen gestern beim Filmfestival in Venedig erstmals gezeigt und etwas verhalten aufgenommen.

Der Film erzählt von einem Künstler, der zur NS-Zeit aufwächst, im SED-Regime erste Erfolge feiert und nach seiner Flucht schließlich in Westdeutschland einen Neuanfang wagt. Dabei sind Parallelen zum Leben des Malers Gerhard Richter (86) zu erkennen. Die Hauptfigur wird von Tom Schilling verkörpert.

Henckel von Donnersmarck hatte gleich mit seinem Spielfilmdebüt einen großen Erfolg gefeiert: Das Stasi-Dram­a „Das Leben der Anderen" wurde im Jahr 2007 mit dem Auslands-Oscar ausgezeichnet.(APA. dpa, TT)


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