Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.10.2018


Film und TV

Filmnachwuchs beweist Talent

Das Musikvideo zu Leyyas „Wannabe“ wurde – wie schon Conchitas „Heroes“ – vom Tiroler Matthias Helldoppler in Szene gesetzt.

© Cinema NextDas Musikvideo zu Leyyas „Wannabe“ wurde – wie schon Conchitas „Heroes“ – vom Tiroler Matthias Helldoppler in Szene gesetzt.



Innsbruck – Wer der Kategorie „Junges Kino aus Österreich“ bloß eine halbgare Begabung zutraut, die erst durch Vorführungen vor nachsichtigem Publikum zu ernstzunehmender Glaubwürdigkeit heranschmoren muss, irrt gewaltig. Die Beiträge jener Filmschaffenden, die in der beliebten Reihe Cinema Next bereits seit acht Jahren österreichweit gezeigt werden, beweisen nämlich das Gegenteil: Ob Experimental-, Scifi-, Spielfilm oder Musikvideo, die Ideen sind ausgereift, kinotauglich und überzeugen auch dank einer breiten inhaltlichen Palette, die von politischem Engagement bis zu bunter und kluger Unterhaltung reicht. So wird im Rahmen der Tour in Linz, Graz, Wien, Salzburg und Innsbruck stets regionales Schaffen auf die Leinwand geholt und mit jenem aus Restösterreich vermischt. Bei der Innsbrucker Etappe im Cinematograph am vergangenen Mittwoch umfasste das Programm folgende Shorties von Macherinnen und Machern aus Tirol: Maria Otters kreisendes Musikvideo zu „November Leaves“ von James Choice & The Bad Decisions, Magdalena Salners schräges jazziges Experiment „Chocolate flavoured red wine“ oder die hass-liebende Huldigung des weiblichen Zyklus als augenzwinkerndes Heldinnenepos „Periode 28“, übrigens mit Serles-Gipfel im Hintergrund, von Annika Müller und Alexander Tank. Für den Titel „Wannabe“ der vielversprechenden Band Leyya stand der Tiroler Matthias Helldoppler hinter der Kamera, der sich spätestens mit Conchita Wursts „Heroes“ einen Namen machen konnte. Joshua Jàdis Doku „Sunday 11 a.m.“ über muslimische Flüchtlinge, die zu einer apostolischen Kirche konvertieren und Leni Grubers beim Linzer Crossing Europe-Festival ausgezeichneter „Schneemann“ waren zwei weitere Programmpunkte. Ebenso wie Christoph Schwarz’ „CSL“, amüsant verstrickter Film über – Vorsicht, Verwirrung – einen Film über die Freundschaft zweier gleichnamiger Google-Nachbarn. Kurzum: Die Reihe Cinema Next zeigt, wie gut junges österreichisches Kino ist. Der nächste Termin folgt im Mai 2019.