Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.11.2018


Kino

“Verliebt in meine Frau“: Im Netz aus Begierde und Obsession

In „Verliebt in meine Frau“ spielt Daniel Auteuil einen Spießer, der sich in seinen Fantasien verliert.

Als geträumte Sommergäste auf Ibiza: Sandrine Kiberlain, Daniel Auteuil und Gérard Depardieu.

© LunaAls geträumte Sommergäste auf Ibiza: Sandrine Kiberlain, Daniel Auteuil und Gérard Depardieu.



Innsbruck – Mit einem dicken Manuskript unter dem Arm und begleitet von Jazz-Manouche-Musik, was dem Ganzen die Leichtigkeit eines Woody-Allen-Filmes verleiht, schlendert der Verleger Daniel (Daniel Auteuil) durch die Straßen von Paris, als ihn Patrick (Gérard Depardieu) beinahe umwirft. Der Koloss sprüht vor Energie, er breitet die Wonnen neuer erotischer Erfahrungen aus, weshalb Daniel unbedingt – vielleicht bei einem Abendessen zu viert – Patricks neue Partnerin kennen lernen muss.

Das ist eine heikle Mission, denn Patrick war zuvor mit der besten Freundin von Daniels Ehefrau Isabelle (Sandrine Kiberlain) verheiratet, seither ist dem Verleger jeder Kontakt mit dem untreuen Verräter verboten. Doch die Neugier siegt, Patrick darf Emma (Adriana Ugarte), die seine Tochter, wenn nicht gar Enkelin sein könnte, dem skeptischen Ehepaar vorstellen. Kaum hat die aus Spanien stammende junge Frau den Raum betreten, erkennt Isabelle in ihr die Prostituierte, beginnt Daniel zu stammeln. Emma enttäuscht weder Vorurteile noch bange Hoffnungen und lässt ihr Designerkleid fallen. Allerdings sehen die anderen nur Daniels Verwirrung und greifen zum Champagner. Zwischen Vorspeise (Spargel) und Dessert (Windbeutel) verliert sich Daniel endgültig im Netz aus Begierden und Obsessionen.

Bereits 1898 veröffentlichte Pierre Louys seinen Roman „La femme et la pantin“ („Die Frau und der Hampelmann“). Die erotische Fantasie verführte im 20. Jahrhundert einige der großen Regisseure zu unterschiedlichen Interpretationen, die neben den Verleihtiteln viel von der jeweiligen Entstehungszeit erzählen. Josef von Sternbergs Adaption mit Marlene Dietrich kam 1935 ebenso wie jene Julien Duviviers von 1959 mit Brigitte Bardot als „Der Teufel ist eine Frau“ in die Kinos. Möglicherweise inspirierte dieser Irrglaube Luis Buñuel in seiner Version 1978 zur Besetzung der Verführerin mit zwei Darstellerinnen (Angela Molina und Carole Bouquet) und dem Titel „Das obskure Objekt der Begierde“.

Daniel Auteuil hat sich für seine vierte Regiearbeit Buñuels surrealistischen Abgesang auf das Bürgertum genau angesehen, verzichtet aber auf subversive Elemente zugunsten einer leichten Boulevardkomödie. Dazu gehören auch kleine Ausflüge nach Barcelona, Ibiza und Venedig, wo ältere Herren mit jungen Frauen kein Aufsehen erregen. Bedauerlicherweise weiß Auteuil in „Verliebt in meine Frau“ zwischen den geträumten Ausschweifungen mit seinen Co-Stars nicht viel anzufangen. Immerhin ist Gérard Depardieu auf einem Fahrrad zu sehen. (p. a.)