Letztes Update am Do, 29.11.2018 15:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Film und TV

ORF-Publikumsrat: Volksgruppen-Sendungen auch nach 7 Tagen offline

Die derzeitige gesetzliche Regelung sieht vor, dass der ORF seine Inhalte nur sieben Tage lang in der TVThek zeigen darf. Ausnahmen gibt es für Inhalte, die für den Schulunterricht geeignet sind. Nun gibt es eine Änderung.

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Wien – Auch die Minderheiten-Programme des ORF auf Slowenisch, Kroatisch und Co. muss der öffentlich-rechtliche Sender nach sieben Tagen aus der TVthek löschen. Der Volksgruppen-Vertreter im ORF-Publikumsrat, Josef Buranits, hat dafür kein Verständnis, wie er in der Sitzung am Donnerstag sagte. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz schloss sich der Forderung nach einem Volksgruppen-Archiv an.

Wrabetz befürwortete eine Änderung des ORF-Gesetzes in diesem Punkt. Dass der ORF seine Sendungen nach sieben Tagen wieder verschwinden lassen muss, berücksichtige die nonlineare Nutzung nicht entsprechend. „Es wäre sinnvoll, wenn wir im ORF-Gesetz die Möglichkeit bekommen“, sagte Wrabetz.

Kommunikationswissenschafter Matthias Karmasin schlug vor, ein Schlupfloch in der 7-Tage-Regelung zu nutzen. Ein Archiv „Geschichte der Volksgruppen“ wäre auch jetzt schon möglich, so Karmasin. Der ORF dürfe historisch relevante Inhalte – unter anderem für den Geschichtsunterricht – auch länger online halten.

Die derzeitige gesetzliche Regelung sieht vor, dass der ORF seine Inhalte nur sieben Tage lang in der TVThek zeigen darf. Ausnahmen gibt es für Inhalte, die für den Schulunterricht geeignet sind, im Rahmen des Projekts „ORF-TVthek goes school“.

Volksgruppen laut Wrabetz auch künftig berücksichtigt

Buranits sagte, dass insbesondere Jugendliche immer Zugriff auf ihre Programme haben wollen. „Hier dürfen wir den Anschluss nicht verlieren.“ Wrabetz sagte zu, dass die Volksgruppen auch in der künftigen nonlinearen „Player“-Strategie berücksichtigt werden.

Ideen und Wünsche, wie das Minderheiten-Programm ausgebaut werden könnte, gab es in der Sitzung viele. Am lautesten war der Ruf nach einem Kinderprogramm in den Sprachen der Volksgruppen. Per Empfehlung forderte der Publikumsrat zudem eine wöchentliche, halbstündige Sendung über alle sechs autochtonen Volksgruppen auf ORF III.

Einsparungen statt Ausbau

Wrabetz erteilte den Ausbauwünschen eine Absage. „Wir haben derzeit ein Einsparungsprogramm“, insofern gehe es darum, das zu verteidigen, was es gibt. 2019 gebe es im Programmschema keine Änderung gegenüber 2018, was die Volksgruppen-Sendungen betrifft. Das ORF-Budget für nächstes Jahr, das erstmals die neuen Channel-Strukturen berücksichtigt, soll am 13. Dezember vom Stiftungsrat beschlossen werden.

Walter Famler, der für „Jetzt“ (vormals Liste Pilz) im Publikumsrat sitzt, lieferte sich in der Sitzung am Donnerstag zwei hitzige Debatten mit freiheitlichen Vertretern. Erster Anlass war das Mail aus dem Innenministerium, in dem die Landespolizeidirektionen „angeregt“ wurden, die Kommunikation mit bestimmten Medien auf „das nötigste (rechtlich vorgesehene) Maß zu beschränken“. Famler forderte hier eine klare Stellungnahme des Publikumsrates. FPÖ-Vertreterin Barbara Nepp verwies auf das Auskunftspflichtgesetz. Im zweiten Fall ging es um das „Wir sind mehr“-Konzert gegen Rassismus im deutschen Chemnitz, das FM4 live übertrug. Hier störte sich Georg Watschinger, der ebenfalls der FPÖ zuzuordnen ist, an den Liedtexten der Band K.I.Z.

Darüber hinaus verabschiedete der Publikumsrat eine Empfehlung, die die Geschäftsführung auffordert, „mit geeigneten Maßnahmen sowohl die Zugänglichkeit der ORF-Angebote für Menschen mit Behinderung als auch die Darstellung von Menschen mit Behinderung in den Programmen des ORF weiterzuentwickeln“. (APA)