Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.12.2018


“Vorstadtweiber“

Zuckersüßes Nichtstun auf hochhackigem Niveau

Zum Drehschluss der vierten Staffel: Neue und arrivierte „Vorstadtweiber“ plaudern aus dem üppigen Nähkästchen.

Maria Köstlinger, Martina Ebm, Nina Proll und Hilde Dalik (von links) steigen nun ohne Gerti Drassls „Maria“ in den Vorstadt-Ring.

© ORFMaria Köstlinger, Martina Ebm, Nina Proll und Hilde Dalik (von links) steigen nun ohne Gerti Drassls „Maria“ in den Vorstadt-Ring.



Von Bernadette Lietzow

Wien – Kalt ist es in Wien, noch kälter ist es in Kaisermühlen, wo in einem beliebten Restaurant am Ufer der Alten Donau die letzten Meter Film der vierten Runde des ORF-Quotenhits „Vorstadtweiber“ abgedreht werden. Bevor es ins Warme geht, erfreut ein liebestrunkener Phil Collins die eisigen Ohren der etwas spärlich erschienenen Pressevertreter. „One More Night“ gleichsam zum Frühstück als perfekte Einstimmung auf ein paar kleine Gespräche mit bekannten Regentinnen der noblen Wiener Cottage und ihren neuen Konkurrentinnen im Kampf um Strahlemänner und Sexappeal.

Auf Eierlikör und Malakofftorte aus dem Waffenarsenal des wohl lässigsten Vorstadtweibs muss man bedauerlicherweise nun ganz verzichten: Maria Schneider bleibt in „Indien“, die Schauspielerin Gerti Drassl gab im Frühjahr den Rückzug aus der Serie bekannt. „Ich glaube, Gerti steht nicht so gern in der Öffentlichkeit“, kommentierte Nina Proll die Entscheidung ihrer nunmehrigen Ex-Kollegin.

Proll selbst hat da weniger Berührungsängste und zelebriert ihr „Nicoletta“-Image ganz gerne auch in seltsamen bis schrägen Wortmeldungen zu Geschlechterverhältnis und Alltagssexismus.

Ihre Figur wird in Staffel vier neuerlich um Integration in die Vorstadt-Society ringen und, abseits der Krimi-Verstrickungen, einige harte familiäre Nüsse zu knacken haben. „Es sind die emotionalen Szenen, die mich beim Spielen interessieren“, betont Proll und gesteht, dass sie mit Krimis weniger anfangen kann.

Da Sex und Crime in der Serie Geschwister sind, hat Drehbuchautor Uli Brée wieder für eine besonders illustre Leiche gesorgt, in deren Schlepptau einige bemerkenswerte Damen in Erscheinung treten. Andrea Eckert ist eine davon und schwärmt von ihrer Rolle der „Greta Morena“, die als erfahrene ältere Frau in den Kreis der „Thirtysomethings“ von Wally (Maria Köstlinger) bis Caro (Martina Ebm), von Nicoletta bis Vanessa (Hilde Dalik) vorstößt.

„Diese Frau verweigert jegliche Art von Opferrolle, ist unbarmherzig mit sich und mit anderen und dazu noch unglaublich witzig!“, beschreibt Eckert ihre Figur und zeigt sich auch von den Dreharbeiten begeistert, die für sie, umgeben „von so coolen Frauen“, fast so etwas wie Erholung bedeuteten.

Mit Ruth Brauer-Kvam und der ehemaligen Salzburger Buhlschaft Brigitte Hobmeier bereichern weitere hochkarätige Schauspielerinnen die pralle Szenerie, in der man natürlich wieder auf das bekannte Männerpersonal von Hadrian (Bernhard Schir) bis Jörg Putschedl (Thomas Mraz) stößt und auf Neuzugänge wie Miguel Herz-Kestranek gespannt sein darf.

Ihr Serien-Debüt gibt auch Mirjam Unger. Die vor allem als Dokumentarfilmerin bekannte Regisseurin verantwortet im Abtausch mit Veteran Harald Sicheritz den zweiten Teil der neuen zehn Folgen. Sie nützt ihr dokumentarisches Auge dafür, „darauf zu schauen, dass kein rein künstlicher Kosmos entsteht und man den Charakteren glaubt“.

Im Herbst 2019 kann sich das Fernsehpublikum selbst ein Bild von „Vorstadtweiber 4“ machen.