Letztes Update am Fr, 07.12.2018 18:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Serien

„Dogs of Berlin“: Zweite deutsche Netflix-Serie startet in 190 Ländern

Nach „Dark“ setzt Netflix zum zweiten Mal auf eine deutsche Serie. In der brisanten Crime-Story von „Dogs of Berlin“ geht es um kriminelle Clans, Neonazis, Rassismus und soziales Elend in der deutschen Hauptstadt. Die Zielgruppe sind Zuschauer rund um den Globus.

© NetflixDie ungleichen Berliner Ermittler Kurt (Felix Kramer) und Erol (Fahri Yardim) müssen den Kampf gegen die Berliner Unterwelt aufnehmen. In ihrem ersten Fall suchen sie den Mörder eines deutsch-türkischen Fußball-Stars.



Berlin – Die deutsche Hauptstadt ist kein Pflaster für Sensibelchen. Die raue Seite Berlins zeigt eine ganze Reihe von Serien-Produktionen von der Clan-Story „4 Blocks“ bis zum 20er-Jahre-Krimi „Babylon Berlin“. Jüngst startete beim Streamingdienst Amazon Prime Video der in der Berliner Clubszene spielende Thriller „Beat“. Netflix setzt mit seiner zweiten deutschen Serie nach „Dark“ nun ebenfalls auf den Schauplatz Berlin: Die Crime-Story „Dogs of Berlin“ ist ab Freitag (7. Dezember) in 190 Ländern zu sehen.

Erster Fall mit hochaktueller Brisanz

„Dogs of Berlin“ mixt überzeugend derzeit angesagte Krimi-Zutaten mit gesellschaftspolitischer Relevanz: Neonazis, kriminelle Clans, im sozialen Elend aufwachsende Kinder, Rassismus und auseinanderdriftende Lebenswelten in einer abgerockten Hauptstadt. Helden der Serie sind zwei coole Ermittler. Der verschuldete Ost-Berliner Kurt Grimmer (Felix Kramer) mit zweifelhafter Vergangenheit und der schwule Deutsch-Türke Erol Birkan (Fahri Yardim) mit Kreuzberger Kiez-Erfahrung gehen ihren ersten gemeinsamen Fall mit reichlich persönlichem Ballast an.

Gemeinsam sollen die sich misstrauisch belauernden Cops den Tod eines prominenten Fußballspielers aufklären. Orkan Erdem, türkischstämmiger Topspieler der deutschen Nationalmannschaft, wird einen Tag vor der WM-Qualifikation gegen die türkische Mannschaft ermordet in einer Hochhaus-Siedlung in Berlin-Marzahn gefunden. Ein Finger wurde der Leiche abgeschnitten. Grimmer kommt an diesem Abend durch Zufall zum Tatort – in Badelatschen und mit Baby auf dem Arm. Und sofort wittert er die Chance, mit dem Fall auch seine privaten Probleme zu lösen.

Der Cast von "Dogs of Berlin".
- Netflix

Das Mordopfer war ein Aushängeschild für gelungene Integration. Polizeidirektor Seiler (Urs Rechn) entscheidet, dass der Mord auf keinen Fall vor dem Spiel bekanntwerden darf. „Wenn wir nicht aufpassen, haben wir ratzfatz einen Rassenkrieg an der Backe“, prophezeit Grimmer. Vor dem Fußballspiel kochen ohnehin die Emotionen hoch. Manche Türken nehmen es Erdem übel, dass er für die Deutschen spielt. Deutsche Rechtsextreme wollen nicht, dass ein türkischstämmiger Spieler der Star der Nationalmannschaft ist.

Ermittler Grimmer ist kein unbeschriebenes Blatt

Als Birkan zu den Ermittlungen stößt, haben er und sein Team gerade einen komplett aus dem Ruder gelaufenen Einsatz gegen einen berüchtigen Drogendealer-Clan hinter sich. Schnell stellt sich heraus, dass es zahlreiche Querverbindungen zwischen den Milieus und Sphären verschiedener krimineller Banden gibt. Etwas stereotyp gerät dabei die Darstellung von arabischstämmigen Berlinern als potenziellen Verbrechern und kriminellen Aufsteigern, Deutschen als dumpfen Neonazis und Osteuropäern als brutalen Mafiosi.

- Netflix

Grimmer nutzt die polizeiliche Aufklärungsarbeit zunächst allerdings vor allem für seine eigenen Zwecke. Er hat bei „ein paar harten Jungs“ immense Wettschulden. Weil er nicht zahlen kann, ist er ständig auf der Flucht und der Suche nach neuen Geldquellen. Grimmers Geliebte Bine (Anna Maria Mühe) lebt mit zwei vernachlässigten Kindern in prekären Verhältnissen und führt einen fatalen Kleinkrieg gegen eine Arbeitsagentur-Mitarbeiterin.

Zuhause bei seiner „echten“ Familie kämpft sich Grimmers Frau Paula (Katharina Schüttler) währenddessen allein durch den Alltag. Und der Kontakt zu Grimmers Mutter Eva (Katrin Sass) und Bruder Ulf (Sebastian Zimmler), beide überzeugte Anhänger der Rechtsextremen-Szene, erinnern den Ermittler ständig unangenehm an die eigene Vergangenheit.

Kein schlichtes Gut/Böse-Szenario

Regisseur und Drehbuchautor Christian Alvart („Tschiller: Off Duty“, „Antikörper“) lässt sich trotz schneller Szenenfolgen, viel Action und wechselnder Schauplätze durchaus Zeit für die Ausarbeitung seiner Charaktere. Und die spannende Figurenzeichnung ist es auch, die „Dogs of Berlin“ zu einer Crime-Story mit Sogwirkung macht. Die zehn, jeweils rund einstündigen Episoden bieten was die Hauptfiguren angeht kein schlichtes Gut/Böse-Szenario.

Die Cops haben Ecken und Kanten. Ihre schnoddrigen Figuren changieren zwischen Ironie, trotzigem Kampfgeist und existentieller Not. „Dogs of Berlin“ hat als TV-Serien-Unterhaltung alle Zutaten, um auch auf dem internationalen Markt zu reüssieren. (dpa)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Kino
Kino

Studie: Filme mit weiblichem Star erfolgreicher als mit männlichem

Unabhängig vom Produktionsbudget erzielten demnach Filme, in denen die führende Hauptrolle weiblich besetzt war, weltweit mehr Umsatz als Filme, in denen Män ...

Video
Video

Zu kurze Röcke: Indonesien verbietet Werbeclip einer Mädchenband

Die Medienaufsichtsbehörde hat jede weitere Ausstrahlung verboten, weil das Video nicht den „Anstandsnormen“ entspricht. Zuvor hatten mehr als 100.000 Leute ...

Film
Film

“Mortal Engines“: Rebellion gegen die Raubtiere

Nach einem Drehbuch der „Herr der Ringe“-Macher: Mit „Mortal Engines“ beweist sich Regiedebütant Christian Rivers als meisterhafter Handwerker.

Kinofilme
Kinofilme

Disney knackt die Sieben-Milliarden-Dollar-Marke

Die Studios des US-Unterhaltungsgiganten regierten das zu Ende gehende Kinojahr. Ein Ende des Erfolgslaufes ist nicht in Sicht.

Kino
Kino

,,Gegen den Strom“: Widerstand im Elfenland

Nach „Von Menschen und Pferden“ liefert Benedikt Erlingsson mit seinem Polit-Thriller „Gegen den Strom“ über den Ausverkauf Islands sein zweites Meisterwerk.

Weitere Artikel aus der Kategorie »