Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.01.2019


Innsbruck

PolitFilmFestival: Zurückgekommen, um zu bleiben

Unter neuer, verjüngter Führung soll sich die Filmschau in Innsbruck wieder etablieren. Drei Dokus plus Diskussion an drei Abenden.

Die neuen Gesichter des PolitFilmFestivals: Daniel Dlouhy und Bettina Lutz starten mit einem Budget von 9000 Euro.

© SchramekDie neuen Gesichter des PolitFilmFestivals: Daniel Dlouhy und Bettina Lutz starten mit einem Budget von 9000 Euro.



Innsbruck – Das PolitFilm-Festival ist zurück aus der Versenkung. Nach drei Jahren Pause findet die Filmschau vom 14. bis 16. Jänner wieder im Innsbrucker Leokino statt. Dort präsentierte gestern das neue Team sein Programm (www.politfilmfestival.at).

Die Gründer des Festivals anno 2001, Thomas Pupp und Josef Wolf, beide inzwischen deutlich jenseits der 50, waren persönlich zugegen. Sie legten ihre Erfindung – unter Verabreichung von allerlei Dankesworten – in die jüngeren Hände von Daniel Dlouhy (35) und Bettina Lutz (31). Gewesene und aktuelle Verantwortliche waren sich einig: Die Veranstaltung soll künftig wieder alljährlich stattfinden. 9000 Euro beträgt das Budget. „Das geht für Filmrechte und Reisekosten drauf“, so Festivalleiter Dlouhy. „Uns bleibt davon nichts.“

„Fake Politics“ lautet der Titel des diesjährigen – von fünf auf drei Abende geschrumpften – Filmreigens: Wann also verlässt die Politik den Boden der Tatsachen, ab wann tischt sie Lügen auf? „Wir als Bürger sollten genau nachfragen, ob sich Sachverhalte wie die Migrationsfrage wirklich so verhalten, wie sie dargestellt werden“, formulierte Dlouhy seine Wunschvorstellung.

Mit Pflastersteinen als Sujet wird die Veranstaltung auf Plakaten und Flyern beworben. Eine Darstellung, die in Zeiten, da bei Protesten wie zuletzt in Paris Pflastersteine fliegen, missverstanden werden könnte. „Wir rufen natürlich nicht zu Gewalt auf“, betonte Dlouhy. Er versteht die Werbemittel als „Stein des Anstoßes“ dafür, Dingen auf den Grund zu gehen. „,Unter den Pflastersteinen befindet sich der Strand‘ war schon ein Slogan der 68er-Bewegung in Paris“, sagt Dlouhy.

Drei Dokus werden als Basis für die nachfolgende Diskussion mit Experten aufgeboten. Am 14.1. (Beginn ist stets 19.30 Uhr) macht „Montags in Dresden“ den Anfang, das filmische Porträt von drei Mitgliedern der Pegida-Bewegung, die gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straßen geht. Unter den Diskutanten wird ein Ex-Mitglied der Neonazi-Szene sein.

Tags darauf ist „Weiner“ zu sehen – die Story eines Kandidaten für das Amt des New Yorker Bürgermeisters. Er stolperte über anzügliche Fotos, die er versehentlich über soziale Medien verbreitete.

Das Festival endet am 16.1. mit „Slut or Nut“. Dies ist die Geschichte der kanadischen Studentin Mandi Gray, die vergewaltigt wurde. Ihr Peiniger entging aufgrund eines Formalfehlers der Haft. Gray wird persönlich anwesend sein, ebenso #Metoo-Aktivistin Nicola Werdenigg. (mark)




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