Letztes Update am Do, 31.01.2019 13:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Dokumentarfilm

War Michael Jackson ein Kinderschänder? Regisseur verteidigt Doku

Die Gerüchte, er habe Kinder sexuell missbraucht, reißen auch knapp zehn Jahre nach Michael Jacksons Tod nicht ab. Die Dokumentation „Leaving Neverland“ gießt erneut Öl ins Feuer. Jetzt kontert der Regisseur die Kritik an seiner Arbeit.

Michael Jackson war des sexuellen Missbrauchs angeklagt - wurde aber freigesprochen. Gegen die Vorwürfe in der Doku kann sich Jackson selbst nicht mehr wehren – er ist seit knapp zehn Jahren tot.

© dpaMichael Jackson war des sexuellen Missbrauchs angeklagt - wurde aber freigesprochen. Gegen die Vorwürfe in der Doku kann sich Jackson selbst nicht mehr wehren – er ist seit knapp zehn Jahren tot.



Park City – Die Doku „Leaving Neverland“ feierte am Freitag beim Sundance Film Festival Premiere. Seither reißt die Diskussion um den Inhalt nicht ab. Nach der scharfen Kritik von Nachlassverwalter, Familie und Fans des 2009 verstorbenen Superstars Michael Jackson verteidigt Regisseur Dan Reed nun seinen Film.

„Es handelt sich um einen vierstündigen Dokumentarfilm eines Dokumentarfilmers mit langjähriger Erfahrung im Recherchieren und dem Erzählen komplexer Geschichten – und das ist eine komplexe Geschichte“, erklärt Reed im Gespräch mit „The Hollywood Reporter“.

Den konkreten Vorwurf, das Werk sei ein „Anschlag nach Art der Boulevardpresse“, kontert er: „Ich würde sagen, es ist zweifelsohne eine Dokumentation (...) Ein vierstündiges Werk, ist das Boulevard?“

Die einstige "Neverland-Ranch" - heute steht sie zum Verkauf.
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- dpa

„Kein Film über Michael“

Er habe Jackson im Film nicht abgestempelt oder kommentiert. Vielmehr sei es eine Geschichte über zwei Familien, wobei Jackson ein Element dieser Story sei. Es sei gar „kein Film über Michael“, sagt Reed, wenngleich der Filmtitel „Leaving Neverland“ dann doch eindeutig auf das einstige, „Neverland-Ranch“ genannte Anwesen Jacksons Bezug nimmt. „Der Film ist ein Bericht über sexuellen Missbrauch, wie sexueller Missbrauch passiert und welche Konsequenzen sich später im Leben daraus ergeben“, so Reed weiter.

Im Film berichten zwei heute erwachsene Männer über ihre Beziehung zum King of Pop in den 1980er-Jahren. Choreograf Wade Robson, heute 36, behauptet, im Alter von sieben bis 14 Jahren von Jackson missbraucht worden zu sein und beschreibt den angeblichen Missbrauch bis ins kleinste Detail. Der andere Mann, der heute 40-jährige James Safechuck, der als Kind mit Jackson für einen Werbeclip vor der Kamera stand, behauptet in „Leaving Neverland“, von dem Sänger ab dem Alter von zehn Jahren sexuell missbraucht worden zu sein. Auch diese Geschichte wird laut „The Hollywood Reporter“ detailliert erzählt.

Familie wehrt sich

Michael Jacksons Familie veröffentlichte bereits am Montag eine Erklärung: „Wir können bei diesem öffentlichen Lynchen durch Leichenfledderer und andere, die Michael nie getroffen haben, nicht einfach so zusehen.“ Der Film greife 20 Jahre alte und unbestätigte Anschuldigungen auf, behandle diese jedoch als Tatsache, so die scharfe Kritik.

Michael Jackson ist sogar posthum noch einer der erfolgreichsten Künstler aller Zeiten. Ab Mitte der 1990er-Jahre war er mit Vorwürfen des Kindesmissbrauchs konfrontiert. Ein Ermittlungsverfahren wurde 1994 eingestellt. In einem späteren Prozess wurde Jackson 2005 in allen Anklagepunkten von den Geschworenen einstimmig freigesprochen. Nicht unerheblich ist, dass sowohl Robson als auch Safechuck in dem Prozess noch zu Gunsten Jacksons ausgesagt hatten. Erst nach dem Tod des Sängers zogen sie ihre Aussagen zurück und forderten – erfolglos – Schmerzensgeld von umgerechnet 1,5 Milliarden Euro.

Michael Jackson starb am 25. Juni 2009 in Los Angeles an einer akuten Narkosemittel-Vergiftung. Sein damaliger Arzt, Conrad Murray, wurde 2011 wegen fahrlässiger Tötung zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. (TT.com)