Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 03.02.2019


Film und TV

Ronaldo und der falsche Flüchtling

In der filmischen Satire „Diamantino“ wird Weltfußballer Cristiano Ronaldo durch den Kakao gezogen.

Carloto Cotta in der Rolle von Fußball-Promi Diamantino. Die optische Ähnlichkeit mit Cristiano Ronaldo ist eher kein Zufall.

© StadtkinoCarloto Cotta in der Rolle von Fußball-Promi Diamantino. Die optische Ähnlichkeit mit Cristiano Ronaldo ist eher kein Zufall.



Innsbruck – Cristiano Ronaldo ist ein Fußball-Promi, der ebenso viele Fans wie Gegner hat. „Diamantino“ macht ihn nun zur Hauptfigur einer recht unverhohlenen Satire, als narzisstisches Unterwäsche-Model, das von der Welt abseits des Fußballs keine Ahnung hat.

Der Name von Titelheld Diamantino ist angelehnt an die portugiesische Fußball-Legende der 80er, Diamantino Miranda. Im Film ist er, herrlich gespielt von Carloto Cotta, im Grunde ein herzensgutes großes Kind, das seine Geschichte in naivem Voice-Over erzählt. Am Platz schwebt er als Michelangelo des runden Leders elegant durch die Reihen seiner Gegner. Die stellt er sich als riesige flauschige Hundewelpen vor und das verlangsamte Spielgeschehen ist in rosarote Wolken gehüllt.

Hier beginnt der schräg-phantastische Charme des Films. Die Absurdität setzt sich in der Handlung fort. Diamantinos geliebter Vater stirbt just in dem Moment, als der berühmte Sohn den entscheidenden Elfmeter des WM-Finales versemmelt und Diamantinos Magie ist damit dahin.

Die beiden geldgierigen Zwillingsschwestern übernehmen das Management ihres verwöhnten Brüderchens und verkaufen seine Gene an ein Geheimprojekt der Regierung. Die plant aus dem Nationalhelden eine ganze Mannschaft zu klonen, um den Patriotismus der Portugiesen für einen EU-Austritt zu mobilisieren. Diamantino will unterdessen einen afrikanischen Flüchtling adoptieren. Hier trifft die Satire die Kinderwünsche und Steuerhinterziehungen des echten Ronaldo. Die Polizistin Aisha schleust sich für Ermittlungen als falscher Flüchtling Rahim bei Diamantino ein.

Die Regisseure Gabriel Abrantes & Daniel Schmidt bringen zudem ein queeres Element in den Film: Diamantinos männlicher Wunderkörper verändert sich unter dem Einfluss der Klon-Versuche und Rahim/Aisha ist hin- und hergerissen zwischen dem gewandelten Schönling und ihrer Geliebten.

Der Debütfilm der beiden amerikanisch sozialisierten Filmemacher gewann in Cannes den Grand Prize der Semaine de la Critique und war seitdem ein kurioser Festivalhit von Toronto bis zur Viennale. Der Genre-Mix ist als Satire unkonventionell bissig. 92 Minuten wahnwitziger Fußball-Zauber im Kino (Innsbruck: Leo und Cinematograph). (maw)