Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 07.02.2019


Kino

,,Lego Movie 2“: Baust du noch — oder spielst du schon?

Auch das zweite „Lego Movie“ besticht durch ironisch zusammengesetzte Gag-Bausteine.

Spielerischer Umgang mit stereotypen Spielzeugrollenbildern: der megamaskuline Grantler Rex und der vermeintlich verweichlichte Held Emmet Brickowski.

© WarnerSpielerischer Umgang mit stereotypen Spielzeugrollenbildern: der megamaskuline Grantler Rex und der vermeintlich verweichlichte Held Emmet Brickowski.



Innsbruck – Im Lego-Universum gab es immer schon die, die bauen, und die, die spiele­n. Als Hollywood die Plastiksteine des dänischen Weltkonzerns 2014 für sich entdeckte, fand beides auf der Leinwand zusammen. Die vier Zentimeter großen Figürchen wurden zu Protagonisten im eigenen Konstruktions-Abenteuer.

Die Fortsetzung des erfolgreichen „Lego Movie“ baut nun souverän an dieser Idee weiter. Bauarbeiter Emmet Brickow­ski (im Original gesprochen von Chris Pratt) singt immer noch „Everything is Awesome“ – und muss erneut lernen, dass seine Pseudo-Idylle bedroht ist.

Nachdem im Prolog die Lego-Welt durch die Monster vom Planeten Duplon vernichtet wurde, finden sich Emmet und Co-Heldin Lucy (Elizabeth Banks) in einer postapokalyptischen Plastik-Welt wieder. Die stellt wunderbar den Film „Mad Max: Fury Road“ nach – und ist nur eine von zahllosen Anspielungen auf die popkulturelle Gegenwart.

Der Plot baut erneut auf der doppelten Perspektive von Spielzeug und Spielenden auf: Die Duplo-Angriffe und die Entführung von Lucy in das „Systar System“ sind die Folge von kindlichen Eingriffen von außen. In der Wirklichkeit hat nun auch das jüngste Familienmitglied die bunten Plastiksteine für sich entdeckt – und spielt nach seinen Regeln.

Der Schmäh mit der menschlichen Meta-Ebene machte den Charme des ersten Lego-Films aus. Und er funktioniert auch in der Fortsetzung. Er wird allerdings weniger hintersinnig durchgespielt.

Aus der Mikro-Perspektive kämpfen sich die Lego-Figuren durch wilde Action-Sequenzen und beweisen sich in selbstreferenziellen Musical-Einlagen. Mitunter wirkt die Hatz von Gag zu Gag ermüdend.

Da hilft es, dass die Produzenten der filmischen Lego-Welt offenbar mehr Gespür für politisch zeitgemäße Figuren haben als der Lego-Konzern. Die Kulturkritikerin Anita Sarkeesian lieferte auf Youtube schon seit Längerem unterhaltsam-treffende Analysen der eindimensionalen Rollenbilder, die durch das populäre Spielzeug vermittelt werden. Und auch der neue Legofilm widmet sich – wie schon sein Vorgänger – dem Problem: Diesmal trifft der „verweichlichte“ Emmet auf sein quasi megamaskulin toxisches Alter Ego Rex Dangervest und Lucy steht Königin Watevra Wa’Nabi (Tiffany Haddish) gegenüber. Den Autoren Phil Lord und Christopher Miller ist es erneut gelungen, auch Erwachsenen Stoff zum Nachdenken zu liefern. Die Regie haben Lord und Miller bei „The Lego Movie 2: The Second Part“ in die animationserfahrenen Hande von Mike Mitchell („Shrek Forever After“) gegeben, der ihr Drehbuch in einen kurzweilig-soliden Animationspaß verwandelt hat. (maw)