Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.02.2019


Film und TV

Aufregung mit Ankündigung: “Elisa y Marcela“ bei der Berlinale

Kinobetreiber fordern den Ausschluss eines Netflix-Films aus dem Berlinale-Wettbewerb. Alles deute darauf hin, dass „Elisa y Marcela“ nicht regulär ins Kino komme, schreiben 160 Kinobetreiber.

null

© Netflix/QUIM VIVES



Berlin – Dieter Kosslick hat es vorausgesagt. Seine Entscheidung, die spanische Netflix-Produktion „Elisa y Marcela“ von Isabel Coixet zum Wettbewerb um den Goldenen Bären einzuladen, werde für Debatten sorgen, sagte der scheidende Festivaldirektor. Er sollte Recht behalten: Gestern haben deutsche Kinobetreiber den Ausschluss des Films aus dem Preisrennen gefordert. Alles deute darauf hin, dass „Elisa y Marcela“ nicht regulär ins Kino komme, schreiben 160 Kinobetreiber in einem Brief an die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Kosslick hatte sich vor Festivalstart von Netflix versichern lassen, dass „Elisa y Marcela“ in Spanien ins Kino kommt. Daran habe sich bislang nichts geändert, erklärte eine Sprecherin des Festivals gestern auf Nachfrage. Die Premiere von „Elisa y Marcela“ ist für morgen Mittwoch angesetzt.

Der Protest der deutschen Kinobetreiber wird vom internationalen Dachverband der Arthouse-Kinos CICAE, dem auch das Innsbrucker Leokino angehört, unterstützt. Die Berlinale stehe an einer Weggabelung, so CICAE-Präsident Detlef Rossmann gestern: „Das Festival muss sich entscheiden, ob es Filmfestival sein will oder zum TV- oder Plattform-Festival werden möchte.“

Streamingdienste produzieren und vertreiben immer mehr Filme. Ob diese sich auf Festivals präsentieren sollen, wird derzeit hitzig diskutiert. Manche Anbieter – allen voran Netflix – halten sich nicht an etablierte Verwertungsmodelle. Beim Filmfestival in Cannes setzten Frankreichs Kinobesitzer daher durch, dass Filmen ohne Absicht einer Kinoauswertung auch der Wettbewerb verwehrt bleibt. In Venedig dagegen gewann der Netflix-Film „Roma“ gar den Goldenen Löwen. Der Protest italienischer Kinobetreiber, die um ihre Geschäfte fürchten, blieb unerhört.

In der vergangenen Woche wurde öffentlich, dass die Zahl der Kinobesucherinnen und -besucher 2018 im Vergleich zu den Vorjahren sowohl in Deutschland als auch in Österreich drastisch gesunken ist. Ein Zusammenhang mit den steigenden Streaming-Zahlen liegt nahe. (jole, dpa)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

Ottfried Fischer in einer Szene des Otto-Neururer-Films.Film und TV
Film und TV

Wider das Vergessen: Film über von Nazis getöteten Oberländer Pfarrer

In “Otto Neururer - Hoffnungsvolle Finsternis“ geht es um das Schicksal des Götzener Pfarrers und seine grausame Ermordung durch die Nazis im Konzentrationsl ...

Im Dolby Theatre wird für die Oscar-Gala aufgebaut. Am Dienstagabend war die Abstimmung zu Ende.Oscars 2019
Oscars 2019

Oscar-Stimmzettel werden ausgezählt, Queen rockt die Show

Kein Moderator, dafür Dutzende Stars werden am Sonntag durch die Oscar-Gala führen. Wer am Ende mit einer Trophäe nach Hause gehen wird, bleibt bis zum Schlu ...

Julia Jentsch und Nicholas Ofczarek.Film und TV
Film und TV

Sky-Thrillerserie „Der Pass“ bekommt zweite Staffel

Die in Österreich erfolgreichste deutschsprachige Sky-Eigenproduktion „Der Pass“ bekommt eine zweite Staffel. Der Drehstart ist für den kommenden Winter gepl ...

Eine Reise in den archaischen Norden des Irans: Behnaz Jafari, Marziyeh Rezaei und Jafar Panahi in „Drei Gesichter“.Film und TV
Film und TV

„Drei Gesichter“: Die Verzweiflung der Frauen

In seinem neuen Film „Drei Gesichter“ erzählt der mit Berufsverbot belegte Regisseur Jafar Panahi von den Repressionen des iranischen Regimes gegen Frauen.

Die in Innsbruck lebende Versicherungsmaklerin Sandra Harloff verzweifelte an der 200-Euro-Frage. Am Ende fuhr sie mit immerhin 8000 Euro mehr in der Tasche wieder nach Hause.Wer wird Millionär
Wer wird Millionär

Wahl-Innsbruckerin verbriet bei Jauch zwei Joker bei 200-Euro-Frage

Kollektives „Auf-dem-Schlauch-Stehen“ war am Montagabend bei Günther Jauch angesagt. Auf dem Weg zum Millionär gerieten gleich zwei Kandidaten recht früh ins ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »