Letztes Update am So, 24.02.2019 13:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Oscars 2019

Von Favoriten und Außenseitern: Wer auf einen Oscar hoffen kann

Räumt der Netflix-Film „Roma“ bei den Oscars ab? Bekommt Lady Gaga eine der goldenen Statuen? Das Rennen um die Academy Awards war lange nicht mehr so offen.

Oscars aus roten Rosen: Die Bühne für die Gala in der Nacht auf Montag ist bereit.

© Matt Petit/A.M.P.A.S. Oscars aus roten Rosen: Die Bühne für die Gala in der Nacht auf Montag ist bereit.



Von Monika Schramm

Innsbruck – Mit je zehn Nominierungen scheinen mit „Roma“ und „The Favorite“ die möglichen Abräumer bei der Oscar-Verleihung fest zu stehen. Doch in so mancher Kategorie gibt es mittlereile keinen klaren Favoriten mehr. Es könnte eine spannende Gala werden – nicht nur, weil sie in der Nacht auf Montag zum ersten Mal seit 30 Jahren ohne Moderator über die Bühne gehen wird.

Fast sicher vergeben scheint der Academy Award für die beste Hauptdarstellerin: Glenn Close brilliert in „The Wife“ als Frau eines Nobelpreisträgers. Mit einem Blick, einer kleinen Geste transportiert die 71-Jährige oft mehr Gefühle, als es Worte je vermögen. Für ihre Leistung bekam Close bereits den Golden Globe, den SAG-Award und am Samstag schließlich auch noch die Trophäe bei den Independent Spirit Awards. Und der Oscar für Glenn Close ist längst überfällig: Es ist ihre siebte Nominierung – sechs Mal ging sie leer aus. Würde sie erneut nicht gewinnen, wäre sie die Schauspielerin mit den meisten „Niederlagen“.

Die ebenfalls nominierten und bereits für ihre Rollen ausgezeichneten Olivia Colman („The Favorite“) und Lady Gaga („A Star Is Born“) dürften leer ausgehen. Auch für Melissa McCarthy („Can You Ever Forgive Me“) und Yalitza Aparicio („Roma“) stehen die Chancen eher schlecht.

Angegessene Kilos und falsche Zähne

Die Akademie liebt die großen Verwandlungen, wenn es um Oscar-würdige Leistungen geht. In der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ stehen gleich drei Herren zur Auswahl, die auch äußerlich große Veränderungen für ihre Rollen vollzogen haben. Kaum wiederzuerkennen ist Oscar-Kandidat Christian Bale als Dick Cheney. Er nahm für die Politsatire „Vice - Der zweite Mann“ rund 20 Kilo zu. Die Maskenbildner taten dann das Übrige, um ihn in den ehemaligen US-Vize-Präsidenten zu verwandeln. Der 45-Jährige darf sich nicht nur deshalb Chancen auf eine Trophäe ausrechnen. Es wäre sein zweiter Oscar.

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Auch Mitbewerber Viggo Mortensen hat kräftig zugelegt, um den Chauffeur Tony Lipp in „Green Book“ zu verkörpern. Der 60-Jährige ist zum dritten Mal nominiert, gewonnen hat er noch nie.

Mit künstlichen Zähnen und viel Bewegungs-Training hat sich Rami Malek in den legendären Freddy Mercury verwandelt. Für die Rolle im Queen-Film „Bohemian Rhapsody“ wurde der 37-Jährige bereits unter anderem mit einem Golden Globe, dem Screen Actors Guild Award und dem britischen Filmpreis BAFTA ausgezeichnet. Damit gilt er als aussichtsreichster Kandidat für den Oscar. Nur wenig Hoffnung können sich bei der starken Konkurrenz Willem Dafoe und Bradley Cooper („A Star Is Born“) machen.

Cooper und Lady Gaga werden übrigens bei der Gala ihr Duett „Shallow“ aus „A Star Is Born“ singen. Das Lied hat die besten Chancen, den Oscar für den besten Originalsong zu gewinnen. Ebenfalls nominiert sind hier „All the Stars“ aus „Black Panther“, Diane Warren mit „I‘ll Fight“ aus der Dokumentation „RBG“, „The Place Where Lost Things Go“ aus „Mary Poppins Returns“ und „When A Cowboy Trades His Spurs For Wings“ aus „The Ballad of Buster Scruggs“.

Offene Rennen bei den Nebendarstellern

Relativ offen sind scheinbar die Rennen bei den besten Nebendarstellern. Den Prognosen vieler US-Filmkennern und Journalisten zufolge könnte sich bei Frauen Regina King durchsetzten. Der Film „If Beale Street Could Talk“ ist hierzulande noch nicht zu sehen. Hoch gehandelt wurden im Vorfeld auch Emma Stone und Rachel Weisz für ihre Rollen in „The Favorite“. Ebenfalls im Rennen: Amy Adams („Vice“). Die 44-Jährige ist bereits zum fünften Mal für einen Oscar nominiert. Gewonnen hat sie noch nie. Emma Stone und Rachel Weisz dürfe hingegen schon je eine Trophäe – Stone für „La La Land“ und Weisz für ihre Rolle in „Der ewige Gärtner“.

Mahershala Ali („Green Book“), Adam Driver („BlacKkKlansman“), Sam Elliott („A Star is Born“), Richard E. Grant („Can You Ever Forgive Me?“) und Vorjahressieger Sam Rockwell („Vice“) sind die Kandidaten für den Nebendarsteller-Oscar. Bei Kritikern hoch im Kurs stehen Grant und Ali. Letzterer gewann bereits 2016 einen Oscar für „Moonlight“. Für seine Rolle in „Green Book“ bekam Ali unter anderem den SAG-Award, einen Golden Globe und den BAFTA.

Filme, die Geschichte schreiben könnten

Geht es nach den bisher schon vergebenen Filmpreisen, hat Alfonso Cuaron die Nase im Rennen um den Regie-Osar vorn. Schließlich hat er für „Roma“ unter anderem den Golden Globe, BAFTA und Independent Spirit Award gewonnen. Schärfste Konkurrenten des Mexikaners sind wohl der Grieche Yorgos Lanthimos („The Favorite“) und Spike Lee („BlacKkKlansman“). Außenseiter-Chancen haben Adam McKay („Vice“) und der Pawel Pawlikowski („Cold War“). Der Pole konkurriert übrigens mit Cuaron auch um den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film. In der Kategorie sind zudem der deutsche Beitrag „Werk ohne Autor“, „Shoplifters“ aus Japan und der libanesische Film „Capernaum“ nominiert.

Einen klaren Favoriten in der Königskategorie „Bester Film“ auszumachen, ist schwierig. Nach dem Preisreigen der letzten Wochen sticht hier „Roma“ heraus. Ob die Akademie aber erstmals einem Film, hinter dem der Streamingdienst-Netflix steht, den Oscar verleiht? Eine weitere Premiere wäre, wenn „Black Panther“ das Rennen für sich entscheiden würde. Zum ersten Mal ist nämlich eine Comicbuch-Verfilmung in dieser Kategorie nominiert. Gute Karten hat aber auch „Green Book“. Der Film bekam den Golden Globe in der Kategorie „Bester Film Musical oder Komödie“ und den US-Produzenten-Preis, dessen Sieger oft auch den Oscar gewinnen. „The Favorite“ und „Vice“ können trotzdem noch weiter hoffen. Eher unwahrscheinlich ist, dass „A Star Is Born“ oder „Bohemian Rhapsody“ als Film des Jahres ausgezeichnet werden.

Ab 2 Uhr werden die 91. Oscars in Los Angeles vergeben. Wir begleiten Sie im Live-Blog durch die Nacht.


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