Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.03.2019


Film und TV

“Aufbruch“: Zwei verlorene Seelen im knatternden Mopedauto

Ludwig Wüst und Claudia Martini suchen nach Verlusten und Versäumnissen den „Aufbruch“.

© StadtkinoLudwig Wüst und Claudia Martini suchen nach Verlusten und Versäumnissen den „Aufbruch“.



Am Anfang von „Aufbruch" markieren zwei einseitig geführte Telefongespräche die Risse in den Existenzen der beiden Figuren. Der vom bayerischen, seit 30 Jahren in Wien lebenden Regisseur Ludwig Wüst gespielte Mann kauert in einem blauen Overall müde unter einer Brücke und hört sich das Lamento einer Frau an. Später fährt er mit seinem Mopedauto durch eine von Weinreben durchzogene Landschaft. Dazu trinkt er Milch aus einer Flasche. Viel mehr ist bis zum Ende des Films über ihn nicht zu erfahren.

Die Frau (Claudia Martini) schimpft auf einer Bank sitzend in ein Handy, das sie, nachdem scheinbar keine Übereinstimmung zu erzielen ist, in der Landschaft entsorgt. Anschließend beruhigt sie sich mit einem kräftigen Schluck aus einem Flachmann. Auch über ihre Geschichte lassen sich nur Vermutungen anstellen. So hat einmal das Kino funktioniert, als noch die Poesie der Bilder über das Geschehene und Kommende eine fließende Erzählung ergab.

Der Mann bietet der Frau eine Mitfahrgelegenheit auf seinem Dreirad an und gemeinsam verbringen sie einen Nachmittag. Für einen zweiten Frühling ist es zu spät, aber Verlust, Versäumnisse und andere Tragödien lassen beide einander als vertraute Seelen entdecken. Der Rhythmus der Geschichte ergibt sich in den starren Einstellungen aus den gefilmten Tätigkeiten.

Sogar die Komik kommt in „Aufbruch" nicht zu kurz, auch wenn sie der Armut der Produktion geschuldet ist. Der Film wurde innerhalb von zehn Tagen gedreht und bei einem Picknick an einem Donaukanal ist im Hintergrund ein Schleppkahn zu sehen, der in den Schuss-Gegenschussmontagen wieder verschwindet und dann wieder auftaucht. Ein Paradoxon, das von der Zeit und vom Geld erzählt. (p. a.)


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