Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 17.03.2019


Film und TV

Diagonale: Filmperlen in der Tristesse

Marie Kreutzers „Der Boden unter den Füßen“ eröffnet am Dienstag in Graz das Festival des Österreichischen Films.

„Der Boden unter den Füßen“ lief bereits im Wettbewerb der Berlinale – und kommt in der nächsten Woche auch regulär in Österreichs Kinos.

© imago/Prod.DB„Der Boden unter den Füßen“ lief bereits im Wettbewerb der Berlinale – und kommt in der nächsten Woche auch regulär in Österreichs Kinos.



Von Marian Wilhelm

Graz – „Bonjour Tristesse“ heißt ein Film des Exil-Österreichers Otto Preminger. Und Bonjour Tristesse ist auch das alljährliche filmische Motto beim Festival des Österreichischen Films Diagonale, die den Klassiker von 1958 mit David Niven und Jean Seberg heuer zeigt. Doch das Lamento über den österreichischen Film und seine allzu oft tristen Erzählungen ist so alt wie die Bewunderung dafür im Ausland.

Seit den 90ern stehen internationale Preise dem Desinteresse des heimischen Publikums gegenüber. Die Diagonale ist als zweitgrößtes Festival des Landes rein dem österreichischen Filmschaffen gewidmet. Damit sind auch die beiden jungen Festivalmacher Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber auf Gedeih und Verderb der Jahresproduktion ausgeliefert.

Was sie aus der begrenzten Auswahl machen, kann sich auch heuer wieder sehen lassen. Diese Woche präsentierten sie ihr Programm, das erneut versucht, Linien einzuziehen und Funken aus einem alles in allem recht durchschnittlichen österreichischen Spielfilmjahr zu schlagen.

Als Auftakt steht der Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Der Boden unter den Füßen“ von Marie Kreutzer exemplarisch für ein psychologisch-bürgerliches Kino. Die stark gespielte Geschichte zweier Schwestern mit Valerie Pachner und Pia Hierzegger wird gleich nach dem Festival sein Glück beim österreichischen Publikum versuchen. Ebenso von der Berlinale kommt der letztjährige Dokumentarfilmgewinner Nikolaus Geyrhalter („Die bauliche Maßnahme“) mit seiner neuen Doku „Erde“ nach Graz. Darin kommt u. a. auch der Brennerbasistunnel auf die Leinwand. „Die Melancholie der Millionäre“ des Exil-Tirolers Caspar Pfaundler porträtiert zwei Männer in ihrem zum Kunstwerk gewordenen Wiener Haus. Insgesamt werden bei der Diagonale 180 Lang- und Kurzfilme gezeigt. 112 davon mit Chancen auf die hochdotierten Preise.

Das Spannende beim Grazer Festival sind aber wie immer die Blicke in die österreichische Kinogeschichte, die Beweise für ein anderes, lustvolleres Austro-Kino liefert. Ein Tribute an den eigenwilligen Schauspieler Hanno Pöschl belebt hier Perlen des dialektalen Wiener Films und zeigt Fassbinders „Querelle“, in dem Pöschl mitwirkte. Auch dem Filmemacher und Tischler Ludwig Wüst ist anlässlich seines aktuellen Films „Aufbruch“ ein Fokus gewidmet. Die Filmreihe „Über-Bilder. Projizierte Weiblichkeit(en)“ bietet mit einem von 13 Filmmenschen ausgewählten Film-Panorama einen guten Anstoß für aktuell-intellektuelle Gender-Debatten. Die Filmbranche diskutiert auf ihrem alljährlichen Firmenausflug nach Graz aber auch über die Zukunft des Kinos selbst, bei einer VirtualReality-Conference und beim FilmMeeting zum Thema „Wieso Kino?“. Diese Frage will die Diagonale ab 19. März wieder beantworten.

In Graz im Programm: Otto Premingers „Bonjour Tristesse“ (1958) mit Jean Seberg und David Niven.
In Graz im Programm: Otto Premingers „Bonjour Tristesse“ (1958) mit Jean Seberg und David Niven.
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