Letztes Update am Mo, 25.03.2019 12:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TV-Serie

„Delhi Crime“: Netflix-Serie über tödliche Vergewaltigung in Indien

Eine 23 Jahre alte Studentin wird 2012 in Neu-Delhi auf brutalste Art und Weise von sechs Männern vergewaltigt. Kurz darauf erliegt sie ihren Verletzungen. Die Tat erschüttert – weit über die Grenzen Indiens hinaus. In sieben einstündigen Folgen behandelt „Delhi Crime“ die Nachwirkungen des Verbrechens.

Tausende Männer und Frauen gingen nach dem Bekanntwerden der Tat auf die Straße. Sie forderten die Todesstrafe für die Vergewaltiger.

© AFPTausende Männer und Frauen gingen nach dem Bekanntwerden der Tat auf die Straße. Sie forderten die Todesstrafe für die Vergewaltiger.



Von Klara Hürlimann

Neu-Delhi – 16. Dezember 2012: Eine junge Inderin wartet mit ihrem Freund an einer Bushaltestelle in Neu-Delhi, die beiden wollen nach einem Kinobesuch am Sonntagabend nach Hause fahren. Statt in einen öffentlichen steigen die beiden ohne es zu wissen in einen privaten Schulbus mit getönten Scheiben ein, der eigentlich nicht im Einsatz ist. Die sechs darin mitfahrenden Männer verprügeln den jungen Mann und vergewaltigen vor seinen Augen seine 23-jährige Freundin. Mit einer Eisenstange fügen sie der Studentin schwerste Verletzunge zu. Schließlich werfen die Vergewaltiger das Paar auf die Straße, nachdem sie ihnen die Kleider vom Leib gerissen haben. Knapp entgehen die beiden dem Bus, mit dem die Täter sie überrollen wollen.

Eineinhalb Wochen lang kämpft die junge Frau ums Überleben – erst in ihrer Heimat Neu-Delhi, dann in Singapur. Schließlich verliert sie den Kampf, ihre Organe versagen in Folge der massiven Verletzungen. Was folgt, ist eine Welle des Protests in Indien. Tausende gehen für mehr Sicherheit für Frauen auf die Straße, dabei kommt ein Polizist ums Leben. Die Politik reagiert mit der Einführung der Todesstrafe bei tödlichen Vergewaltigungen. Vier Männer werden schließlich in dem Fall zum Tode verurteilt, ein zur Tatzeit minderjähriger Beteiligter zu drei Jahren Jugendhaft.

Serie basiert auf Ermittlungsunterlagen

Diese besonders grausame Tat aus einer Reihe an Vergewaltigungsfällen in Indien hat der Streamingdienst Netflix nun zu einer Serie verarbeitet. In sieben rund einstündigen Folgen zeigt „Delhi Crime“, wie die Gruppenvergewaltigung Indien erschüttert und die Ermittler nach und nach schockierende Details zu Tage födern. Angeleitet werden die Ermittlungen von der stellvertretenden Polizeichefin Vartika Chaturvedi (Name für die Serie geändert) – gespielt von der vor allem aus Bollywood-Filmen bekannten Shefali Shah. Eine starke weibliche Rolle, wie die Schauspielerin gegenüber BBC betont: „Als ich das Drehbuch las, realisierte ich, dass es kein Mann war, sondern eine andere Frau, die sich dem Fall angenommen, dafür gekämpft und Gerechtigkeit erlangt hat. Sie hat für alle Frauen in diesem Land gekämpft.“ Die anderen tragenden Rollen in der Serie übernehmen Rasika Dugal, Adil Hussain und Rajesh Tailang.

Als ich das Drehbuch las, realisierte ich, dass es kein Mann war, sondern eine andere Frau, die sich dem Fall angenommen, dafür gekämpft und Gerechtigkeit erlangt hat.
Shefali Shah (Schauspielerin)

Als Autor und Regisseur investierte der Kanadier Richie Mehta sechs Jahre an Recherche in die Produktion. Dabei dienten ihm Unterlagen der Ermittler sowie Gespräche mit den beteiligten Polizisten als Grundlage. Die Familie des Opfers stimmte laut Medienberichten der Veröffentlichung der Serie zu. Auch wenn die Tat selbst nicht gezeigt wird, bekommen die Zuschauer einen bedrückenden Einblick in das Ausmaß der Tat – unter anderem durch die Beschreibung eines Arztes. Freigegeben ist „Delhi Crime“ ab 16 Jahren. Eine zweite Staffel mit ähnlichen Hauptpersonen soll bereits geplant sein, diese wird sich jedoch einem anderen Kriminalfall zuwenden.

Dokumentation in Indien verboten

Für Aufsehen sorgte bereits 2015 eine Dokumentation des britischen Senders BBC mit dem Titel „India‘s Daughter“. Darin kam unter anderem einer der zu Tode verurteilten Täter zu Wort. Er sagte, dass ein anständiges Mädchen nicht am Abend draußen unterwegs sei und dass somit die Frau immer mehr Schuld an einer Vergewaltigung trage als der Mann. In Indien wurde die Ausstrahlung der Dokumentation verboten.