Letztes Update am Di, 23.04.2019 06:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Soko-Ermittler Jakob Seeböck: „Ich könnte nie Polizist sein“

Heute startet die 18. Staffel von „Soko Kitzbühel“. Ein Gespräch mit Schauspieler Jakob Seeböck, der seit zehn Jahren in der Gamsstadt ermittelt.

Jakob Seeböck, Jahrgang 1976, spielt in der ORF-Krimiserie „Soko Kitzbühel“ Major Lukas Roither.

© ORFJakob Seeböck, Jahrgang 1976, spielt in der ORF-Krimiserie „Soko Kitzbühel“ Major Lukas Roither.



Heute Abend startet die 18. Staffel von „Soko Kitzbühel“. Was wird die Zuseher diesmal erwarten?

Jakob Seeböck: Ich darf natürlich nichts verraten. Zu sehen sind wieder dreizehn spannende Mordfälle. Thematisch wird ein breites Spektrum abgedeckt, zum Beispiel Kindesentführung, Cybermobbing oder Sterbehilfe. Viele der Fälle knüpfen an gegenwärtige Probleme an.

Sie spielen den Polizisten Major Lukas Roither. Wie würden Sie diese Figur beschreiben?

Seeböck: Für mich war es in dieser Staffel besonders interessant, diese Rolle zu spielen, weil die Figur eine Krise durchlebt. Roither ist aus idealistischen Gründen Polizist geworden, doch nun muss er berufliche Misserfolge einstecken. Er verdächtigt etwa den Falschen oder lässt sich von seiner eigenen Intuition in die Irre führen. Das stürzt ihn in Selbstzweifel. Gleichzeitig ist Roither ein Mensch, dem es schwer fällt, seine Gefühle zu artikulieren. Da er seine Probleme nie offen ausspricht, platzen sie manchmal unkontrolliert aus ihm heraus. Diese emotionalen Entgleisungen zu spielen hat aber großen Spaß gemacht. Da durfte ich auch mal etwas zertrümmern. (lacht)

Was ist die Ursache für diese emotionalen Entgleisungen?

Seeböck: Es heißt ja immer, man soll Arbeits- und Privatleben voneinander trennen. Lukas Roither ist das aber nicht gelungen. Es gab eine kurze Liebesgeschichte zwischen ihm und seiner Kollegin Nina Pokorny (Julia Cencig), aber das ist in dieser aktuellen Staffel nun vorbei. Pokorny hat einen neuen Freund, und Roither tut so, als wäre ihm das egal. Eigentlich trifft es ihn aber sehr. Die unausgesprochenen Probleme der beiden sind ein dramaturgischer Kunstgriff, der Spannung erzeugt.

Finden Sie es authentisch, dass es Major Lukas Roither so schwer fällt, seine Gefühle zu artikulieren?

Seeböck: Diese Facette von Roithers Persönlichkeit mag vielleicht etwas klischeehaft erscheinen, aber sie steigert die Dramaturgie. Ich persönlich würde mich nie so verhalten. Ich habe keine Scheu davor, Gefühle direkt anzusprechen. Denn, wenn die Kommunikation versiegt, dann bedeutet das meist das Ende einer Beziehung. Es heißt nicht umsonst: „Beim Reden kommen die Leut zamm“.

Als Schauspieler muss man viel Nähe zulassen. Wie schaffen Sie es, keine echten Gefühle aufkommen zu lassen?

Seeböck: Romantische Szenen am Set sind sehr weit entfernt von Erotik. (lacht) Da stehen zig Leute herum, und die Scheinwerfer knallen einem ins Gesicht. Julia Cencig und ich, wir nehmen solche Szenen mit Humor.

Inwiefern hat sich Major Roither im Laufe der einzelnen Staffeln verändert?

Seeböck: Das Ziel der Serie besteht darin, den Figuren ein Privatleben zu geben. Wer wissen möchte, wie es mit Major Roither weitergeht, muss heute Abend ORF eins einschalten. (lacht)

Hätten Sie sich jemals vorstellen können, Polizist zu werden?

Seeböck: Nein. (lacht) Ich könnte nie Polizist sein. Da ich hin und wieder etwas zu schnell mit dem Auto unterwegs bin, habe ich schon oft einen Strafzettel kassiert. So gesehen habe ich mit der Polizei nicht die besten Erfahrungen gemacht. (lacht) Scherz beiseite. Es ist natürlich ein wichtiger Beruf, aber ich glaube, man muss robust sein, denn man ist oft mit belastenden Situationen konfrontiert. So gesehen ziehe ich es vor, Schauspieler zu sein.

Ihre Eltern sind beide Schauspieler geworden. Ihre Mutter steht noch immer auf der Bühne. Inwiefern hat das Ihre Berufswahl beeinflusst?

Seeböck: Schon mit 15 habe ich bei den Produktionen meiner Eltern mitgewirkt. Erst mit Mitte zwanzig habe ich mich dafür entschieden, eine Schauspielschule zu besuchen. Seit mittlerweile zehn Jahren bin ich nun bei „Soko Kitzbühel“. Psst, ich feiere ein kleines Jubiläum.

Sie wohnen in Wien, verbringen aber viel Zeit in Kitzbühel. Was verbindet Sie mit der Alpenstadt?

Seeböck: Kitzbühel ist für mich zu einer zweiten Heimat geworden. In den Sommermonaten wohne ich mit meiner Frau und meinen beiden Söhnen am Fuße des Hahnenkamms mit Aussicht auf das Kitzbüheler Horn. Wir sind Stammgäste am Schwarzsee und lieben diese Gegend sehr.

Das Gespräch führte Gerlinde Tamerl

Heute im TV.

Staffelstart: „Soko Kitzbühel – Parasit“. Heute, 20.15 Uhr, ORF eins