Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.05.2019


Innsbruck-Land

Matschgerer-Krimi auf der Kinoleinwand

Mit „Fasnachtsfieber“ wagte sich die Volksbühne Mils an eine aufwändige Filmproduktion – sehr erfolgreich.

Im Zentrum des Krimis steht der Tod des „Bujaz“.

© FasnachtsfieberIm Zentrum des Krimis steht der Tod des „Bujaz“.



Mils – Wer hat den Lechner Franz – der als übermütiger „Bujaz“ in der Fasnacht und notorischer Frauenheld viele Neider und Feinde hat – vom Dach gestoßen? Um diese Frage kreist der Film „Fasnachtsfieber“, den die Volksbühne Mils mit enormem Aufwand auf die große Kinoleinwand gebracht hat. Fast so spannend wie die Krimihandlung selbst ist der lange Weg, den das Projekt bis zur umjubelten Vorpremiere im Saal 1 des Innsbrucker Metropol-Kinos zurückgelegt hat.

Alles begann mit dem Milser Christian Pittl: Der Polizeibeamte im Ruhestand befand, dass „Mystik und Euphorie der Fasnacht“ den idealen Nährboden für einen regionalen Krimi abgeben würden. Als Bühnenfassung war sein Werk aber nicht realisierbar – weshalb sein Bruder Josef „Pep“ Pittl den Text autodidaktisch und in ca. 1400 Arbeitsstunden (!) zu einem Filmdrehbuch umschrieb.

Mutig stellte sich die Volksbühne Mils der gewaltigen Aufgabe: „Ein Film ist etwas völlig anderes, als ein Theaterstück zu inszenieren“, meint Regisseurin Helga Föger-Pittl: So musste sie Drehpläne für 62 Szenen erstellen, die von Oktober 2018 bis Ende Februar 2019 gefilmt wurden – und dafür 36 Darsteller, ca. 400 Statisten sowie 45 Beteiligte hinter der Kamera koordinieren.

Bei der Vorpremiere im Metropol-Kino war die Stimmung nicht fiebrig, sondern ausgelassen.
Bei der Vorpremiere im Metropol-Kino war die Stimmung nicht fiebrig, sondern ausgelassen.
- Fasnachtsfieber

Dass die Filmhandlung an einem einzigen Tag spielt, erwies sich als besondere Herausforderung für die Maske (schließlich sollten die Darsteller immer gleich aussehen) und bei Außendrehs: „Ich habe die Großwetterlage noch nie so genau verfolgt“, lacht Föger-Pittl. Ihre Bilanz: „Hinter jeder Filmminute stecken ca. sieben Stunden Arbeit.“

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Dafür wirkten im Dorf alle Kräfte zusammen: Rudolf Sailer (Kamera/Schnitt) ist ebenso ein Milser wie Manu Stix, der dem Film ein professionelles Musik- und Sounddesign verpasste. Die Milser Matschgerer rückten für die Dreharbeiten zusätzlich viermal aus. Viele Sponsoren halfen finanziell und drehtechnisch: So wurde eine kleine Metzgerei in Mils zur Pathologie – wobei der Nirosta-Tisch per Föhn vorgewärmt werden musst­e, „damit die Leiche nicht zu zittern beginnt“, wie sich Pep Pittl breit grinsend erinnert.

Die Bühne scheute kein Risiko: Den großen Saal im Metropol reservierte man schon, als noch keine einzige Sekunde gedreht war. Doch angesichts des „Zusammenhalts und der Ernsthaftigkeit“ aller Beteiligten sei das Projekt „nie auf der Kippe gestanden“, sagt Bühnenobfrau Bettina Hilber.

Die Mühe hat sich gelohnt: Michael Grüner als Vespa-fahrender, mit Biologie-Metaphern hantierender Chefinspektor (Spitzname: „Der Professor“) und der urige Postenkommandant (Pep Pittl) überzeugen als ungleiches Ermittler-Duo. In Nebenrollen glänzen u. a. Schauspielprofi Pepi Pittl als Gerichtsmediziner oder Hermann Mairhofer aus der Südtiroler Partnergemeinde Vahrn als knorriger Maskenschnitzer. Übrigens: Das Gesicht des ermordeten Lechner Franz wird im Film nie vollständig gezeigt – auf ausdrücklichen Wunsch von „Urautor“ Christian Pittl …

Zu sehen ist „Fasnachtsfieber“ noch bis 16. Mai im Metropol-Kino (weit über 900 Tickets sind schon weg) sowie vom 16. bis 19. Mai im Vereinshaus Mils. Details unter www.fasnachtsfieber.tirol (md)

Regisseurin Helga Föger-Pittl und Drehbuchautor „Pep“ Pittl, der auch in eine der Hauptrollen schlüpfte.
Regisseurin Helga Föger-Pittl und Drehbuchautor „Pep“ Pittl, der auch in eine der Hauptrollen schlüpfte.
- Domanig

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