Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Internationales Filmfestival Innsbruck

Groschup hofft auf IFFI-Budget-Erhöhung: „Träumen darf man ja dürfen“

Am Dienstag startet die 28. Auflage des Internationalen Filmfestivals Innsbruck. Danach tritt Gründer und Langzeitleiter Helmut Groschup ab.

Nach 28 Jahren als Festivaldirektor will sich Helmut Groschup künftig vorrangig dem Schreiben widmen.

© Thomas BöhmNach 28 Jahren als Festivaldirektor will sich Helmut Groschup künftig vorrangig dem Schreiben widmen.



Innsbruck – Stargast Pino Solanas hat kurzfristig abgesagt. Und wird dadurch vielleicht zum Sinnbild für einen gelungenen Generationenwechsel beim Internationalen Filmfestival Innsbruck (IFFI). Ein von ihm vorangetriebener Gesetzesentwurf werde dieser Tage im argentinischen Nationalkongress behandelt, teilt Lateinamerikas wohl bedeutendster Filmemacher mit. Der 83-Jährige sitzt seit 2009 in Argentiniens Kongress. Im kommenden Jahr sei ein Innsbruck-Besuch indessen möglich.

Dann allerdings wird das Festival nicht mehr von Gründer Helmut Groschup geleitet, sondern – wie berichtet – von Anna Ladinig. Und die hat für ihr erstes IFFI einen Schwerpunkt zum in den 1960er-Jahren von Solanas und Octavio Getino umrissenen „Dritten Kino“ – einer Praxis gewordenen sozial-, kapitalismus- und kolonialismuskritischen Filmtheorie – angekündigt. Solanas’ Anwesenheit würde den Programmpunkt veredeln.

Strukturell wie inhaltlich will Ladinig den von Helmut Groschup seit 1992 bereiteten Weg weitergehen – „wenn auch mit veränderter Perspektive“. „Du bist du – und ich bin ich“, kommentiert Groschup, der sich vor seinem offiziellen Ausscheiden im Herbst bei Stadt und Land für eine Erhöhung des IFFI-Budgets starkmachen will. Derzeit stehen dem Festival, dessen 28. Auflage am Dienstag im Leokino beginnt, rund 160.000 Euro jährlich zur Verfügung. „Auf eine Erhöhung hoffen wir seit Jahren“, sagt er, „aber träumen darf man ja dürfen.“

70 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme hat Groschup für sein letztes Festival ausgewählt. Im Programm finden sich neue, aber auch ältere Werke langjähriger Weggefährten, von Shaji N. Karun zum Beispiel, dessen „Olu“ das Festival eröffnen wird, von Karl Saurer („Steinauer – Nebraska“), Mohammed Soudani („Taxiphone“) und Jeanine Meerapfel („Amigomío“). Tirols Filmschaffen wird von Melanie Hollaus’ Dokumentarfilm „MS Valentina“ und ihrem Essayfilm „Risse“, Ernst Gossners „South of Pico“, dem Kurzfilm „Zingerle“ und Hermann Weiskopfs „Otto Neururer – Hoffnungsvolle Finsternis“ vertreten. Filmhistorisches Gustostück ist der Stummfilm „Chang“, den Merian C. Cooper und Ernest B. Schoedsack 1927, fünf Jahre vor ihrem epochalen „King Kong“, in Thailand drehten.

Bereits am Tag vor dem Festivalstart macht der Kramsacher Bildhauer Alois Schild das Leokino zum „Kunstort“: Seine Skulptur „Prototyp der neuen Dimension“ – ein acht Meter hohes und etwa sechs Tonnen schweres Stahlobjekt – wird am Montag vor dem Kino enthüllt. Es soll jene Grenzen symbolisieren, die derzeit vielerorts gezogen und verbissen verteidigt werden – und die Kinonomade Helmut Groschup seit 28 Jahren beharrlich überwindet. (jole)


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