Letztes Update am So, 26.05.2019 07:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Will Smith: „Selbst Präsident werden – nein danke!“

Will Smith war einst der Inbegriff eines Actionhelden. Heute steht er für gute Laune – etwa als Lampengeist im aktuellen Kinofilm „Aladdin“.

Heute schmückt Smith den Film Aladdin als Dschinni.

© Daniel SmithHeute schmückt Smith den Film Aladdin als Dschinni.



Berlin – Seit er 1996 durch Roland Emmerichs „Independence Day“ zum Weltstar wurde, reist Will Smith für seine Filme als personifizierte gute Laune um den Erdball. So auch diesmal. In Disneys neuer Variante von „Aladdin“ (ab 23. Mai in unseren Kinos) verkörpert er Dschinni, den Geist aus der Wunderlampe, der jedem, der ihn durch Reiben aus seinem Gefängnis befreit, drei Wünsche erfüllen muss.

Diesmal kam Will wieder einmal in die deutsche Metropole und ließ es sich nicht nehmen, für die Stadtfahrten eine spezielle Luxuskarosse zu benutzen. Zwecks Sightseeing ließ er sich von Komiker Faisal Kawusi in einem besonderen „Luxusschlitten“ durch die Stadt kutschieren. Seine erstaunte Frage: „Wie nennt man ein solches Auto?“ Ebenso erstaunt vernahm er die Antwort: „Trabi, also Trabant. Hat ungeheure 50 PS …“

Danach, bei der Ankunft im feudalen Hotel Ritz-Carlton, erblickte er sogleich seinen „Aladdin“-Regisseur Guy Ritchie, schob ihm einen gepolsterten Sessel unter den Hintern, wischte ihm auf Butler-Art über Jacke und Haare und grinste: „Das musste ich bei den Dreharbeiten jeden Tag machen. Stand im Vertrag.“ Ein paar Minuten später stellte sich Will den Fragen der TT:

Dies ist Ihr erster Film für das Haus Disney?

Will Smith: Ja, das ist sehr erstaunlich. Ich musste erst 50 Jahre alt werden, bis es so weit war.

Wie war Ihnen, als Ihnen die Rolle des Wunderlampen-Geistes Dschinni angeboten wurde?

Smith: Erst hat mich ein bisschen der Schlag getroffen. Was jedem sofort klar ist, der die Animations-Fassung von „Aladdin“ kennt. Denn damals war mein wunderbarer Kollege Robin Williams, der leider 2014 verstorben ist, die Stimme von Dschinni. Jeder erinnert sich, was Robin daraus gemacht hat. Er packte sein ganzes komödiantisches Spektrum aus, parodierte absolut brillant bekannte Kollegen. Niemand ahnte bis dahin im Entferntesten, was man als Synchronstimme alles herausholen konnte. Robin hat damals das Genre effektiv neu erfunden.

Sie als Dschinni in der neuen Version hat Regisseur Guy Ritchie „erfunden“. Wie hat er Sie geködert?

Smith: Nicht gerade tröstlich. Er hat zugegeben: „Es sind nach Robin Williams ganz schön große blaue Schuhe, die es da zu füllen gibt.“ Dann scherzte er: „Nimm’s nicht so schwer. Als Dschinni trägst du keine Schuhe. Man sieht ja meistens nur deinen Oberkörper in einer blauen Wolke …“

Was oder wer war letztlich entscheidend, dass Sie Ja gesagt haben?

Bei der Filmpremiere des Disney-Streifens in Los Angeles blödelte der 50-Jährige mit seiner Tochter Willow.
Bei der Filmpremiere des Disney-Streifens in Los Angeles blödelte der 50-Jährige mit seiner Tochter Willow.

Smith: Mein Sohn Jaden. Er war der Erste, dem ich von diesem Angebot erzählte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt drei verschiedene Drehbücher zu Hause liegen. Als ich ihm von „Aladdin“ erzählte und ihn um Rat fragte, schaute er mich mit einem Blick an, der ausdrücken sollte: „Bist du meschugge? Da überlegst du wirklich noch?“ Also schickte ich die beiden anderen Drehbücher an meinen Agenten zurück.

Und wie sind Sie letztendlich den Schatten von Robin Williams losgeworden?

Smith: Indem ich mich auf neue Aspekte der Rolle konzentrierte. Ich durfte alle Aspekte meiner Karriere einbringen, einen Dschinni aus der Hip-Hop-Perspektive kreieren. Dschinni als Rapper, Sänger und Tänzer. Und ich durfte tiefer in seinen Charakter eindringen, denn aus früheren Erfahrungen weiß er, was Liebe und Sehnsucht bedeuten, er versteht alle menschlichen Bedürfnisse und die existenziellen Fragen. So kann er für Aladdin zu einer wirklichen Hilfe werden.

Lief dann ab Drehbeginn alles glatt?

Smith: Hm-hm. Guy Ritchie hat mir später erzählt, dass bei einer ersten Vorführung von Dschinni-Mustern bei den Disney-Oberen nicht hellste Begeisterung herrschte. Und obwohl es für die Öffentlichkeit noch kein einziges Bild von mir als Dschinni gab: Im Internet fanden sich alsbald spöttische Kommentare. Da gab es etwa Vergleiche mit der Serienfigur Sonic, der irre Igel. Guy war verwirrt, und ich dann auch, war ich doch in einer internetfreien Zeit aufgewachsen und den Zynismus, der oft im Netz herrscht, nicht gewohnt.

Will Smith war früher bekannt als Actionheld, wie hier im Film „Bad Boys“.
Will Smith war früher bekannt als Actionheld, wie hier im Film „Bad Boys“.
- imago stock&people

Wann war der Nervenkitzel vorbei?

Smith: Nachdem der erste Trailer im Umlauf war. Da geschah etwas Ungewöhnliches. Viele Skeptiker entschuldigten sich. Guy Ritchie meinte, solche Entschuldigungen habe er nie zuvor erlebt.

Wie ist Ihr Dschinni letztendlich angelegt?

Smith: (verfällt teilweise in Schwarzenegger-Slang): Guy wollte ihn als „Bodybuilding Dad“ der siebziger Jahre präsentieren, zwar als physisch imposante, aber irgendwie auch onkelhafte Figur. Plus, wie schon erwähnt, Gesang und Tanz. Alan Menken hat für mich sogar einen neuen Song, „A New Friend“, komponiert. Damit konnte ich sozusagen auf eigenem Parkett punkten. Dieses Rezept scheint aufgegangen zu sein. Für das „Muskelpaket“ haben natürlich die CGI-Spezialisten gesorgt.

Und nun sind Sie Mitglied der Disney-Familie. An welche großen Momente aus früheren Disney-Filmen erinnern Sie sich besonders?

Smith: Der größte Moment war für mich der Tod von Simbas Vater Mufasa im „König der Löwen“. Derart traurige, düstere, dramatische, bewegende Szenen habe ich in keinem anderen Disney-Animationsfilm gesehen. Einen anderen Disney-Streifen habe ich übrigens gehasst.

Nämlich?

Smith: „Dumbo“. So haben sie mich nämlich als Kind wegen meiner großen, abstehenden Ohren gehänselt. Doch heute sind die meine „persönliche Note“.

Sie waren ja immer ein politisch sehr engagierter Mensch. Ein bisschen dauert es noch, doch bald wird es Zeit, dass ein besserer Entertainer ins Weiße Haus einzieht. Keine Lust?

Smith: Wenn Sie mich fragen, ob ich Barack Obama in einem Film spielen würde – darüber kann man reden. Aber selbst Präsident zu werden – nein danke!

Das Interview führte Ludwig Heinrich


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