Letztes Update am Di, 28.05.2019 09:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kino

Wenn nur die Menschen nicht wären: „Godzilla II“ als B-Movie-Trash

Die Fortsetzung der Monsterserie ist nur mehr ein müder Aufguss mit ärgerlichen Figuren. Godzilla II ist ab 30. Mai im Kino.

Ein gigantischer  Godzilla bricht durch das Dach des Cinerama Dome in Hollywood.

© AFPEin gigantischer Godzilla bricht durch das Dach des Cinerama Dome in Hollywood.



Von Christoph Griessner/APA

Wien, Hollywood — Zuletzt hat die Wiederbelebung noch bestens funktioniert: Der britische Regisseur Gareth Edwards hatte 2014 „Godzilla" auf die Menschheit losgelassen und damit einen Erfolg an den Kinokassen eingefahren. Nun geht der Monsterkampf mit „Godzilla II: King of the Monsters" weiter, doch aus B-Movie-Charme ist mittlerweile B-Movie-Trash geworden. Ab Donnerstag im Kino.

Familie Russell hat es hart getroffen, als die Riesenechse vor fünf Jahren durch San Francisco trampelte. Doch den Verlust ihres Sohnes Andrew versuchen die Wissenschafter Mark (Kyle Chandler) und Emma (Vera Farmiga) höchst unterschiedlich zu verarbeiten: Er studiert in der Wildnis Wölfe, während sie an einer Kommunikationsmöglichkeit mit den riesenhaften Viechern feilt. Denn eins ist gewiss: Godzilla ist längst nicht der einzige Titan, der unter der Erdoberfläche schlummert.

An den Haaren herbeigezogenen Prämisse

Die Geheimorganisation Monarch hat bereits 17 Ungetüme identifiziert, die mal in einem chinesischen Tempel, dann wieder dem ewigen Eis der Antarktis vor sich hin brüten. Blöd nur, dass eine Gruppe von Ökoterroristen die Monster aufwecken will, um die Erde von ihrer eigentlichen „Infektion" zu befreien: dem Menschen. Mit dieser an den Haaren herbeigezogenen Prämisse mag „Godzilla II" zwar gut in die aktuelle Klimadiskussion passen, ob man die Menschheit aber wirklich retten sollte, ist nach diesen zwei Stunden sinnbefreitem Actionkino mehr als fraglich.

Denn Regisseur Michael Dougherty, der gemeinsam mit Zach Shields auch das Drehbuch verfasst hat, lässt kein Klischee aus. Als Grundstock für die Verwüstung des halben Planeten dient ein Familiendrama („Stranger Things"-Star Millie Bobby Brown muss sich als aufmüpfige Tochter Madison klar unter Wert verkaufen), ergänzt um das übliche Geschwafel in Regierungs- und Militärkreisen, und natürlich kommen auch aufopfernde Heldenfiguren nicht zu kurz. Sogar wer sich immer schon gefragt hat, wo Godzilla in den Meerestiefen eigentlich sein kuscheliges Zuhause hat, darf sich auf eine Antwort freuen.

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In dieser Form ein Ärgernis

Kein Zweifel: Es geht bei diesem Sequel nur darum, die Monster entsprechend bildgewaltig in Szene zu setzen. Auch die Anzahl musste nach dem noch zurückhaltenden Auftakt in die Höhe geschraubt werden. Wenn sich etwa der dreiköpfige King Ghidorah in die Lüfte erhebt, dann macht das Zuschauen zugegebenermaßen Spaß. Wer geht schließlich in einen „Godzilla"-Streifen, um ausführlich über die Hintergründe von Mothra und Co aufgeklärt zu werden? Geschweige denn, dass man sich auf ein ausgeklügeltes Drama mit nachvollziehbarer Figurenzeichnung einstellt.

Aber in dieser Form ist der Hollywoodbombast nur noch Ärgernis, was nicht zuletzt an der verschachtelten Erzählweise und der platten Story liegt. Immer wieder werden die Protagonisten in aussichtslos scheinende Situationen geführt, um mächtige Einstellungen der stampfenden Riesen zu rechtfertigen. Das wäre definitiv auch anders gegangen, wie der Vorgänger gezeigt hat. In „Godzilla II" sind die Menschen hingegen nur nervig. Wer nimmt schon seine 14-jährige Tochter zum Schlüpfplatz einer potenziell alles vernichtenden Riesenkreatur mit?

Wäre wenigstens ein Hauch Ironie zu erkennen, könnte man diesem Film noch einigermaßen wohlwollend gesinnt sein. Denn in Sachen Special Effects und obligatorischem Zerstörungswille wird vieles richtig gemacht. Allerdings fehlt der Spannungsmoment, wenn man dem möglichen Tod der Hauptfiguren relativ unbeteiligt entgegensieht. So ist „Godzilla II: King of the Monsters" mitunter ebenso unfreiwillig komisch und emotionsbefreit wie die japanische Vorlage aus den 1950ern. Nur wurden dafür keine zig Millionen Dollar Produktionsbudget aufgewendet. Vielleicht ist manche Spezies doch dem Untergang geweiht...


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