Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 23.06.2019


Kino

“Drei Schritte zu dir“: Teenies mit Tränendrüsen-Überfunktion

Im bittersüßen Melodrama „Five Feet Apart – Drei Schritte zu Dir“ kommen sich zwei todkranke Teenager näher.

Stella (Haley Lu Richardson) und Will (Cole Sprouse) müssen auch beim romantischen Date im Krankenhaus-Schwimmbad auf Abstand bleiben.

© UPIStella (Haley Lu Richardson) und Will (Cole Sprouse) müssen auch beim romantischen Date im Krankenhaus-Schwimmbad auf Abstand bleiben.



Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Teenager mit Problemen, das klingt nach einer Selbstverständlichkeit. Wenn allerdings eine lebensbedrohliche Krankheit zuschlägt, kommt die Ernsthaftigkeit eines Erwachsenen früher als gedacht. Die jugendliche Stella meistert ihre Mukoviszidose-bedingte Lungenkrankheit so gut es geht, während sie auf eine Spenderlunge hofft. Sie bloggt darüber und organisiert sich den Medikationsplan mit selbstprogrammierten Apps. Und sie kennt natürlich die wichtigste Regel: Immer 6 Fuß Abstand halten zu anderen Kranken, sonst droht eine gegenseitige Infektion. Als Stella vom feschen, depressiven Leidensgenossen Will in ihrem Perfektionismus herausfordert wird, entwickelt sich eine unvermeidliche Krankenhaus-Romanze.

Doch eine Teenager-Liebe ohne Berührungen ist eine Herausforderung, selbst als die beiden die Distanz auf die Länge eines 5-Fuß-Billardstocks reduzieren – perfekt für das Breitwandkino. So belebt der Film das romantische Phantasma der reinen, asexuellen Liebe, unvermeidlich und unschuldig zugleich. Als Ersatz gibt es nur ein Date im Krankenhaus-Schwimmbad und eine zärtliche Berührung mit dem Billard-Queue, der die beiden trennt.

Haley Lu Richardson („Columbus“, „Split“) und Cole Sprouse („Riverdale“) brillieren in den Hauptrollen als chronisch kranke junge Erwachsene, sie als Zwangsoptimistin mit Überlebenswillen, er mit todessehnsüchtiger Coolness. Die Nebendarsteller bringen Abwechslung (Moises Arias als schwuler bester Freund, Kimberly Gregory als Pflegerin). Debüt-Regisseur Justin Baldoni findet im limitierten Krankenhaus-Umfeld einige nette Spielfilm-Situationen und viel unvermeidlichen Kitsch in einem wenig überraschenden Drehbuch von Mikki Daughtry und Tobias Iaconis.

Das tödliche Thema lernte Baldoni bereits in der Doku-Serie „My Last Days“ kennen. Als Beraterin hatten er und die beiden Darsteller die Mukoviszidose-Betroffene Claire Wineland mit an Bord. Sie starb kurz nach den Dreharbeiten im Zuge einer Lungentransplantation. So gesehen ist es stimmig, dass der Film bis zum Ende ein recht hohes emotionales Gewicht der Sterblichkeit aufbaut. „Five Feet Apart“ balanciert diese Schwere mit bittersüßen Dialogen und etwas schwarzem Humor aus. Dabei orientiert sich der Film an Vorbildern aus dem mittlerweile etablierten Subgenre der „Feel-Good-Teenager-Krankheits-Melodramen“, wie zuletzt der Bestseller-Verfilmung „The Fault in Our Stars – Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ oder dem ungleich spritzigeren „Me and Earl and the Dying Girl“.

Die unheilbare Krankheit, die alle diese Filme gemeinsam haben, ist eine Überfunktion der Tränendrüsen samt Kitsch-Komplikationen. Mit viel Pop-Song-Schmalz, aber ernstem Hintergrund und liebenswürdigen Figuren wird auch „Five Feet Apart – Drei Schritte zu Dir“ ein leichtes Teenie-Melodram, immerhin mit der besten Kussszene des Kinojahres.